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Ist Autofahren heilbar?

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Eingestellt 25, Sep 2015 in Elektroauto, E-mobility von Franz Alt (1,830 Punkte)

Daimler-Chef Zetsche wiederholt sein Mantra seit vielen Jahren: „Wir erfinden das Auto neu“. Das Ergebnis dieser Wiedergeburt: Die Autos werden immer größer, verbrauchen immer mehr Sprit und gefährden das Leben von immer mehr Menschen.

Das Mantra von Ex-VW-Chef Winterkorn hieß ebenfalls seit Jahren: „Wir werden die Größten“. Das Ergebnis ist der größte Auto-Skandal der letzten Jahrzehnte.  Die Hauptursache der verbrecherischen Autopolitik ist der  Größenwahn an der Spitze der Konzerne.

Die Feinstäube, an denen VW und wohl auch andere Autobauer seit langem manipulieren, töten jedes Jahr allein in Deutschland 47.000 Menschen, in Europa sind es 430.000 und weltweit bis zu sieben Millionen Menschen, die vorzeitig sterben müssen.

Diese schrecklichen Zahlen können sich bis 2050 nochmal verdoppeln, schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO, wenn die Luftqualität sich nicht verbessert. Um den VW-Skandal in seiner ganzen Tragweite zu verstehen, muss man über diese Zahl des Massensterbens nachdenken.

Die WHO: „Die Luftverschmutzung ist weltweit das größte auf Umweltfaktoren basierende Gesundheitsrisiko.“ Feinstaub quillt bis in die Zellen unseres Gehirns. Diese Gesundheitsgefahr liegt in der Luft und ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Überall, wo diese unsichtbaren Partikel  in der Luft schwirren, ist die Zahl der tödlichen Schlaganfälle, Herzleiden und Atemwegs-Beschwerden wie Asthma stark erhöht. Die Feinstaubteilchen können bis in die Lungen vordringen, begünstigen Kreislauferkrankungen und Lungenkrebs.

70% der Menschen, die an den Folgen der Luftverschmutzung sterben, erleiden einen Schlaganfall oder Herzinfarkt. Erst kürzlich fanden Forscher heraus, dass langjähriges Einatmen von Feinstaub sogar das Gehirn schrumpfen lässt.

Und was ist mit den dafür Verantwortlichen? Sie bekommen wahrscheinlich nach ihrem Rücktritt noch Millionen Dollar oder Euro Abfindung. Herr Winterkorn hat 2014 über 16 Millionen Euro „verdient“. Solange solch kriminelle Energie noch zusätzlich mit hohen Abfindungssummen anstatt mit Strafen belohnt wird, ist eine andere Autopolitik nicht zu erwarten.

Zum VW-Imperium gehört auch Audi. Erst vor wenigen Tagen sagte der Audi-Vorstand Ulrich Hackenburg im Stern: „Der Kunde kauft nichts, um Grenzwerte zu unterschreiten. Der Kunde kauft, was attraktiv ist.“ Der Mann hat wahrscheinlich recht. Solange wir den „attraktiven“ Schrott kaufen, den uns die alten Autobauer anbieten, werden weiterhin Millionen Menschen daran sterben. Wir können nur ernten, was wir säen. Das ist ein geistiges Gesetz. Daran ändert auch ein Wechsel im Vorstand nichts. Die einzig wirklich hilfreiche Medizin heißt: Autofahren muss heilbar werden. Autofahren ist heilbar.

   

3 Antworten

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Beantwortet 26, Sep 2015 von Geckler, Heinz (2,530 Punkte)
Bearbeitet 25, Okt 2015 von Geckler, Heinz

Hallo Franz Alt,

Sie haben natürlich recht, Autofahren sollte heilbar sein. Ich bin allerdings der Meinung, dass vor allem die Medizin "öffentlicher Nahverkehr" noch nicht in ausreichender Menge verfügbar ist. Hier nur ein Beispiel, das mich und meine Frau persönlich betrifft:

Wir betreiben ein Ladengeschäft im Nachbarort, der nur 5 km entfernt ist. Meine Frau muss regelmäßig Sachen vom Geschäft nach Hause oder umgekehrt transportieren. Die Verbindung mit dem Bus ist jedoch so schlecht, dass meine Frau sogar umsteigen müsste. Das hat zur Folge, dass meine Frau Morgens um 5:35 Uhr hier im Ort mit dem Bus abfahren müsste, um rechtzeitig um 7:00 Uhr im Geschäft zu sein.

Das bedeutet, dass wir eigentlich vor allem wegen der 5 km maximal 4 Mal am Tag ein 2. KFZ benötigen. Das ist nicht nur für die Umwelt sondern auch finanziell eine große Belastung.

Besonders schade ist dabei, dass das 2. KFZ fast den ganzen Tag ( bis auf ca. 3/4 Stunde Mittagspause ) beim Ladengeschäft steht, so dass zur Ladung eines Elektro-KFZ nicht einmal der überschüssige Strom der eigenen PV-Anlage auf dem Wohnhaus genutzt werden kann.

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Beantwortet 26, Sep 2015 von Martin Werner (2,069 Punkte)

Lieber Herr Alt,

ich stimme im Großen und Ganzen mit Ihnen überein.

Nur was bei dem VW-Skandal manipuliert wurde, ist nicht die Feinstaubemission, sondern der NOx-(Stickoxid-)Ausstoß.

Unabhängig von diesemDetail: Feinstaub ist eine schlimme Seuche. Dafür sind aber nicht nur PKW, sondern vor allem auch der immer stärker wachsende LKW-Verkehr und die Industrieemissionen verantwortlich.

Trotzdem haben Sie auch Recht in ihrer Forderung nach einer "Entkarbonisierung" des Verkehrs. Förderung der E-Mobilität und, wie es auch Herr Geckler in seinem Statement fordert, des öPNV, muss höchste Priorität geniesen. Aber die starke Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft vom Auto steht uns hier im Weg. Leider.

Sonnige Grüße

Martin Werner

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Beantwortet 27, Sep 2015 von Jürgen König (394 Punkte)

Sehr geehrter Herr Alt,

ich stimme Ihnen ebenfalls vollkommen zu.

Eine mächtige Lobby (Verbrennungsmotor-Autos) hat es geschafft,  uns seit nahezu 100 Jahren im Griff zu haben:

  • Das Auto als das Freiheitssymbol schlechthin, wichtiger als manches Grundrecht, wie z.B. das Grundrecht auf Wahlen.
  • Das Auto als das Statussymbol.
  • Die Landschaft überzogen mit einem gigantischen Netz an Straßen, Autobahnen, Parkplätzen, das keinem Vergleich mit anderen Verkehrswegen (Bahn, Schifffahrt, Rad- und Fußwege) standhält.
  • Gigantische Schadstoff-Emissionen zu Lasten der Natur und des Menschen.

Irgendwann werden nachfolgende Generationen diesen unsäglichen "Verbrennungsmotor-Fetischismus" anprangern. Wir sind seit nunmehr 100 Jahren dabei, die Ressourcen der Erde in zwei, drei Generationen vollkommen aufzubrauchen und einen Riesenberg an Abfall zu hinterlassen.

Würden wir uns nur einmal aus dem "Zangengriff" der Verbrennungsmotor-Lobby  herauslösen und selbst reflektieren, so würden wir erkennen:

- Kein Unternehmer würde in eine Technische Anlage/Maschine investieren, die ca. 95% der Zeit still steht.

- In den verbleibenden 5% der Zeit, in der wir das Auto nutzen, haben wir auch nicht besonders viel Vergnügen, denn:

  • meist  suchen wir einen Parkplatz (macht ca. 60% der verbleibenden 5% aus),
  • fahren mit einem Wirkungsgrad von ca. 20%. Die restlichen 80% der Energie aus dem Benzin/Diesel gehen in Form von Wärme verloren,
  • laufen Gefahr einen Unfall zu erleiden, 
  • oder eine Panne zu haben,
  • oder von der Polizei wegen zu schnellen Fahrens, zu geringem Abstandhalten oder Falschparken bestraft zu werden,
  • Darüber hinaus sollen und müssen wir auf den Konsum von Alkohol verzichten.

Alles Faktoren, die den Spaß am Fahren deutlich verringern. Aber wie gesagt, die Lobby hat uns jahrzehntelang alle Sinne verdreht.
Kommentiert 24, Okt 2015 von Alexander Hagen (35 Punkte)
die  Antwort kann nur E-Mobilität heißen, geladen durch Sonnen und Windstom von möglichst vielen Dächern.
Alle Firmen müssen (Pflicht)-PV-Dächer bekommen. Die Mitarbeiter können dann morgens elektrisch in die Firma fahren , dort tagsüber laden und abends das selbe Kabel an die Wohnung andocken, d.h. die Wohnung/Haus mit Hilfe der Autobatterie betreiben. Am nächsten Morgen ist noch genug "Saft" in der Batterie um in die Fa. zu fahren und wieder zu laden. So käme praktisch die ganze Volkswirtschaft in den Genuss "nie wieder Strom und Benzin zu kaufen!"  Aber ob das unsere Regierung und die Auto-Lobby will ???
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