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Milliardengewinne für die Energiekonzerne - Der Billionenpoker

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Eingestellt 8, Aug 2013 in Energiewende von Anonym

Was hat es wirklich auf sich mit den ausufernden Kosten für den Ausbau der Erneuerbaren Energien?

   

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Beantwortet 6, Aug 2013 von Volker Quaschning (644 Punkte)
erschienen in Sonne Wind & Wärme 07/2013, S.7-9

Wegen der angeblich ausufernden Kosten in Billionenhöhe will die Bundesregierung den Ausbau erneuerbarer Energien bremsen. In Wirklichkeit geht es aber mehr um eine Sicherung der Milliardengewinne der Energiekonzerne. Schließlich gehen 2013/14 Kohlekraftwerke mit über 6 GW Leistung neu ans Netz, die bezahlt werden wollen. Der Klimaschutz fällt bei dem Billionenpoker völlig unter den Tisch. Nach der Fukushima-Reaktorkatastrophe vor zwei Jahren herrschte Optimismus in der erneuerbaren Energiebranche. Die Ereignisse zwangen die Regierung zum Beerdigen der Pläne für die Laufzeitverlängerung der deutschen Kernreaktoren. Ein schneller Durchmarsch der Erneuerbaren war aber bereits damals nicht wirklich zu erwarten. Die großen Energiekonzerne hatten auf üppige Laufzeitverlängerungen für Kernkraftwerke und den Bau von neuen Kohlekraftwerken spekuliert – beides inkompatibel mit dem regenerativen Zeitalter. Ein Showdown zwischen der alten und neuen Energiewelt war zwangsläufig zu erwarten (siehe SW&W 04/2012, Seite 12). Nun ist es soweit: Der Showdown tritt in die entscheidende Phase. Die Bundesregierung hat sich dabei klar auf der Seite der Energiekonzerne positioniert. Nachdem die Energiekonzerne von Fukushima kalt erwischt wurden, haben sie inzwischen eine neue Strategie entwickelt. Während der ehemalige Vorstandsvorsitzende von RWE noch Anfang 2012 die Solarenergie in Deutschland so sinnvoll wie Ananaszüchten in Alaska abkanzelte, bekennt sich die neue Führungsriege durchaus zum Ausbau erneuerbarer Energien. Selbst eine Versorgung mit einem sehr hohen Anteil erneuerbarer Energien wird inzwischen offiziell akzeptiert – allerdings nur in der ferneren Zukunft. Nur 5 % der regenerativen Energieanlagen befinden sich derzeit nämlich in der Hand der großen Energieversorger. Sie haben deren Ausbau mit ihrer ursprünglichen Strategie verschlafen und nehmen stattdessen immer noch gigantische Kapazitäten an Kohlekraftwerken in Betrieb. Allein in den Jahren 2013 und 2014 sollen trotz aller Klimaschutzbekenntnisse laut Bundesnetzagentur über 6.000 MW an neuen Steinkohlekraftwerken ans Netz gehen. Die vor Jahren geplanten und nun in der Pipeline befindlichen Kraftwerke müssen sich erst einmal amortisieren, bevor das regenerative Zeitalter dann wirklich beginnen darf. Das funktioniert aber nur, wenn der Ausbau erneuerbarer Energien deutlich langsamer erfolgt als bisher. Die Strategie der Energiekonzerne zielt dabei auf einen wunden Punkt der erneuerbaren Energien: die Kosten. Eine aktuelle Studie vom Fraunhofer ISE zeigt zwar eindrucksvoll, dass ein vollständig erneuerbares Energiesystem nicht teurer sein wird als die heutige Versorgung, das gilt aber erst für die Phase des Endausbaus. Die Investitionen für den Umbau verursachen in der Übergangszeit zwangsläufig höhere Kosten. Wirklich überraschend ist das nicht. Auch bei der Einführung der Kernenergie mussten die Strompreise erhöht werden. Die Bundesregierung versprach aber vor zwei Jahren beim Verkünden der Energiewende nur geringe Kostensteigerungen. Dabei hätte die Bevölkerung nach dem Schock von Fukushima durchaus eine ehrliche Antwort akzeptiert: Die Strompreise werden in der Übergangszeit spürbar ansteigen, aber keine astronomische Höhen erreichen und langfristig dann dauerhaft stabil bleiben.
Billion klingt dramatischer als Milliarde
Die eigene Transparenz fällt den erneuerbaren Energien inzwischen zunehmend auf die Füße. Kein Manager der Energiekonzerne käme auf die Idee, seine Kosten und Gewinne auf der Stromrechnung aufzuschlüsseln. Die Kosten der Energiewende lassen sich aber vermeintlich in der EEG-Umlage ablesen, die jeder auf seiner Stromrechnung wiederfindet. Gut 20 Mrd. € werden im Jahr 2013 über das EEG auf Stromkunden umgewälzt. Durch Klientelpolitik, Dilettantismus oder möglicherweise auch absichtlich wurde diese Summe künstlich nach oben getrieben und auf immer weniger Kunden umgelegt. Neben den Kosten für den Ausbau erneuerbarer Energien umfasst die EEG-Umlage auch Industriesubventionen und zahlreiche andere Posten. Weniger als die Hälfte wären im Jahr 2013 wirklich für die Förderung erneuerbarer Energien nötig. Auch diese Summe wirkt auf den Laien erst einmal abschreckend – aber offensichtlich noch nicht abschreckend genug. Durch Finanz- und Eurokrise ist auch die Milliarde inzwischen entwertet und hat ihre Dramatik verloren. Darum hat der Umweltminister im vergangenen Februar gleich noch einen draufgelegt: Rund eine Billion soll nun die Energiewende kosten. Er hätte auch Trillionen, Trilliarden oder einfach nur „unbezahlbar teuer“ rufen können – die Aussage wäre die gleiche. Seine Berechnungen erfolgten dabei eher auf Stammtischniveau als wissenschaftlich fundiert. Er unterstützt damit die Linie der Energiekonzerne, die als Ergebnis der Kostendiskussion der Energiewende nur allzu gerne eine Verschnaufpause einlegen wollen. Doch selbst wenn diese Zahl stimmen würde, wäre sie alles andere als der Weltuntergang. Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands beträgt ca. 3,5 Billionen €/a. Über 25 Jahre verteilt entspräche die Billion gerade einmal gut 1 % der deutschen Wirtschaftsleistung. Das wäre durchaus der Bedeutung der Energiewende angemessen, wenn die Energiewende, wie Altmaier stets bekräftigt, wirklich das wichtigste Projekt nach dem Wiederaufbau Deutschlands wäre. Ein weiterer Vergleich relativiert die Kosten der EEG-Umlage noch weiter: Ca. 29 Mrd. € erwirtschafteten die vier Energieriesen 2012 vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (siehe Abb. 1). Auch wenn dabei nicht alle Erträge aus dem deutschen Stromgeschäft stammten, ist das deutlich mehr als die EEG-Umlage den Stromkunden aufbürdet. Lesen Sie hier weiter - Gesamtartikel mit Abbildungen
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