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Neue Regeln für Fracking, aber kein Verbot in Deutschland

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Eingestellt 4, Jul 2016 in Energiewende von Klaus Oberzig (48 Punkte)

Vor der Förderung steht allerdings künftig eine Umweltverträglichkeitsprüfung

Am 24. Juni hat der Bundestag mit der Mehrheit der Koalitionsparteien ein Gesetzespaket zur Regelung des Fracking verabschiedet. Danach gilt kein generelles Fracking-Verbot, eingeführt werden aber eine Reihe von neuen Regelungen und Einschränkungen. Ein Verbot gibt es nur für das sogenannte unkonventionelle Fracking, bei dem Gas aus tiefen Gesteinsschichten durch Einpressen von Wasser, Sand und diversen Chemikalien gefördert wird. Zu wissenschaftlichen Zwecken hingegen sind mit dieser Fördermethode Probebohrungen zulässig, angeblich um die Folgen für die Natur zu untersuchen. Dies wiederum ist aber an die Zustimmung des betroffenen Bundeslandes gebunden. Linke und Grüne hatten ein komplettes Fracking-Verbot gefordert. 2021 soll nun der Bundestag auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse einer Expertenkommission das grundsätzliche Verbot erneut prüfen. Bisher war Fracking eine Angelegenheit nach dem Bergrecht, was betroffenen Kommunen und Bürgern wenig Raum gab, sich auf rechtlichem Weg zur Wehr zu setzen. Nach den neuen Regeln wird konventionelles Fracking weiterhin möglich sein. Allerdings ist künftig eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgesehen, die eine begrenzte Bürgerbeteiligung zulässt.

Was hinter den Begriffen des konventionellen und unkoventionellen Fraking steckt, erläutert Werner Zittel in seinem neuen Buch „Fracking – Energiewunder oder Umweltsünde“, das im Frühjar 2016 im oekom-Verlag erschienen ist. Konventionelle Öl- oder Gasvorkommen stehen unter hohem eigenem Druck, der mit der Tiefe zunimmt. Das Öl oder Gas ist vor allem in Gesteinsporen gespeichert, die miteinander in Verbindung stehen und eine hohe Durchlässigkeit aufweisen. Eine Bohrung sorgt für Druckentspannung, das Öl oder Gas steigt in der Bohrung nach oben. Mit zunehmender Entleerung der Lagerstätte lässt der Druck naturgemäß nach und die Förderrate sinkt. Um so viel wie möglich aus diesen Lagerstätten rauszuholen, wird mit Methoden „nachgeholfen“, die man konventionelles Fracking nennt. Dies wird seit Jahrzehnten praktiziert. Einerseits versucht man „über das Abtäufen zusätzlicher Bohrungen und bei Ölfeldern auch über das Einpressen von Wasser, Erdgas, Stickstoff oder Kohlendioxid […] dem Druckabfall zu begegnen“, schreibt Zittel. Eine weitere Methode bestehe darin, „mittels Chemikalien oder des Einpressens von heißem Dampf die Viskosität des Öls zu reduzieren.“ Diese „konventionellen“ Methoden werden unter dem Begriff EOR, enhanced oil recovery, zusammengefasst, erläutert Zittel weiter. Entgegen einer weitläufigen Unkenntnis in der Öffentlichkeit wird in Deutschland seit Jahren konventionell gefrackt. Die Gesundheitsprobleme, über die seit Monaten aus dem Erdgasfördergebiet in der Nordheide, etwa aus dem Landkreis Rotenburg, berichtet wird, wo seit einigen Jahren vor allem bei älteren Männern eine auffällige Häufung von Leukämie und Lymphomen zu verzeichnen ist, sind alle im Zusammenhang mit den konventionellem Fracking zu sehen.

Zur Förderung von Öl oder Gas aus undurchlässigen Gesteinsformationen, an die man früher nicht glaubte, herankommen zu können, die sogenannten Tight-gas oder Shale-gas-Vorkommen, hat man in den USA die Methoden des unkonventionellen Fracking entwickelt. Da kein ausreichender Eigendruck eines zusammenhängenden Vorkommens als Voraussetzung vorhanden ist, muss per „Stimulation“ nachgeholfen werden. „Zweck der hydraulischen Stimulation ist es, durch das Einpressen von Wasser den Druck so zu erhöhen, dass sich die Rissansätze erweitern und das Gestein möglichst großräumig aufgebrochen wird“, so Zittel. Da der Förderprozess trotzdem nicht so abläuft, wie bei konventionellen Lagerstätten, also das Öl oder Gas immer noch nicht von alleine nach oben kommt, werden die Widerstände im Gestein durch eine spezielle Frackingflüssigkeit (frac-fluid), die als „Stützmittel“ Sand beinhaltet, überwunden. Da dies aber immer noch nicht ausreicht, die erzeugten Klüfte die Tendenz haben, sich schnell wieder zu schließen, muss ein Cocktail weiterer Hilfsmittel beigemischt werden. Dies sind Gel-Bildner (gelling agents), reibungsmindernde (friction reducer) und korrosionsverhindernde (corrosion inhibitors) Chemikalien, sowie Biozide gegen Verklumpung. Jede Firma habe ihre eigenen Erfahrungen und Chemikaliencocktail, urteilt Zittel. Und charakterisiert sie „knapp beschreibbar als sogenannte BTEX-Chemikalien, wobei die Akronyme für Benzol-, Toluol-, Ethylbenzol- und Xylol-Derivate stehen“.

Das Verbot dieser unkonventionellen Frackingmethoden ist also nur vorläufig, das Thema wird in fünf Jahren wieder auf den Tisch kommen. Vor diesem Hintergrund ist es doppelt interessant und nützlich, Zittel, Buchempfehlung Fracking zu lesen.

Klaus Oberzig


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