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Schneller Ausbau der Erneuerbaren Energien notwendig!

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Eingestellt 14, Mär 2012 in Energiewende von Anonym

Es wird nur von der Empörung über die Förderkürzungen gesprochen,...

... denkt denn keiner an die Stromkunden, die das alles bezahlen müssen?

   

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Beantwortet 14, Mär 2012 von Wolf von Fabeck (279 Punkte)

Die Bundesregierung ist gerade dabei, ein wichtiges Klimaschutzinstrument zu zerstören. Der zügige Ausbau von Wind- und Solarenergie mit den dazugehörigen Energiespeichern hätte das Potential, weltweit den CO2-Anstieg abbremsen. Doch ohne Solarausbau kann dieses Konzept im Sommerhalbjahr nicht funktionieren. Die Bundesregierung nimmt zwar nach eigenem Bekunden die Warnungen vor dem Klimawandel sehr ernst und gibt Millionen für eine Klimakonferenz nach der anderen aus. Damit ist bewiesen, dass der Klimawandel keine Erfindung "grüner Spinner" ist. Doch diese Konferenzen sind allesamt gescheitert. Und nun will die Bundesregierung auch noch den deutschen Solarzubau auf ein Drittel reduzieren. Damit steht sie völlig ohne schlüssiges Klimaschutzkonzept da. Es gibt keinen funktionierenden "Plan B". Ein kurzer Blick zurück: Unabhängig von den Klimakonferenzen haben in Deutschland die Stromkunden durch die geduldige und meist bereitwillige Zahlung eines Aufschlages auf den Strompreis (die spätere EEG-Umlage) mit Solar- und Windanlagen eine Abwehrfront gegen den weiteren CO2-Anstieg aufgebaut. Die Prognosen des BMU wurden dabei himmelweit übertroffen. Fehlprognose des BMU zum PV-Zubau http://www.sfv.de/fotos/l/Fehlprognose_BMU_2007GIF.gif Der größte Teil der EEG-Umlage fließt in die Solarenergie. Und mit diesem Geld wurde - was oft vergessen wird - nicht nur der Kauf von Solaranlagen refinanziert, sondern es wurden auch die Solarinstallationsbetriebe aufgebaut, die Zulieferkette und die Herstellerfabriken für Solarmodule, Wechselrichter und Zubehör. So entstand mit dem Geld der Stromkunden eine völlig neue Infrastruktur, die gleichzeitig Hunderttausenden eine sinnvolle Arbeitsstelle verschaffte. Diese solare Infrastruktur ist die Voraussetzung dafür, dass im vorletzten Jahr 7,3 Gigawatt Solaranlagen neu errichtet werden konnten und im Jahr 2011 noch etwas mehr, nämlich 7,5 Gigawatt. Zwischen 2010 und 2011 gab es sogar noch eine bescheidene Steigerung im Zubau, ein Wachstum von 3 Prozent. Die Überraschung war groß, denn nach den schikanösen zusätzlichen Absenkungen der Einspeisevergütung im Jahr 2011 hatte niemand mehr mit Wachstum beim PV-Zubau gerechnet. Viele Freunde der Solarenergie hatten Wachstum nicht einmal mehr gewünscht. Sie hatten gehofft, durch bescheidene Zurückhaltung im Zubau die Neid- und Geiz-ist- geil-Kampagne der Stromwirtschaft und der Medien beenden zu können. Anstatt die Unverzichtbarkeit eines beschleunigten PV-Ausbaus zur Umstellung der Energieversorgung selbstbewusst und öffentlichkeitswirksam herauszustellen, hatten sie angeboten, den PV-Ausbaumit Hilfe stärkerer Vergütungsabsenkungen zu verlangsamen. Möglicherweise war die Absicht, Geld zu sparen, noch nicht einmal der Hauptgrund für dieses Angebot. Möglicherweise waren sie sich auch unschlüssig in der Frage, wie man die extrem hohe mittägliche Leistungsspitze der Photovoltaik durch Energiespeicherung technisch in den Griff bkommen würde? Der Bundesverband Solarwirtschaft - schlecht beraten durch das Institut Roland Berger - hatte schon im Dezember 2010 gegenüber dem Umweltminister zum Ausdruck gebracht, dass "die Branche" die Option einer marktzubauabhängigen Steuerung über einen vorgezogenen Degressionsschritt konstruktiv begleiten würde. Diese Zusage war schon allein deshalb ein Fehler, weil sie sich nicht halten ließ. Wie kann ein Bundesverband Zusagen geben, die seine Mitgliedsfirmen nicht befolgen können? Die zugesagte Reduzierung auf einen jährlichen Ausbaukorridor um 3 Gigawatt herum hätte selbst bei gleichmäßiger Aufteilung auf alle Betriebe der Solarbranche bedeutet, dass jeder freiwillig seinen Umsatz auf 50 Prozent hätte drücken müssen, oder aber, dass etwa die Hälfte aller Firmen nach einem mörderischen Konkurrenzkampf um das Überleben in Konkurs gehen müssen. Wer kann es den Solarbetrieben verdenken, dass sie sich - anders als ihr Branchenverband zugesagt hatte - nicht freiwillig auf die Hälte reduzieren ließen, sondern um ihr Überleben gekämpft haben? Uns ist bewusst, dass die unglaubliche Leistung, trotz einer Vergütungsabsenkung von 40 Prozent noch einmal mehr als 7 Gigawatt Solaranlagen auf die Dächer zu zaubern, nur in der Schlussverkaufspanik vor der nächsten Vergütungsabsenkung zum 1.1.2012 möglich war und auch nur, weil es ein Überangebot an Solarmodulen weltweit gibt, das auf die Verkaufspreise drückt. Zum dritten Mal hätte sich ein Zubau dieser Größenordnung nicht wiederholen lassen, denn viele Solarbetriebe waren mit ihrem finanziellen Polster schon zu Jahresbeginn am Ende und das EEG sah noch drakonischere Vergütungsabsenkungen zum kommenden Juli vor. Wie aber auch immer - das Angebot des Branchenverbandes, den Zubau zu verlangsamen, war von der Branche nicht eingehalten worden. Die Gegner der Solarenergie verloren nun die Geduld. Die allseits geäußerte Verwunderung und Verblüffung über die tapfere Gegenwehr der Solarfirmen schien ihnen die geeignete Kulisse für den finalen Vernichtungsschlag. Jäger sprechen in solchen Fällen von einem "Fangschuss", mit dem das waidwund geschossene Tier endlich von seinen Qualen befreit wird. Oder - auch ein Stierkampf darf nicht zu lange dauern. Es ist dann Aufgabe des Toreros, den Stier mit einem eleganten Stoß seines Degens endgültig zu Tode zu bringen. Was aber Röttgen und Rösler wohl übersehen haben, ist, dass sie keine Jäger und keine Toreros sind. Sie sind Angehörige der Regierung eines Rechtsstaates, in dem die Regeln des Stierkampfes oder der Waidmannszunft nicht auf das Wirtschaftsleben übertragen werden dürfen. Und noch ist es bei uns (hoffentlich) nicht zulässig, das Interesse einiger Großkonzerne über das Wohl der Gemeinschaft zu stellen. Das Bundesverfassungsgericht wird sich dazu voraussichtlich äußern müssen. Noch viel schlimmer aber ist - ich komme damit auf den Anfang zurück - die Tatsache, dass die Bundesregierung gerade im Begriff ist, die wohl letzte konkrete Hoffnung auf eine erfolgreiche Abwehr des Klimawandels nachhaltig zu zerstören. Und das ist - so finde ich - ein Verbrechen an der Menschheit. Im Vergleich dazu ist die erhoffte kurzfristige Kostenersparnis für die Stromkunden eine Nichtigkeit. Außerdem bestünde ja die Möglichkeit, im Rahmen der Sozialgesetzgebung den sozial schwachen Stromkunden aus Steuermitteln die Mehrkosten zu erstatten.

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