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Solarzellen produzieren Strom aus Regentropfen

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Eingestellt 10, Mai 2016 in Photovoltaik von Herwig Hufnagel (639 Punkte)

Auf einer Ausstellung erzählte mir ein Besucher, er hätte einen englischsprachigen Wissenschaftsbericht gelesen, der beschreibt, wie in naher Zukunft Solarzellen aus Regentropfen Strom produzieren.

Soll eine chinesische Entwicklung sein. Ist das überhaupt möglich?

   

2 Antworten

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Beantwortet 11, Mai 2016 von Michael Stöhr (1,180 Punkte)

Hallo Herr Hufnagel,

bei einer Nachricht wie dieser lohnt es sich, zunächst ein paar Rückfragen zu stellen. Zu zahlreich sind die grandiosen Erfinder, denen es überraschenderweise gelungen ist, den Energieerhaltungssatz auszuhebeln - sofern man ihren Darstellungen Glauben schenkt - und die jetzt ganz dringend ganz viel Geld brauchen, um noch möglichst lange intensiv zu forschen und zu entwickeln.

"Aus Regentropfen Strom produzieren". Woher soll die Energie denn kommen? Aus der kinetischen Energie fallender Regentropfen? Aus in Regentropfen gespeicherter chemischer Energie? Und dieser Beitrag soll dann vergleichbar sein mit dem größten in der Natur vorkommenden Energiefluss überhaupt, der solaren Einstrahlung? Wissenschaftlich-technischer Fortschritt bedarf zweier Komponenten: (1) neuer Ideen, auch solcher, die nach aktuellem Stand nicht umsetzbar sind, und (2) einer sehr kritischen Prüfung dieser Ideen.

Betrachten wir den Artikel in der Wirtschaftswoche. Dort heißt es zunächst einmal nicht "aus Regentropfen Strom" sondern "auch bei Regen Strom", ein in Buchstaben gemessen kleiner, inhaltlich aber gewaltiger Unterschied. Liest man die Beschreibung des Phänomens, erkennt man, dass der Stromfluss, von dem die Rede ist, vergleichbar ist mit dem, der beim Laden eines Kondensators fließt. Er findet zudem nicht im elektrischen Stromkreis der Solarzelle statt, trägt also nicht zum von dieser nach außen abgegebenen nutzbaren Strom bei. Vermutlich baut sich auf der genannten Graphenschicht eine von Regen zu Regen wachsende Oxid- oder Salzschicht auf, die aus den zuvor in den Regentropfen enthaltenen positiven Ionen und Luftsauerstoff, Karbonationen, etc. gebildet wird. Was ich bei der Beschreibung vermisse, ist, wie eigentlich die Zelle gegenüber äußeren Einflüssen geschützt wird. Von einer Glasabdeckung ist ja nicht die Rede.

Inwieweit dieser Ladevorgang die Effizienz der Solarzelle beeinflusst, die natürlich auch bei Schwachlicht, sprich auch bei Regen am Tage, etwas Strom erzeugt, bleibt offen. Mag sein, dass ein positiver Einfluss vorliegt. Mag zweitens sein, dass er technisch nutzbar ist. Mag drittens sein, dass photovoltaische Stromerzeugung auf diesem Wege noch kostengünstiger wird. Allein die Plausibilisierung fehlt von vorn bis hinten. Hoffen wir, dass sie in Fachzeitschriften noch folgt. Die Botschaft wird dann vermutlich immer noch erfreulich, doch wesentlich unbedeutender sein.

Die Euphorie auf Grund einer unzureichend beschriebenen Laborentwicklung in der Wirtschaftswoche steht in merkwürdigem Kontrast zu dem Technikpessimismus der aus den ersten Zeilen der Nachricht durchscheint. Dort wird - wir kennen das ja nun seit Jahrzehnten - geschickt getarnt dem Glaubensdogma gehuldigt, in Nord- und Mitteleuropa käme man mit Solarstrom nicht weit. Der Eingangssatz nimmt zwischen den Zeilen die Propaganda der 1980er Jahre auf, mit Erneuerbaren Energien könne man in Deutschland maximal 4% des Stromverbrauchs decken. Nun werden halt 5% eingestanden. Von Windstrom wird auch in Nebensätzen nicht geredet, der soll ja schließlich gerade durch die EEG-Novelle 2016 klein gemacht werden. Dass Erneuerbare Energien mehr können, ist glücklicherweise schon längst in der Realität gezeigt worden.

Das Problem bei den tatsächlich oder vermeintlich genialen Erfindungen, die mit einer einzigen Lösung alle Probleme auf einmal beseitigen, ist, dass sie dazu verleiten, die Hände in den Schoß zu legen, getreu dem Motto: "Wenn DAS erst einmal kommt, wird alles gut. Also lasst uns intensiv daran forschen, alles andere vernachlässigen und ansonsten weitermachen wie gewohnt". "Geniale" Erfindungen sind ein Glücksfall für die, die sich nicht bewegen wollen.

Mit sonnigen Grüßen, M. Stöhr

Kommentiert 11, Mai 2016 von Herwig Hufnagel (639 Punkte)
Bearbeitet 12, Mai 2016 von Herwig Hufnagel
Dachte mir fast, dass das wieder eine Warteschleife für bewegungsarme Glückspilze ist .... Danke auch für die völlig richtige Widmung!
Sonnige Grüße
Herwig Hufnagel
+2 Punkte
Beantwortet 10, Mai 2016 von Daniel Netter (57 Punkte)

Hallo Herr Hufnagel,

es stand auch ein Artikel in der Wiwo Green dazu:
http://green.wiwo.de/wie-fuer-deutschland-gemacht-neue-solarzelle-gewinnt-strom-auch-durch-regen/

Viele Grüße
Daniel Netter

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