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Warum verliert man durch eine Modulreinigung den Gewährleistungsanspruch bei den Modulherstellern?

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Eingestellt 18, Jun 2015 in Photovoltaik von Alois Elsner
Bearbeitet 30, Jun 2015 von Nicole Münzinger

Vor der Reinigung einer PV-Anlage muss die Modulanleitung geprüft werden hinsichtlich der Reinigungshinweise. Bevor die Reinigungsfirma beginnt, sollte in jedem Fall die Freigabe des Modulherstellers eingeholt werden, falls entgegen den Anweisungen gewaschen werden soll. Bei nicht Einhaltung der Anweisungen droht der Garantieverlust.

Einige Hersteller geben an, dass mit weichen Reinigungstüchern gereinigt werden soll. Eine Freigabe für die Reinigung mittels Reinigungsgerät erfolgt oftmals nicht. Sie verweisen auf Modulglasoberflächen mit speziellen Eigenschaften, welche beschädigt werden können.

PV-Anlagen werden gewaschen um die Hauptfunktion aufrecht zu erhalten, mit dem Nebeneffekt einer sauberen Gesamtansicht des Gebäudes. Es gibt zwar häufig einen Selbstreinigungseffekt der PV-Module, aber keinen Selbstwascheffekt. Soll die Garantie weiter bestehen, bleibt also nur die praxisferne Reinigung per Hand oder eine Sonderlösung, welche nach derzeitigem Kenntnisstand auf dem Markt nicht existiert. Gemäß Stand der Technik werden PV-Anlagen maschinell gereinigt. Ergo muss es ein Reinigungsgerät geben, welches die Modulhersteller freigeben oder als Zubehör anbieten.

   

4 Antworten

+1 Punkt
Beantwortet 19, Jun 2015 von Martin Schorlies (940 Punkte)
 
Beste Antwort

Hallo Herr Elsner, 


da haben Sie eine Marktlücke gefunden ;). 

Natürlich gibt es Reinigungsgeräte, die es zum Zeitpunkt als die Gewährleistung der Module geschrieben wurden so noch nicht verfügbar waren. 

Gerne können Sie versuchen alle Hersteller von einem Gerät zu überzeugen, dass die Gewährleistung aufrecht erhält. 

Es gibt auch Firmen die genau diese Dienstleistung Modulreinigung (mit weichem Lappen) anbieten. Fraglich ob die Kosten durch den sonst verringerten Ertrag gedeckt würden. Daher ist eine pauschalisierte Aussage immer sehr schwer belastbar zu formulieren.

Aber z.B. würden Sie vermutlich auch nicht erwarten im Handbuch zu Fords Modell-T die Erwähnung einer Waschstrasse zu finden. Während die Waschanlagen aus den 80ern solch ein Fahzeug vermutlich beschädigt hätten und heutige vermutlich keinen Schaden anrichteten, wird keiner der Waschstrassenherstellern oder -Betreibern die Haftung dafür übernehmen.

Bei alten Bestandsanlagen mit hohen Vergütungen lohnt sich das Rechenexempel Reinigungskostrn vs. Mehrertrag. 

Auch hab ich schon Anlagen sehen müssen, die durch ganz tolle hochpotente Reinigungsmittel regelrecht erblindet sind. Mein Lieblingsfall: Anlagenbetreiber reinigte seine Anlage mit einem Hochdruckreiniger und der Fräsdüse, weil das bei der Gebäudewand auch hervorragende Reinigungsresultate erziehlt hatte,- dass der Wasserstrahl die Module zerstört hat erwähne ich nur am Rande...

Genau aus diesem Betrachtungen beziehe ich grundsätzlich auch Verschmutzungen und Reinigunsmöglichkeiten in die Betracgtung mit ein. Es gibt Fälle, da lohnt es sich, bei anderen genügt der Regen und ganz ganz Selten sollte man wegen der Umwelteinflüsse auf PV verzichten oder nur mit echten Glas-Glas-Modulen realisieren.

MfG

Martin Schorlies

+1 Punkt
Beantwortet 21, Jun 2015 von Michael Mattstedt (100 Punkte)

Sehr geehrter Herr Elsner

Als sog. PV-Gutachter sollten Sie kein Geschäft mit der Angst machen - insbesondere wenn Ihre Lösung die Sie verkaufen keine tatsächliche Lösung für den Anlageneigentümer ist.

Seit 1999 beschäftige ich mich aktiv mit dem Thema schadensfreie und werterhaltende Reinigung. Seit 2007 biete ich die Reinigung von PV-Modulen als Inhaber der Ökologischen Solarreinigung an.

1.
Ihre reisserische Behauptung man würde durch die Reinigung von PV-Modulen die Gewährleistung per se verlieren ist falsch. 


Mit den Reinigungshinweisen im Produktdatenblatt handelt es sich lediglich um Hinweise für die richtige Reinigung. Wenn Sie (wie in Ihrem Beispiel) das weiche Tuch verwenden und gerade deshalb die Glasoberfläche durch die Reinigung von scharfkantigen Stäuben verletzen, stehen Sie dennoch in der Verantwortung für die von Ihnen verursachten Bearbeitungsschäden. Und das ist richtig so!

Die Reinigungsproblematik ist jedoch wesentlich komplexer als von Ihnen dargestellt und reduziert sicht nicht nur auf die PV-Module, sondern erstreckt sich auch in die Architektur, wo ebenso thermisch vorgespannte Gläser (z.B. ESG wie die PV-Module) verbaut sind und es nun seit Jahrzehnten Bearbeitungsschäden bei der Reinigung gibt.

Lesen Sie die entsprechenden Gutachten und gerichtlichen Urteile und Sie werden sehen, dass man von einem FACHBETRIEB immer den Sachverstand einfordert die Oberfläche richtig zu reinigen - über die Empfehlung des Produktherstellers hinaus!


2.
Auf Ihrer Internetseite sehe ich in der Fortführung zu Ihrer Gewährleistungs-These Ihre Empfehlung vor und nach jeder Reinigung eine Aufnahme mit der Wärmebildkamera zu machen.

Der Kundennutzen einer Thermografieaufnahme in diesem Zusammenhang ist sehr gering und würde lediglich die Kosten von Service und Reinigung für den Anlagenbetreiber künstlich in die Höhe treiben.

Lediglich das Aufbrechen der Mycrorisse durch die mechanische Vibration rotierender Bürstensysteme könnte unter Umständen mit der Thermografie festgestellt werden - aber auch nur wenn es zu thermisch unterschiedlichem Verhalten im Wafer führt.

Das Gericht, wie der Modulhersteller würden diese Tatsache jedoch sehr gelassen nehmen, da letztlich nicht die Thermografie, sondern die ordentliche Messung mit dem Kennlinienmessgerät im Gewährleisungsfall ausschlaggebend ist.

Mit Ihrer Thermografiedrohne stellen Sie weder Verkratzungen, noch reduzierte Oberflächenvergütung fest, weder verletzte Antireflexbeschichtungen, noch Glaskorrosion. Auch kein schlechtes Reinigungsergebnis ist verifizierbar. Also wozu??? Dies ist keine Geschäftsidee, die eine Win-win-Situation mit dem Anlagenbetreiber schafft. Hier profitiert nur der Dienstleister.


Wir können uns deshalb gerne auf den Minimalkonsens einigen, dass vor der Reinigung die Handhabungsrichtlinien, Produktdatenblatt etc. des Modulherstellers zu lesen sind.Deshalb fragen wir in unserem Online-Formular eben auch den Modulhersteller ab, wenn ein Interessent ein Reinigungsangebot haben möchte.


Die Entscheidung des Fachbetriebs eine andere Reinigungsmethode zu wählen als im Produktdatenblatt EMPFOHLEN, führt im besten Fall zum Ausbleiben von Bearbeitungsschäden und EBEN NICHT zum Erlöschen der Gewährleistung.
Das ist schlicht unwahr, weil die "Hinweise und Empfehlungen zur Reinigung" juristisch keinen Gewährleistungsausfall zu Konsequenz haben können. Im nachgewiesenen Schadensfall muß sich der Dienstleister lediglich für die von ihm verursachten Bearbeitungsschäden verantworten. Dies sollte Ihnen als ordentlichem Gutachter jedoch bekannt sein??!

3.
Über den Sinn und Unsinn von Reinigungsempfehlungen der Modulhersteller zu urteilen ist müsig. Nachdem die "Selbstreinigung der PV-Module" lange Zeit als zugesicherte Produkteigenschaft galt, wurde diese von der Realität eingeholt und in einigen Produktdatenblätter reduziert auf einen bestimmten Anstellwinkel.

Wegen dem Selbstreinigungsvermögen wurde lange Zeit keinerlei Reinigungshinweis gegeben, aufgrund der neuen Realitäten musste in der Konsequenz dringend etwas geschrieben werden - möglichst unverfänglich und dennoch haltbar. Gültig für alle Verschmutzungsarten und alle unbekannten Situationen. Ein unmögliches Unterfangen. Deshalb sind diese Reinigungshinweise so verhalten bzw. vage und wie Sie es ausdrücken "weltfremd".

3.1 Eine Realität ist die vorgefundene (Mehrfach-)Verschmutzung:

Der Chef der Qualitätssicherung vom Glashersteller Interpane hat es mir gegenüber wie folgt ausgedrückt: "Für solche Verschmutzungen sind die Gläser gar nicht geschaffen. Dies zu reinigen ist eine Kunst!"

3.2 Eine Realität ist der heutige Stand der Forschung und der Stand der Technik

Ich bin, wenn es mir die Zeit ermöglicht auf ausgewählten Kongressen und Fachveranstaltungen der Glasindustrie, von Hochschulen etc. Der Stand der Technik heute, der aktuelle Kenntnisstand der Forschung und die Realitäten draußen im Produktverkauf sind Welten!

Mir liegt beispielsweise die schriftliche Aussage eines deutschen Modulherstellers vor, der nach Rückfrage in seiner Produktentwicklung folgende Aussage getroffen hat:

"....VE Wasser darf zum Reinigen unserer Module nicht verwendet werden um einer Korrosion vorzubeugen. Bei dem Deckglas des Moduls handelt es sich um ein Floatglas oder TVG (Produktbezogen) mit hoher Transmission..."

VE Wasser, Reinstwasser, Reinwasser, Osmosewasser etc. wird von den allermeisten Reinigungsbetrieben verwendet. Das Deckglas aller PV-Module besteht entweder aus Floatglas, oder TVG. Etwas anderes gibt es nicht!....

In der Ökologischen Solarreinigung wird aus gutem Grund kein entmineralisiertes, oder deionisiertes Wasser, keine rotierenden Bürsten, keine Reinigungschemikalien und keine Nanoprodukte verwendet


Mit freundlichen Grüßen

Michael Mattstedt
Kommentiert 27, Jun 2015 von Alois Elsner (10 Punkte)
Reinigungsbetriebe können sich zertifizieren lassen. Wir legen bei unseren Schulungen wert darauf, dass die Reingungsbetriebe, welche wir zertifizieren, dem PV-Anlagenbetreiber mitteilen, dass die Garantie nahezu immer durch die maschinelle Reinigung verloren geht. Es ist wichtig, dass PV-Anlageninvestoren auf das Thema Wert legen, damit die Modulhersteller anfangen Module auf den Markt zu bringen, welche Maschinell gereinigt werden dürfen. Natürlich ist es oftmals besser den Garantieverlust durch eine Reinigung hinzunehmen aber dafür eine signifikante Ertragssteigerung zu erfahren.
Kommentiert 29, Jun 2015 von Michael Mattstedt (100 Punkte)
Sehr geehrter Herr Elsner

das thermisch vorgespannte Glas von Photovoltaik-Modulen hat eine hohe Drucklastbeständigkeit (Hagel, Schnee, Starkregen/Wind) und ist im Gegenzug verkratzungsempfindlich. Dies sind grundsätzliche Materialeigenschaften.

Hier ist die Reinigung mit automatisierten Systemen wie rotierende Bürsten und Reinigungsgeräte mit hoher Druckauflage bzw. Abrasivität generell problematisch.

Denn auch die Reinigung mit zu geringer Wassermenge kann Verkratzungen hervorrufen. Diese Thematik ist in der Gebäudereinigung unter dem Begriff "Grauwasserreinigung" wohlbekannt, aber auch wenn sich die rotierende Bürste unter den Wasserfilm dreht.

Die Wahl des geeigneten Reinigungsgeräts, des Reinigungswassers und die handwerkliche Ausführung sind also nicht nur für das jeweilige Material, sondern auch für die vorgefundene Verschmutzungssituation adäquat zu wählen.

Es gibt am Markt keine Alternative zu thermisch vorgespanntem Glas (TVG, ESG) und Floatglas. Die einzig sinnhafte Konsequenz ist deshalb der generelle Verzicht auf  Hilfsmittel mit dem Risiko von Bearbeitungsschäden.

Der verantwortungsvolle Fachbetrieb darf für eine kurzfristige Ertragssteigerung keine potentiellen Bearbeitungsschäden billigend in Kauf nehmen. Es ist keine Lösung unter dem Hinweis des Garantieverlustes ungeeignetes Reinigungsequipment und andere Hilfsmittel mit Schadensrisiken zu verwenden.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Mattstedt
Ökologische Solarreinigung
0 Punkte
Beantwortet 19, Jun 2015 von Schönfelder (16 Punkte)

Hallo, 


als Installationsunternehmen bietet meine Firma auch Wartungsverträge an. Hier haben wir eine Reinigungsfirma unter Vertrag, die unseren Kunden die Reinigung ohne Verlust der Garantie anzubieten in der Lage ist. 

Hier liegen von diversen Herstellern Zertifikate - Unbedenklichkeitsbescheinigungen vor, die der Firma eine Reinigung unter Ihren standardisierten Bedingungen als schadfrei für die Module bescheinigt.

Sicher sind längst nicht  alle Hersteller bereit Ihre Garantie auf äußere Einwirkung wie z.B. die Reinigung auszuweiten. 

Am Rande möchte ich für die Reinigung noch ein Plädoyer halten, denn gerade bei Landwirtschaftsobjekten ist nach der Reinigung eine hohe einstellige prozentuale Ertragssteigerung zu erwarten. Je nach Größe der Anlage und Einspeisevergütung ist mitunter eine jährliche Reinigung anzuraten. 

Neuere Anlagen und kleine Anlagen reinigt man, wirtschaftlich betrachtet, wohl eher weniger. 

 

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Beantwortet 2, Jul 2015 von Stefan Wippich (156 Punkte)

Hallo Herr Elsner, 

evtl. ist folgender Beitrag auf dem ENVARIS-Blog auch spannend für Sie: 

GASTBEITRAG ZUM THEMA REINIGUNG SOLARANLAGE VOM TESTZENTRUM TECHNIK UND BETRIEBSMITTEL DER DLG E.V.


Stellen Sie Ihre eigene Frage:

 

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