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EEG - Vorschlag für eine Weiterentwicklung

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Eingestellt 18, Okt 2011 in Photovoltaik von Anonym

Gibt es Visionen, was an dem jetzigen EEG geändert werden sollte?

   

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Beantwortet 20, Apr 2011 von Claus Scheuber (214 Punkte)

Wer im Augenblick der politischen Phrasendrescherei Gehör schenkt, hört am lautesten: „Die Umstellung auf Erneuerbare Energien“ koste den Staat „Milliarden“, „der Steuerzahler“ – oder wenigstens „der Bürger“ müsse gewarnt werden, vor den enormen Kosten, die auf ihn zukämen. Dass dies Teil des vom Atom- und Kohlestromkartell angestimmten Kriegslärms gegen namentlich: die Photovoltaik ist, ist unschwer zu erkennen. Dass Teile der SPD auch darin einstimmen, ist nicht nur auf das schmerzliche Fehlen Hermann Scheers zurückzuführen. Gleichwohl muss man anerkennen, dass die Förderpraxis des EEG mit zunehmendem Erfolg der Erneuerbaren Energien, eine dankbare Angriffsfläche bot, um EE als „Gelddruckmaschine der Besserverdiener“ zu brandmarken. (Wobei mir noch niemand erklären konnte, was denn verwerflich daran sei, dass ein Kapitalanleger einen Teil seiner Rente aus dem eigenen Solarkraftwerk oder einer Beteiligung an einem solchen bezieht, jedoch alles in Ordnung scheint, wenn derselbe Mensch sein Geld in bplw. EnBW Aktien, also einer direkten Beteiligung an Atomanlagen, investiert, und Dividenden zur Aufbesserung der Rente bezieht.) Wie auch immer, das hat die augenblickliche Regierung geschafft: Das Klima ist vergiftet, die Verunsicherung am Limit und Vertrauen futsch! Fazit: das Geschäft mit PV liegt in Deutschland derart am Boden, dass der Überlebensimpuls, der noch in einigen PV- Vertriebsunternehmen tickt, einzig vom Auslandsgeschäft motiviert ist. Es bleibt die Frage, wie die Investitionsbereitschaft privaten Kapitals in EE wieder hergestellt, bzw. noch gesteigert werden kann. Da ich mich seit geraumer Zeit mit dieser Frage beschäftige und mir immer sicherer werde, dass es nur über ein verlässliches, verständliches nicht nach Subvention riechendes Vergütungsregularium funktionieren kann, erlaube ich mir, in wenigen Worten die Eckpunkte meines Ansatzes darzustellen. Ein neues EEG muss eine klare Unterscheidung zwischen Rückfluss der Investition und der Vergütung der eingespeisten Erneuerbaren Energie festschreiben. Der erzielbare Gewinn, die Rendite, darf nicht gesetzlich mitgeliefert werden – dies böte, wie gesehen, eine zu breite Angriffsfläche. Ein Amortisationstarif (A-Tarif), der die eingespeiste Energie während der Amortisationszeit vergütet, muss höher liegen und attraktiv für den Investor sein. Er muss sich an den Investitionskosten orientieren und an kurzen Amortisationszeiten. Ein Regeltarif (oder Normaltarif – „N-Tarif“) , der für jede eingespeiste EE – kWh bezahlt wird, darf nicht zeitlich begrenzt sein und muss sich an den durchschnittlichen Strompreisen orientieren. Diese einfache Regelung würde fast alle anstehenden Probleme im EE-Vergütungswirrwarr lösen und zu größter Akzeptanz und Investitionssicherheit führen! Am praktischen Beispiel Photovoltaik würde das wie folgt aussehen: mit 0,35 €/kWh (für Anlagen bis 30 kWp) wäre in 7 Jahren, bei derzeitiger durchschnittlicher Preislage pro kWp (und angenommenen 950 kWh/kWp Ertrag pro Jahr) die Investition zurückgeflossen; dies ist der A-Tarif. Danach greift der N-Tarif für jede weitere eingespeiste kWh, ohne zeitliche Begrenzung. Der N-Tarif kann die Hälfte der jeweiligen Stromverbrauchs-Durchschnittstarife ausmachen, also derzeit 12 Cent pro kWh. Eine Anpassung der Tarife an veränderte Bedingungen (Kosten und Preise) kann in Halb- oder Vierteljahres-Intervallen stattfinden und zwar durch eine regulierende Behörde (BNetzA), da braucht man nicht jedes Mal den Bundestag. Beim A-Tarif ist auch nicht die Höhe der Vergütung zu regulieren, sondern die Laufzeit. Sinken die Investitionskosten um 10 % beträgt diese eben nicht mehr 7 sondern nur noch 6,5 Jahre. Flankierend kann der Bund, den diese Regelung ja bis dahin noch nichts gekostet hat, seinen Beitrag leisten, indem er die Abschreibungszeiträume für EE-Anlagen an die Laufzeiten des A-Tarifs koppelt. (Oder/Und er zahlt den Hartz-4 Empfängern eine Energieprämie von 5 € im Monat – um auch dieses alberne Thema (Hartz-4 Empfänger zahlen die Rente der Solaranlagen betreibenden Zahnärzte) vom Tisch zu haben.) Um Investitionen in die Bereitstellung von Speichereinheiten anzureizen, kann das gezeigte Modell um eine weitere Stellschraube ergänzt werden. Eine Unterscheidung in der Vergütung zwischen unverlangt eingespeister Kilowattstunde und der bestellten bzw. abgerufenen. Ein Bonus von 5 Cent für die gespeicherte und bei Bedarf ins Netz eingespeiste kWh (statt des bisherigen Eigenverbrauchsbonus), würde das Speicherproblem (das ja nur deshalb existiert, weil für gespeicherte Energie bisher nichts bezahlt wird) schnell lösen! All die Erfindungen die die Forschung bereit hält, und auch ganz banale Batterie und Akku Lösungen kämen sehr schnell und massenhaft zum Einsatz, und das, was heute relativ abstrakt unter „Smartgrid“ gehandelt wird, würde sehr schnell funktionierende Realität. Für die verschiedenen Sparten der EE - wozu ich auch verschiedene Anlagengrößen und Kategorien bei PV zähle- gäbe es unterschiedliche A-Tarife (wg. unterschiedlicher Investkosten), aber für alle gibt es den selben N-Tarif. Dieses Vergütungsystem könnte sofort (ab 1. Juli 2011) das alte ersetzen, dann wäre auch die angedrohte erneute Vergütungskürzung obsolet (die ja mangels Zubauzahlen März-Mai 2011 eh nicht greifen wird, aber immerhin zu weiterer Verunsicherung beiträgt). Um nicht missverstanden zu werden: Die skizierte Vergütungsmechanik ersetzt nicht ein allfälliges Energiekonzept, das das Ziel der 100%-igen EE im Schilde führen muss, aber sie wäre ein Beitrag, um sofortige Investitionssicherheit und -Bereitschaft wiederherzustellen, bzw. zu motivieren. In weiteren Beiträgen möchte ich Anregungen zur Gestaltung der Prioritätenliste bei Netzausbau, gesetzlicher Verankerung des "PV-Repowering" und Umgestaltung des "Grünstromprivilegs" (EEG § 37/1) geben. Ich hoffe, eine fruchtbringende Diskussion angeregt zu haben und stehe bei Rückfragen gerne zur Verfügung. Mit sonnigen Grüßen Claus Scheuber

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