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Braucht Deutschland neue Stromtrassen?

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Eingestellt 8, Mär 2015 in Energiewende von Franz Alt (1,830 Punkte)

Das „wichtigste Projekt seit der Mondlandung“ sei die Energiewende, so tönten Mitglieder der Großen Koalition noch vor einem Jahr. Doch inzwischen ist die Groko dazu etwas weniger vollmundig.

Der letzte Koalitionsgipfel hat zum Beispiel das für die Energiewende wichtige Thema Stromtrassen wieder einmal vertagt.

Horst Seehofer traut sich nicht, seinen Wählern in Bayern zu sagen, dass die Energiewende nur gelingen kann, wenn auch nach Bayern Windstrom von Norddeutschland in Richtung Süden geliefert wird. Und dazu braucht es zumindest  eine  zusätzliche Stromleitung. Solange aber Bayerns Ministerpräsident den Vorkämpfer der Trassen-Gegner spielt, klemmt es mit der Energiewende.

Schließlich muss das Bundesland knapp 50% Atomstrom in sieben Jahren alternativ erzeugen oder importieren. Ohne neue Trassen müssten tausende Windräder im Freistaat errichtet werden. Aber das will Seehofer auch nicht. Obwohl die Energiewende möglichst dezentral organisiert werden muss.

Also: Netze und Speicher sind die Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende, weil die Sonne nicht immer überall scheint und der Wind nicht immer überall weht.

Technisch gilt: Je mehr Speicher desto weniger Leitungen und je mehr Leitungen desto weniger Speicher.

Was aber ist ökonomisch am sinnvollsten?

 Darüber muss jetzt ernsthaft gestritten, aber, Herr Seehofer, auch irgendwann entschieden werden. Die Energiewende kann nur gelingen, wenn die Politik den Bürgern offen sagt, dass dazu auch viele neue Windräder gehören und wenn diese nicht in Bayern errichtet werden sollen, dann sind eben entsprechende Leitungen von Nord nach Süd nötig. Mit dem Streit über zusätzliche Windräder und/oder zusätzliche Trassen tritt die Energiewende in eine entscheidende Phase.

Da das Jahrhundert-Projekt nur von unten mit möglichst großer Bürgerbeteiligung und dezentral gelingen kann, ist es ökonomisch am günstigsten, auch in Süddeutschland den Ausbau der Windenergie zu forcieren. Dies bedeutet aber, dass Bayern seine unsinnige Abstandsregelung - 2.000 Metern zwischen Windrad und nächstem Haus revidieren und Baden-Württemberg seinen Windausbau rasch beschleunigen muss.

Im grün-rot regierten Ländle wurden im Jahr 2014 gerademal eine Handvoll Windräder aufgestellt. Bei diesem Tempo dauert die für ach so wichtig gehaltene Energiewende länger als 1.000 Jahre. Die USA haben für ihr Mondlandeprojekt im letzten Jahrhundert knapp 10 Jahre gebraucht.

   

2 Antworten

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Beantwortet 8, Mär 2015 von Geckler, Heinz (2,530 Punkte)

Guten Morgen Franz Alt,

ich wünsche mir in der Diskussion um den Netzausbau eigentlich viel mehr Informationen über eine Alternative, die gar nicht öffentlich diskutiert wird: "Power-to-Gas".

Natürlich haben die Umwandlungsprozesse Wirkungsgradverluste zur Folge. Laut verschiedener Informationen, die ich in den vergangenen Jahren gelesen habe, sollten wir aber dabei nicht vernachlässigen, dass anscheinend das Gasnetz in Deutschland so gut ausgebaut ist, dass wir ohne zusätzlichen Ausbau Speicherkapazität für mehrere Monate im bestehenden Gasnetz haben. Für mich bedeutet das, dass die Einsparungen beim Ausbau des Stromnetzes gegengerechnet werden müssten, wenn über die Rentabilität der Technologie Power-to-Gas diskutiert wird. Vielleicht haben wir ja dann tatsächlich eine interessante Ergänzung zum Stromtransport, da die dann möglichen Gaskraftwerke für die Netzstützung die beste Technologie sind.

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Beantwortet 8, Mär 2015 von Jörg Tuguntke (1,368 Punkte)
Moin, moin,

ich sehe da den "Zeitaufwand", den die Planung, ......, Genehmigungsverfahren, ......, Errichtung neuer Trassen benötigt als Chance für die dezentralen Speicher.

Allerdings muß dazu die Entwicklung weitergehen, damit meine ich nicht die "Preissenkungen", sondern auch die "Intelligenz". Wenn zum Bsp. in einem räumlichen Bereich die Spannung kurzfristig zusammenbricht und 1.000 Speicher á 6kW als "Brücke" vorhanden sind, ist die Netzsicherheit doch wieder geklärt.
Und die Zahlen sind ja nur mal so aus der Luft gegriffen. Würde man dem "Normalbürger" den Gang zur Strombörse ermöglichen. Wäre ein Speicher der Strom zum 0-Tarif (oder knapp darüber) speichert und zum hohen Strompreis wieder einspeist zulässig, würden viel mehr Speicher installiert. Je mehr installiert werden, umso mehr gleichen sich die Strompreise wieder an.

Power to Gas ist auch eine Lösung, aber wegen des schlechten Wirkungsgrades nur meine 2. Wahl.

lg  tug
Kommentiert 9, Mär 2015 von Geckler, Heinz (2,530 Punkte)
Guten Morgen Herr Tuguntke,
die Idee mit der Stromspeicherung wäre auch meiner Meinung nach eine tolle Lösung und würde unsere Speichersysteme äußerst attraktiv machen. Leider haben wir aber tatsächlich die Situation, dass unsere Energieversorger das zumindest derzeit noch gar nicht können. Das würde nur funktionieren, wenn die Energieversorger gezielt auf die Stromzähler einwirken könnten.
Leider haben wir im Moment immer noch die Situation, dass Deutschland teilweise Strom mit negativen Preisen exportiert und gleichzeitig Speicherheizungen und Wärmepumpen in Deutschland Sperrzeiten haben und somit nicht zugeschaltet werden können.
Kommentiert 9, Mär 2015 von Jörg Tuguntke (1,368 Punkte)
Moin, moin,

....... "unsere Energieversorger das zumindest derzeit noch gar nicht können"......

Ich behaupte: ......... WOLLEN !!!!  

Wenn die EVU's & Netzbetreiber an so etwas Interesse hätten, wären wir längst viel weiter.
Das behaupte ich übrigens von den Deutschen "KFZ-Herstellern". Wenn die wollten, hätten sie längst "alltagstaugliche" und bezahlbare Elektro-Autos.

Aber leider ist das auch so ein bisschen "allgemeine" Mentalität, hat 100 Jahre gut funktioniert, wird auch weiter gut funktionieren / Dieser moderne Sch.....  taugt eh nur für die Tonne und das berühmte "Früher war alles besser".

mfg  tugu
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