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Solidarische Energiewende

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Eingestellt 11, Jun 2014 in Energiewende von Matthias Hüttmann (208 Punkte)

Unsere Energieversorgung befindet sich im Umbruch. Unter dem mittlerweile fast ein wenig abgedroschenen Begriff der Energiewende versteht man jedoch meist nur die Substitution fossiler Energieträger bei gleichbleibend zentraler Erzeugung elektrischer Energie. Dabei wird beflissentlich ignoriert, dass die einst staatlich kontrollierten Monopolstrukturen eigentlich längst passé sind. Bereits 1998 mussten sich die Energiewirtschaftsunternehmen im Zuge der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) auf dem freien Markt behaupten. Wenn sich heute immer mehr Bürger für eine breiter aufgestellte, gemeinsame Energieversorgung einsetzen, hat das viele Ursachen. Nicht zuletzt hat das EEG eine selbstbewusste Branche entstehen lassen, zu deren Geschäftsmodell auch die Grundversorgung von Verbrauchern, sprich eine direkte Belieferung von privaten und gewerblichen Endkunden, gehört.

Verantwortung
Wir leben in einer Zivilgesellschaft, die mit der Errungenschaft der Demokratie und einem gemeinsamen verantwortlichen Handeln einhergeht. Diese Gesellschaft kann bekanntlich nur funktionieren, wenn wir unser Handeln nicht nur nach unseren eigenen Interessen ausrichten und lediglich für unser Eigenwohl Verantwortung übernehmen. Existiert tatsächlich ein gemeinsames Ziel einer Energiewende, so ließe sich diese am besten solidarisch umsetzen. Schließlich steht solidarisches Handeln für eine Haltung der Verbundenheit mit den Ideen, Aktivitäten und Zielen anderer. Es drückt den Zusammenhalt zwischen gleichgesinnten oder gleichgestellten Individuen und Gruppen und den Einsatz für gemeinsame Werte aus. Dieser Zusammenhalt untereinander hat viele Vorteile. Solidarität gewährt Unterstützung und gegenseitige Absicherung, zum anderen können große Aufgaben gemeinsam einfacher bewältigt werden. Das vielleicht bekannteste Prinzip gemeinsamen Handelns in der Wirtschaft ist das Konstrukt der Genossenschaften. Diese Wertegemeinschaften verfolgen in der Regel Ziele, die über reine Wirtschaftsbetriebe hinausgehen. Grundpfeiler sind Werte wie Selbsthilfe, Selbstverantwortung und unter anderem auch Solidarität.


Alle sollten partizipieren
Unsere Energieversorgung ist eine gesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe. Der Moment des Umbaus unserer Energiewirtschaft ist ein idealer Zeitpunkt, diesen „Mammutprozess“ auf neue Beine zu stellen. Weshalb auch sollte die Investitionshoheit nur auf wenige beschränkt bleiben? Die Modelle der Arealnetze und Energieversorgung in Bürgerhand sind sehr reizvoll. Gerade im Sinne einer gemeinsam gelebten Verantwortung eröffnen sie kreative Möglichkeiten, zu denen zentrale Energieversorgungsstrukturen nur schwer in der Lage sind. So sollte man nicht „vorweg gehen“, sondern vielmehr gemeinsam voranschreiten. Anhand des Generationenvertrags in Deutschland lässt sich das sehr gut begründen. Da für den Umbau immense Investitionskosten notwendig sein werden, ist es naheliegend, diese auf Generationen aufzuteilen. Vielleicht wäre es ja interessant über die Energiewende als generationenübergreifenden Solidar- Vertrag auf Grundlage eines Umlageverfahrens nachzudenken. Überlässt die Gesellschaft diese Aufgabe wenigen, würden vor allem diese davon profi tieren. Sieht man die Gesellschaft als Solidargemeinschaft, kann eine nachhaltig umgebaute Energie- wirtschaft in Händen der Bürger zudem durchaus zur Sicherung des sozialen Friedens beitragen.


Runder Tisch
Fehlender Mut und Ehrlichkeit in der Politik verklärt oft die Lage. Eine Strompreisbremse, die uns Energie „gut und billig“ machen soll, ist in ihrem Denken problematisch und unehrlich, da sie nicht die ganze Wahrheit auf den Tisch legt. Genauso wenig, wie sich hochwertige Lebensmittel zu Schnäppchenpreisen produzieren lassen, ist es machbar, eine Energiebereitstellung qualitativ aufzuwerten und gleichzeitig preisstabil zu halten. Will man nachfolgende Generationen nicht belasten, muss Energiepolitik frei von Wahlkalkül sein. Der Aufbau einer verantwortungsvollen und vor allem gerechten Energieversor- gung benötigt Zeit und wird auch nicht ohne große Umwälzungen vonstattengehen. Vielmehr ist ein Schulterschluss aller Entscheider notwendig. Es sollten keine blühenden Landschaften versprochen werden. Um nicht in alten Denkmustern zu verharren, muss sich die große Politik deutlicher von der konventionellen Energiewirtschaft emanzipieren. Ein gemeinsames Brainstorming aller Beteiligten (und das sind vor allem die Verbraucher) wäre angebracht, ein runder Tisch der Energie ist überfällig. Besitzstandwahrung als solche ist eine gute Sache, jedoch nur, wenn es um unser allen Besitzstand geht und nicht nur um den von Wenigen.

   

1 Antwort

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Beantwortet 12, Jun 2014 von Wolfgang Hartmann (394 Punkte)
Moin,

 

die solidarische Energiewende ist im Prinzip eine gute Sache. Ich denke, zur Energiewende gehört nicht nur, fossile Energie zu schützen und anders zu nutzen, sondern auch KEINE Energie zu verbrauchen ist ein guter Beitrag.

 

In Ihren Abschnitt "Verantwortung" bescheiben Sie aber schon das eigentliche Problem:  Wir sind alle Individuen und Persönlichkeiten. Es gibt Leute, die haben eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und betreiben dazu noch eine Solarthermie Anlage und nutzen womöglich auch noch die Erdwärme, fahren aber gleichzeitig ein Auto mit recht hohem Treibstoffverbrauch.  Der Nachbar könnte sich dann fragen, warum soll ich Energie sparen?

Wir werden es wohl in keiner Gesellschaftsform schaffen eigene Wünsche dem Solidargedanken zu unterstellen und auch Lobbyisten wird es immer geben, genauso wie es diejenigen immer geben wird, die den Lobbyisten verfallen.

Ich glaube zwar nicht, dass sich der Mensch schnell weiter entwickelt, ich hoffe aber, dass durch den Zwang zum Handeln, sich Verhaltensmuster ändern und die Solidarität in der Gesellschaft, auch grenzüberschreitend, steigt. Ich denke, wir sind am Beginn eines guten Weges.

 

Wolfgang Hartmann
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