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Solarworld Sunmodule mit KSK4-Steckern: ist Anschluss mit original MC4-Steckern von Multicontact zulässig?

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Eingestellt 25, Sep 2014 in Photovoltaik von Andreas Horn (517 Punkte)

Die Firma Solarworld liefert ihre Sunmodule (teilweise?) mit KSK4-Steckverbindern (von Kostal?) aus. Für die KSK4-Stecker von Kostal gibt es zwar eine ausführliche und gute Montageanweisung, offenbar werden diese Stecker aber nur an OEM-Hersteller ausgeliefert und sind im Handel nach meiner Kenntnis nicht erhältlich. Daher empfiehlt die Fa. Solarworld, ihre Module mit MC4-Steckern (original vom Hersteller Multicontact) anzuschließen.

In der Montageantweisung der KSK4-Stecker von Kostal wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese nicht mit Steckern anderer Hersteller kombiniert werden dürfen. Auch die Fa. Multicontact weist bezüglich der MC4-Stecker darauf hin, dass z. B. das TÜV-Zertifikat nur bei der Verbindung zweier Originalstecker gilt und lehnt jede Aussage zur Haltbarkeit der Steckverbingung oder gar Gewährleistung bei der Verbindung mit "fremden" Steckern anderer Hersteller strikt ab (Quelle: http://www.multi-contact.com/AcroFiles/PV-Portal/SZ_Compatibility_(en).pdf).

Aus gutachterlicher Sicht ist das Vermischen von Steckern unterschiedlicher Hersteller strikt abzulehnen. Meine Erfahrung zeigt auch, dass dies nach einigen Jahren zu (gefährlichen) Kontaktproblemen führen kann: im günstigsten Fall fällt der Strang einfach aus, im ungünstigen Fall entsteht ein Lichtbogen, der extrem leicht zu Bränden führen kann. Ein Bild einer geschädigten Steckverbindung von MC4 mit einem sog. "Kompatiblen" habe ich in meinem Blog (hier handelt es sich aber nicht um einen KSK4-Stecker!).

Für die KSK4-Stecker gibt es (von Solarworld!, nicht von Kostal) ein VDE-Zertifikat nach DIN EN 50521 (VDE 0126-3):2009-10; EN 50521:2008 des VDE Prüf- und Zertifizierungsinstituts mit folgendem Hinweis:

Das Buchsen- und Stiftteil der  Fa. Solar World AG, Typen
KSK4 wurde mit dem Stift- und  Buchsenteil, MC4, der Fa.
Multi- Contact getestet und hat die Anforderungen der Norm
erfüllt.

Nun die Frage:

  • wie beurteilt das ein Gutachter / Sachverständiger, insbesondere unter Berücksichtigung des VDE-Zertifikats?
  • darf ich als Planer die Anlage abnehmen? Hafte ich gegebenenfalls bei Schäden? Die Planerhaftung beträgt ja 10 Jahre (oder mehr), wohingegen wohl die Haftung von Solarworld auf die Produkthaftung von 2 Jahren beschränkt ist, und die des Solarfachbetriebs auf 4-5 Jahre (VOB / BGB).
  • Welche Vorschläge gibt es, um das Problem - sofern es eines ist? - aus der Welt zu schaffen?

Klar ist, die Steckverbindung ist ein sicherheitskritisches Bauteil. Korrosionsschäden treten voraussichtlich erst in einigen Jahren auf, wenn die Hersteller nicht mehr greifbar sind und nur noch der Planer mit seiner Haftung übrig bleibt.

Ich befürchte, dass die Planer und Solarfachbetriebe von den Herstellern (sei es nun Solarworld oder Kostal) bei Schäden, die aufgrund der Empfehlung der Hersteller entstehen können, im Regen stehen gelassen werden.

Eine einfache Lösung wäre es, wenn man die KSK4-Stecker von Solarworld oder Kostal kaufen und fachgerecht verbauen könnte. Ansonsten muss ich wohl zukünftig von der Planung von PV-Anlagen mit Solarworld-Modulen mit KSK4-Steckern absehen.

Ich hoffe auf zahlreiche Antworten von erfahrenen Planern, Gutachtern und Sachverständigen smiley

   

2 Antworten

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Beantwortet 27, Sep 2014 von Jörg Tuguntke (1,368 Punkte)
Moin, moin,

da ja zig verschieden Module mit zig Steckern im "Umlauf" sind, habe ich für mich und meine MA entschieden generell den 1. und letzten Stecker eines Strings zu kappen und dort unser "einheitliches" Steckersystem anzusetzen. Da passen dann auch die Systeme der Messgerätehersteller.

Da wäre ich dann sogar bei einem "Garantiefall" (den der Modulhersteller wegen des getauschten Steckers ablehnt) willens, mich mit dem Hersteller anzulegen.

Wir sind schließlich Fachleute und keine Bastler.

mfg  tugu
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Beantwortet 2, Okt 2014 von Andreas Horn (517 Punkte)

Neue Infos zum Problem mit gemischten DC-Steckern KSK4 und MC4:

Kostal gibt sich Mühe und läßt den TÜV offenbar regelmäßig eine Re-Zertifizierung für die Steckverbindung zwischen KSK4 und MC4 machen. [Hintergrund: Kostal weiß ja nicht, ob die MC4-Stecker von Multicontact nicht manchmal modifiziert werden.] Von Kostal kann man also auch ein TÜV-Zertifikat bekommen. Über die rechtliche Wirkung dieses Zertifikats kann Kostal aber keine Angaben machen: ob damit im Schadensfall z. B. in 6 Jahren, wenn sonstige Herstellergarantien nach VOB / BGB der Solarfachbetriebe definitiv abgelaufen sind auch die Haftung als Planer abgesichert ist, ist nach wie vor fraglich.

Allerdings gibt es eine gute Nachricht von Kostal: die Stecker sind bei einem Distributor erhältlich!

Ansprechpartner ist Hr. Andre Böhrer, Tel. +49 (0) 6104 608 331 bei der Firma www.herthundbuss.com

Aber aufgepasst: in der ausführlichen Montageanleitungen zu den Steckern (mit Prüfanweisungen und Drehmomentvorgaben!) sind nur einige wenige Kabelhersteller freigegeben...

Übrigens: die KSK4-Stecker werden wohl von zahlreichen, namhaften deutschen Modulherstellern verbaut: Axsun, SI-Module, etc.

Was aber, wenn man Module mit KSK4 Steckern z. B. mit SolarEdge Power Add-On-Optimizern verbauen will (die gibt es zwar mit MC4 und einigen anderen Typen wie Tyco und Amphenol, aber nicht mit KSK4)? Dann wird es in Anbetracht der Vielzahl an gemischten Steckverbindungen (je Modul zwei, statt je Strang zwei) richtig problematisch, zumal wegen der Datenübertragung der SolarEdge-Steueranweisungen über die DC-Leitung die Steckverbindung hier nochmal kritischer ist!

Fazit: es wird höchste Zeit für eine Normung bei den DC-Steckern!!!

 

Kommentiert 29, Okt 2014 von Andreas Horn (517 Punkte)
Noch zwei Ergänzungen:
Der TÜV weist in seinem Prüfzertifikat explizit darauf hin, dass aus der Prüfung nicht abgeleitet werden kann, dass die gemischte Steckverbindung dauerhaft (!) funktioniert - und bei PV-Anlagen mit einer typischen Lebensdauer von mindestens 30 Jahren sollte das schon sein ;-)

Ausserdem: der technische Support von Solarworld schreibt: "hiermit bestätigen wir Ihnen, dass ein fachgerechter Austausch der Stecker und Buchsen an SolarWorld Modulen keine Beeinträchtigungen der Leistungsgarantie bzw. der allgemeine Produduktgewährleistung nach sich zieht." Dies bestätigt also die Empfehlung von Jörg Tuguntke. Ist zwar meines Erachtens auch keine optimale Lösung, aber immerhin! Optimal wäre, wenn Solarworld jeder Palette Module 2 Paar Anschlussstecker des selben Herstellers wie bei den Modulen reinpackt - so wie es z. B. auch SMA bei seinen Wechselrichtern tut. Und schon wäre das Problem endgültig aus der Welt...
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