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Braucht Deutschland neue Stromtrassen?

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Eingestellt 4, Mär 2015 in Energiewende von Franz Alt (1,830 Punkte)

Das „wichtigste Projekt seit der Mondlandung“ sei die Energiewende, so tönten Mitglieder der Großen Koalition noch vor einem Jahr. Doch inzwischen ist die Groko dazu etwas weniger vollmundig.

Der letzte Koalitionsgipfel hat zum Beispiel das für die Energiewende wichtige Thema Stromtrassen wieder einmal vertagt.

Horst Seehofer traut sich nicht, seinen Wählern in Bayern zu sagen, dass die Energiewende nur gelingen kann, wenn auch nach Bayern Windstrom von Norddeutschland in Richtung Süden geliefert wird. Und dazu braucht es zumindest  eine  zusätzliche Stromleitung. Solange aber Bayerns Ministerpräsident den Vorkämpfer der Trassen-Gegner spielt, klemmt es mit der Energiewende.

Schließlich muss das Bundesland knapp 50% Atomstrom in sieben Jahren alternativ erzeugen oder importieren. Ohne neue Trassen müssten tausende Windräder im Freistaat errichtet werden. Aber das will Seehofer auch nicht. Obwohl die Energiewende möglichst dezentral organisiert werden muss.

Also: Netze und Speicher sind die Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende, weil die Sonne nicht immer überall scheint und der Wind nicht immer überall weht.

Technisch gilt: Je mehr Speicher desto weniger Leitungen und je mehr Leitungen desto weniger Speicher.

Was aber ist ökonomisch am sinnvollsten?

 Darüber muss jetzt ernsthaft gestritten, aber, Herr Seehofer, auch irgendwann entschieden werden. Die Energiewende kann nur gelingen, wenn die Politik den Bürgern offen sagt, dass dazu auch viele neue Windräder gehören und wenn diese nicht in Bayern errichtet werden sollen, dann sind eben entsprechende Leitungen von Nord nach Süd nötig. Mit dem Streit über zusätzliche Windräder und/oder zusätzliche Trassen tritt die Energiewende in eine entscheidende Phase.

Da das Jahrhundert-Projekt nur von unten mit möglichst großer Bürgerbeteiligung und dezentral gelingen kann, ist es ökonomisch am günstigsten, auch in Süddeutschland den Ausbau der Windenergie zu forcieren. Dies bedeutet aber, dass Bayern seine unsinnige Abstandregelung von 2.000 Metern zwischen Windrad und nächstem Haus revidieren und Baden-Württemberg seinen Windausbau rasch beschleunigen muss.

Im grün-rot regierten Ländle wurden im Jahr 2014 gerademal zwei Windräder aufgestellt. Bei diesem Tempo dauert die für ach so wichtig gehaltene Energiewende länger als 1.000 Jahre. Die USA haben für ihr Mondlandeprojekt im letzten Jahrhundert knapp 10 Jahre gebraucht.

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