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Lohnen sich Stromspeicher und Selbstverbrauch?

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Beantwortet 21, Jun 2014 von Franz Alt (1,830 Punkte)

In Deutschland ist zurzeit kein Argument zu doof, um nicht gegen erneuerbare Energien ins Feld geführt zu werden. Die Energiewende sei zu teuer, die Versorgung zu unsicher, die Technik noch nicht ausgereift und der Zubau gehe zu schnell. Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende ist freilich, dass sie intelligent und möglichst frei von Partikularinteressen gestaltet wird. Der Umbau muss rasch organisiert werden, denn wir haben – wie der jüngste Weltklimabericht wieder einmal deutlich gemacht hat – nicht unendlich viel Zeit. Die Bundesregierung propagiert zwar verbal die Energiewende, aber faktisch bremst sie diese ganz im Sinne der alten Energiewirtschaft aus und verschläft die Zukunft mit falschen und unhaltbaren Argumenten.

Aber auch Branchenfunktionären muss man gelegentlich durch Fakten wiedersprechen. Jahrelang galt der Grundsatz, dass Speichern von Solarstrom und Eigenverbrauch nicht ökonomisch sei. Interessanter sei es, den Solarstrom ins öffentliche Netz einzuspeisen. Diese Überlegung war etwa bis vor einem oder zwei Jahren noch richtig. Im Jahr 2.000 gab es noch über 50 Cent pro KWh Solarstrom und der Strom aus der Steckdose kostete etwa 12 bis 15 Cent.

 

Doch heute haben wir eine völlig andere Preissituation. Der Strom aus Kohle und der Atomstrom kosten jetzt bis zu 30 Cent und die Kilowattstunde Solarstrom können wir für etwa zehn Cent selber produzieren. Jetzt rechnen sich also das Speichern und der Eigenverbrauch bei heute installierten PV-Anlagen. Und Jörg Meyer, Geschäftsführer des BSW-Solar hat unrecht, wenn er in einem Interview am Rande der Intersolar-Messe erklärt: „Auch heute rechnen sich Speicher noch nicht. Durch Kostendegression werden wir aber erleben, dass wir zur Wirtschaftlichkeit kommen.“ Der Solarverband erwarte, dass es zwischen 2015 und 2017 soweit sei.

 

Lieber Jörg Meyer. Ich höre von Fachleuten in der Praxis genau das Gegenteil. Die Kostendegression sei bereits eingetreten und viele von uns, die heute Anlagen und Batterien installieren bestätigen mir das. Wenn jetzt immer mehr ihren selbsterzeugten Strom mit Hilfe von Batterien selbst verbrauchen, dann erleben wir auch – ähnlich wie bisher bei der Produktion von PV-Strom – eine rasche Kostendegression bei Batterien oder wie früher bei Handys oder PCs. Umgekehrt: Jede Verzögerung des Selbstverbrauchs führt zu einer Verzögerung der Kostensenkung.

 

Die herkömmlichen Strompreise werden immer teurer. In den letzten Jahren sind sie im Schnitt pro Jahr um sechs Prozent gestiegen. Realistischer weise müssen wir mit einer nochmaligen Verdoppelung bis 2025 rechnen. In dieser Zeit lohnt es sich also, immer weniger Solarstrom ins Netz einzuspeisen und immer mehr selbst zu verbrauchen. Diese Strategie wird immer preiswerter, die Akkus immer billiger und Braunkohle- und Atomstrom immer teurer. Seit etwa 2013 wird der Eigenverbrauch immer attraktiver.

 

Der grafische Vergleich (unten) verdeutlicht diese Überlegung nochmal.

 

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Fünf Vorteile gilt es jetzt zu erkennen:

  • Erstens: Eigenverbrauch lohnt sich schon jetzt
  • Zweitens: Die Stromversorgung ist auch beim Netzausfall sicherer
  • Drittens: Die Akkus werden immer besser und preiswerter
  • Viertens: Viele Hersteller geben bereits sieben Jahre Garantie für Akku und Elektronik aus einer Hand.
  • Fünftens: Meine Verbrauchsdaten habe ich über Laptop oder Smartphone immer im Blick. Die jetzt angebotene Akku-Technik wird schon seit Jahrzehnten in der Industrie eingesetzt und ist bewährt.

Grafik: © senec-ies.com

  • © senec-ies.com

 

Kommentiert 22, Jun 2014 von Martin Werner (2,069 Punkte)
Lieber Herr Alt,
wie so oft, schreiben Sie hier eine gute Analyse der Situation. Allerdings ist die Wirtschaftlichkeit von Speichersystemen, insbesondere die Nachrüstung bei  PV-Anlagen, die vor dem 1.1.2013 gebaut wurden schon etwas zweifelhaft. Für meine Anlage, die am 30.10.12 in Betrieb ging und eine Einspeisevergütung von 18,3 ct/kWh bekommt, kann ich bestenfalls ein Pari für den Speicher nach 20 Jahren erwarten.
Wir sind also in etwa in der gleichen Situation wie 2001 als ich meine erste PV-Anlage auf einem fremden Dach baute, als man mir mangels Erfahrung auch sagte, dass sie sich vielleicht in zwanzig Jahren zurückzahlt. Trotzdem habe ich die Investition gemacht, nach dem Motto "wenn nicht wir, wer dann". Viele Leute mit einer solchen Einstellung haben es dann geschafft, dass die Preisdegression für Solarmodule schliesslich Platz gegriffen hat und heute die Kosten für den Strom aus einer neuen PV-Anlage so viel billiger ist, als der Strom aus dem Netz (sogar billiger als der 2000er kWh-Preis).
Genauso braucht es jetzt Menschen die mit derselben Motivation einen Speicher anschaffen, egal ober er sich in 20, 15 oder 12 Jahren rechnet.

Sonnige Grüße
Martin Werner
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