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Wovon hängt der niedrige Ölpreis ab, den wir im Moment haben?

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Eingestellt 16, Dez 2014 in Energiewende von C. Nusbaum
Benzin und Diesel sind so billig, wie schon lange nicht mehr. Die Verbraucher freuen sich. Aber sicherlich hat das Hintergründe, die nicht nur erfreulich sind. Ein Hintergrund ist wohl das erhöhte "Ölscheffeln" durch das Fracking in USA (was ja wirklich nicht erfreulich ist) aber gibt es noch weitere Gründe?
   

3 Antworten

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Beantwortet 16, Dez 2014 von Jürgen König (394 Punkte)

Hallo,

wie Sie richtigerweise erkannt haben, ist das Angebot an Öl durch das Fracking in den USA trotz weniger Fördermengen in anderen Regionen (Syrien, Irak) stetig gewachsen.

Weitere Gründe sind: 
- Die reale Weltwirtschaft, nicht die finanzgetriebene (Stichwort "ultralockere Geldpolitik") ist immer noch nicht auf dem Niveau wie vor der Finanzkrise 2008. Die Nachfrage nach Öl erreicht derzeit nicht die Spitzenwerte von damals.

- die OPEC hat ein Interesse an dem geringen Ölpreis, um das durch Fracking gewonnen Öl in den USA für die Zukunft unwirtschaftlich zu machen und so geplante Projekte im Keim zu ersticken.

- Andere Gerüchte besagen, dass USA und Saudi-Arabien geheime Absprachen über die hohen Fördermengen getroffen hätten, um den Preis pro Dollar und pro Fass zu drücken und dadurch Russland durch geringere Erdöleinnahmen wirtschafltich zu schwächen und im Ukraine-Konflikt zum Einlenken zu bewegen, was aktuell durch die Rubel-Krise sich manifestiert hat.

Gruß, König

Kommentiert 24, Jan 2015 von Rüdiger Haude (171 Punkte)
Mit oder ohne Absprachen - geopolitische Erwägungen spielen bei den Entscheidungen über Fördermengen sicher auch eine Rolle. Z.B. könnte die Niedrigpreis-Politik auch gegen erdölexportierende Staaten wie Iran oder vor allem Venezuela gerichtet sein, die zu den derzeitigen niedrigen Preisen nicht mehr mit Gewinn fördern können.
Dieser Aspekt verweist wieder darauf, dass eine weltweite Energieversorgung aus regenerativen Quellen (die eben überall verfügbar sind) eine Ursache und ein Instrument internationaler Konflikte aus der Welt schaffen kann: Auch aus friedenspolitischen Erwägungen lohnt es sich, für 100% Erneuerbare zu kämpfen.
+2 Punkte
Beantwortet 13, Jan 2015 von Hans-Josef Fell (402 Punkte)

Großes Erstaunen über den aktuellen heftigen Ölpreisverfall zeigt sich in vielen Kommentaren. Im letzten halben Jahr ist der Ölpreis von etwa 110 US Dollar pro Barrel auf aktuell ca. 50 Dollar gefallen. Fast hämisch wird den Vertretern von Peak Oil in vielen Berichterstattungen vorgeworfen, sie lägen falsch mit ihren Prognosen über die Ölverknappung. Nun behaupten wieder viele, ein Ende der Erdöl- (und Erdgas-)Verfügbarkeit sei über Jahrzehnte nicht in Sicht. Und überhaupt, in den nächsten Jahren würde die USA sogar zum Nettoexporteur von Erdöl und Erdgas aufsteigen.

Aktuell gibt es in der Tat eine Ölschwemme auf dem Weltmarkt – aber weniger wegen drastischer Förderausweitung, sondern eher aufgrund gesunkener Ölnachfrage. Leider gibt es heute wie auch in der Vergangenheit in den wenigsten Medien, geschweige denn in der Politik, differenzierte und tiefgründige Analysen über die komplexen Zusammenhänge.
 

Klar war immer, dass in der Verknappungsphase des Erdöls (Überschreiten des Peak Oil) hochvolatile Preise ein Alarmzeichen sein würden. In einer hochgradig vom Erdöl abhängigen Wirtschaft sind Ölpreis, Konjunktur und Wirtschaftswachstum natürlich untrennbar miteinander verknüpft. Durch die geringe Verfügbarkeit von Erdöl in Zusammenhang mit hohen Ölpreisen sinken die globalen Wirtschaftsleistungen, bis hin zu schwerwiegenden Wirtschaftskrisen. Kein Wunder, denn die Weltökonomie (Energie, Transport, Chemie, Textilien, Bauwesen, Lebensmittel u.a.) ist in höchstem Maße vom Erdöl als billigem Rohstoff abhängig.

Diese Berg- und Talfahrt kommt nun offensichtlich immer häufiger und heftiger: Ein hoher Ölpreis induzierte 2009 eine weltweite Wirtschaftsrezession, diese führte zum Ölpreisverfall und damit zu einem Aufpäppeln der Wirtschaftsleistung, bis diese seit 2014 wegen jahrelang hohen Ölpreisen erneut zum Niedergang gezwungen wurde.

Die Weltwirtschaft schwächelt, spätestens seit Beginn 2014. Belastbare Zahlen fehlen noch, aber in den bereits verfügbaren Statistiken der Exportwirtschaft ist dies unschwer zu erkennen.

Wegen der rückläufigen Weltwirtschaft und anderer Ereignisse findet offensichtlich ein Rückgang der globalen Erdölnachfrage statt. Vor allem wegen der US-Förderung von umweltschädlichem Tight Oil ist die weltweite Ölförderung geringfügig gestiegen, trotz Rückganges des leicht und billig gewinnbaren Crude Oil aus den großen Erdölfeldern (konventionelle Ölförderung).

So ist die weltweite Crude Oil Förderung von 2012 bis 2014 von ca. 75 Mb/Tag auf ca 73 Mb/Tag gesunken. Die US-Tight Oil-Förderung aber ist um etwa 4 Mb/Tag gestiegen (Quelle: Crude Oil Peak: http://bit.ly/17AIFFT). Diese relativ kleine Überkompensation hat in Zusammenhang mit einem weltweiten Rückgang der Ölnachfrage die aktuelle Ölschwemme ausgelöst und eben nicht eine vielfach behauptete deutliche Steigerung der globalen Ölförderung. Damit ist an der seit Jahren von der Energy Watch Group und anderen wie der ASPO (Association for the Study of Peak Oil and Gas) dargestellten Rückläufigkeit der weltweiten Rohölförderung nichts Prinzipielles zu korrigieren.

Neben der schwächelnden Weltwirtschaft spielen auch andere Effekte für den Rückgang der Ölnachfrage eine Rolle. Zu Buche schlägt auch in den USA und anderen Ländern das Wachstum der Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz. So sank der US-Erdölkonsum von ca. 19 Mb/Tag im Jahre 2009 auf ca. 16 Mb/Tag im Jahre 2014. Doch trotz des Tightoil-Aufschwunges deckt die US-Ölförderung mit 8 Mb/Tag immer noch nur die Hälfte des Eigenbedarfs. Vom vielfach prognostizierten Netto-Erdölexport ist die USA also noch meilenweit entfernt – und wird ihn wohl nie erreichen: Die Blase von Tightoil und Frackinggas scheint in den USA gerade zu platzen.

Unglaubliches Geld haben den Klimaschutz ignorierende Finanzhaie in den letzten Jahren in die unkonventionelle Erdölförderung investiert. Schwindelerregende 430 Mrd. US Dollar Schulden wurden in den letzten Jahren aufgehäuft. (Quelle: Das Erste / Plusminus: http://bit.ly/1sqFcTK)

Sie können nur refinanziert werden mit einem dauerhaft hohen Ölpreis um die 100 US Dollar pro Barrel. Doch der ist seit einem halben Jahr im Keller. Und die ersten Auswirkungen zeigen sich: Das texanische Öl- und Gasfracking Unternehmen WBH Energy LB hat vor wenigen Tagen Insolvenz angemeldet. Die Banken weigerten sich angesichts des gefallenen Ölpreises weitere Kredite in das hochverschuldete Unternehmen zu pumpen. Doch die Öl-Fracking Unternehmen brauchen laufend neues Geld, da die niedergebrachten Fracking-Bohrungen nach etwa einem Jahr nur noch die Hälfte der Ölmengen liefern. Um die Schulden zu bezahlen müssen sie aber Öl und Gas verkaufen, was laufend neue Schuldenaufnahme erfordert.

Die nächste Finanzkrise in den USA ist schon abzusehen.
 

Eines ist klar: der Rückgang der Förderung aus den großen konventionellen Ölquellen (Crude Oil) geht unaufhörlich weiter, so wie es die Energy Watch Group und andere schon lange beschrieben haben. In den letzten Jahren wurde dieser Rückgang leicht überkompensiert vor allem durch die US Tight Oil Förderung. Doch diese scheint nun vor dem finanziellen Kollaps zu stehen - selbst verschuldet durch eine maßlose Überschuldung und übermäßige Fördersteigerung, zu Lasten von Umwelt und Klima.

Mit dem in diesem Jahr wegen niedriger Ölpreise sich bereits abzeichnenden finanziellen Kollaps von Teilen der US-Ölwirtschaft scheint auch der letzte Hoffnungsträger – die unkonventionelle Ölförderung –zu schwinden und Peak Oil wird in seiner Unbarmherzigkeit mit deutlichen Förderrückgängen immer weiteren Teilen der Ölkunden den Hahn zudrehen.

Wie schnell das gehen wird hat ASPO Deutschland in der Analyse über den letzten World Energy Outlook der Internationalen Energie Agentur IEA vom November 2014 deutlich gemacht: Die von der IEA bis 2040 zu erwartende steigende weltweite Ölförderung (inkl. Biokraftstoffe und Verflüssigung) von heute ca. 95 Mb/Tag auf gut 110 Mb/Tag beruht zu etwa 50 Mb/Tag auf noch unerschlossenen, bzw. erst noch neu zu erschließenden Feldern, sowie unkonventionellem Öl.

Wie dies angesichts der horrenden Überschuldung der US-Erdölwirtschaft gelingen soll, bleibt das Rätsel der IEA-Analysten.
 

Somit zeichnet sich immer stärker ab: Allen Beschwichtigungen von IEA, Erdölwirtschaft, Bundesregierung und anderen zum Trotz: Die Erdölverknappung durch Peak Oil wird nun durch den niedrigen Ölpreis noch schneller zuschlagen. Durch die Überschuldung von Teilen der Erdölwirtschaft wird es immer weniger Investitionen geben, womit das Erdöl für immer mehr Kunden versiegen wird.

Lesen Sie hierzu auch dazu das Interview des Wissenschaftlers der Energy Watch Group Werner Zittel in der Sonnenzeitung, Österreich (auf der Website der EWG): http://energywatchgroup.org/interview-der-sonnenzeitung-zu-oelpreis-und-oelverknappung/

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Beantwortet 19, Jan 2015 von Nicole Münzinger (686 Punkte)
Der stetig sinkende Rohölpreis ist eine Reaktion auf das Grundprinzip der Marktwirtschaft: Da außerhalb des Opec-Kartells immer mehr Öl gefördert wird, steigt das Angebot, während gleichzeitig die Nachfrage sinkt.

Auf den ersten Blick gibt es eindeutige Gründe dafür, warum ein Barrel Rohöl (circa 159 Liter) nicht dauerhaft mehr als 100 Dollar kosten konnte. Sie haben mit dem Grundprinzip der Marktwirtschaft zu tun, dem Ausgleich von Angebot und Nachfrage. Je höher der Preis steigt, desto mehr lohnt es sich für Förderländer und -unternehmen, in neue Quellen zu investieren. Eindrucksvoll zu beobachten war das in den vergangenen Jahren in den USA. Dort hat der Fracking-Boom zu einer enormen Steigerung der Ölproduktion geführt. Heute produziert das Land so viel Öl wie zuletzt 1973. Dadurch werden große Mengen für andere Abnehmer an den Weltmärkten frei.

Zugleich haben andere wichtige Ölstaaten außerhalb des Opec-Kartells immer mehr gefördert. Russland zum Beispiel: Dort hat die Ölförderung zuletzt ein Rekordniveau seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion erreicht. Nie zuvor ist die Förderung in Nicht-Opec-Staaten so stark gestiegen wie im vergangenen Jahr. Die Folge war ein deutliches Überangebot, das auf eine nunmehr schwächelnde Nachfrage trifft - die Wachstumsraten in den asiatischen Schwellenländern, vor allem in China, blieben hinter den Erwartungen zurück. Der Preisrutsch war unumgänglich.

Hier im Spiegel ein aktueller Artikel zu diesem Thema: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/entwicklung-des-oelpreises-darum-ist-das-oel-so-billig-1.2307678
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