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Riskante Bohrungen in der Arktis

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Eingestellt 22, Mai 2015 in Energiewende von Claudia Kemfert (47 Punkte)

Es klingt verrückt. In Zeiten niedriger Ölpreise und einer Überversorgung mit Öl erregen die USA und der Öl-Konzern Shell mit der Ankündigung Aufsehen, in der Arktis nach Öl zu bohren. Warum investiert ein Öl-Konzern derart viel Geld, um unter schwierigen, anspruchsvollen und risikoreichen Bedingungen nach Öl zu bohren? Dank Klimawandel – welch Ironie – wird es zwar leichter, in eisfreien Monaten in der Arktis nach Öl zu bohren. Dennoch zeigen die Erfahrungen, dass es hoch riskant und vor allem teuer ist, in diesen Regionen nach Öl zu bohren. Zudem ist der Ölmarkt derzeit überversorgt und der Ölpreis niedrig.

Die Antwort nach dem Warum lautet: weil die Ölkonzerne nicht anders können. Weil das Öl benötigt wird. Weil wir es so wollen. Das klingt paradox, ist es irgendwie auch.Gerade Konzerne wie Shell müssen nach immer neuen Ölförderstätten Ausschau halten, in denen nicht die Staaten und ihre Konzerne – wie beispielsweise in Russland, Saudi Arabien oder Venezuela – über die Ölförderungen wachen. Leicht erschließbare Felder gehen mehr und mehr zur Neige und/oder werden staatlich kontrolliert. Für rein privatwirtschaftliche Öl-Unternehmen wird es daher immer schwieriger, zukunftsfähige große Ölfelder zu erschließen. Unkonventionelle Ölquellen werden benötigt, um die zur Neige gehenden konventionellen Ölfelder zu kompensieren. 

Bohrungen in der Tiefsee werden somit genauso zunehmen wie alle anderen hoch riskanten Bohrungen. Der Wettlauf um die knapper werdenden Ressourcen hat begonnen. Noch immer ist die weltweite Nachfrage nach Öl hoch, die spärlichen Bemühungen, den Ölverbrauch zu drosseln, sind lediglich in einigen OECD-Ländern überhaupt messbar. In den USA, aber vor allem in Asien, ist der Energiehunger nach wie vor hoch. Nachfragesteigerungen in diesen Ländern überkompensieren Nachfragesenkungen einiger weniger OECD-Staaten. Öl ist noch immer das „Blut der Volkswirtschaft“, der Treibstoff, ohne den nichts funktioniert. Es werden Jahrzehnte benötigt, um den Ölverbrauch absolut gesehen deutlich zu senken. Neben massiven Energieeinsparungen wären vor allem alternative Technologien im Mobilitäts- und Industriesektor gefragt. Wir reden ebenso seit Jahrzehnten davon, allerdings ohne messbare Erfolge. Von einer Wirtschaft ohne Erdöl ist man weit entfernt. Aus diesem Grund werden die Konzerne jegliche erdenkliche Möglichkeit nutzen, nach Öl zu bohren, auch wenn aufgrund der heute niedrigen Ölpreise derartige Vorhaben unwirtschaftlich sind. Steigende Ölpreise sind nur eine Frage der Zeit. Bei verbesserter wirtschaftlicher Konjunktur und zunehmender Nachfrage nach Erdöl ist damit zu rechnen, dass der Ölpreis wieder steigen wird. Zudem ist kaum zu erwarten, dass die USA mittels Fracking zukünftig weiterhin derartig hohe Fördermengen produzieren werden.

Für die Arktis bedeutet diese Entwicklung allerdings nichts Gutes. Die ansässigen Wale und Robben werden sich kaum über den Besuch der Öl-Förderer freuen. Ganz zu schweigen von den enormen Risiken für die Umwelt. Die Gefahr von gigantischen Umweltschäden ist sehr hoch, da in sehr unwegsamen und schwer erschließbaren Gegenden nach Öl gebohrt wird. Die USA feiern sich derzeit als Klimaschützer, da sie statt Kohle mehr Gas verfeuern. Den Energieverbrauch haben sie kaum merklich gesenkt, auch ist eine wirkliche Energiewende in weiter Ferne. Ein Konkurrent von Shell, BP, nannte sich eine Zeit lang mal „beyond petroleum“ – diesen Namen haben sie wieder abgelegt, genauso wie die Investitionen in die Energiewende. Diese „gefühlte“ Energiewende ist keine reale. Es ist somit wirklich eine verrückte Welt

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