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Energierevolution statt einer halbherzigen Energiewende

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Beantwortet 28, Aug 2014 von Volker Quaschning (644 Punkte)
Der öffentliche Klimawandelschock reicht sieben Jahre zurück. Damals erhielt der UN-Weltklimarat den Friedensnobelpreis. Heute werden seine Berichte nur noch wenig beachtet. Der Klimawandel ist inzwischen im Alltag angekommen: Die zweite Jahrhundertflut in Deutschland in elf Jahren und ein Winter, der keiner war. Außerdem verspricht unsere Politik, alles für den Klimaschutz zu unternehmen. Medienwirksam reichten Spitzenpolitiker dazu bei der Jahrhundertflut an der Elbe Sandsäcke an.

Dabei geben uns die aktuellen Naturkatastrophen bestenfalls eine wage Ahnung, was durch den Klimawandel auf uns zurollt. Die globale Erwärmung beträgt derzeit nicht einmal ein Grad Celsius. Machen wir weiter wie bisher, werden nach den neuesten Berichten des UN-Weltlimarats bis 2100 gut vier Grad erwartet, 2300 könnten es acht bis zwölf Grad werden. Eine ähnliche Erwärmung fand vor 250 Millionen Jahren am Ende des Perm-Zeitalters statt. Damals starben 70 bis 95 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten aus. Und was unternimmt die Politik, damit unsere Nachkommen nicht das gleiche Schicksal ereilt? Sie reicht Sandsäcke an.

Ein großes Projekt der neuen Regierung ist das EEG 2.0. Der Zubau bei der Photovoltaik soll dabei auf ein Drittel zurückgefahren werden. Der Ausbau der Windkraft wird erschwert. Und der Neubau von Biomassekraftwerken wird fast völlig eingestellt. Wird das so umgesetzt, bliebe dadurch die fossile Stromerzeugung die nächsten 15 Jahre nahezu konstant. Wie so die vollmundigen Versprechen zum Klimaschutz eingelöst werden sollen, bleibt ein naturwissenschaftliches Rätsel. Unsere Abgeordneten sind laut Grundgesetz nur ihrem Gewissen verantwortlich. In Wirklichkeit regiert aber das Geld. Was den Klimawandel anbelangt, scheint es, als hätten sie ihr Gewissen direkt an der Kasse abgegeben.

Klimaschutz hin oder her: Deutschland muss angeblich vor dem finanziellen Kollaps durch die Energiewende gerettet werden. Dabei sind die Wirtschaftsdaten Deutschlands der letzten Jahre hervorragend. Negative Spuren für die Wirtschaft durch die Energiewende sind Fehlanzeige. Im Gegenteil: Die erneuerbaren Energien waren vor dem Eingriff der Politik noch ein regelrechter Jobmotor. So geht es beim aktuellen politischen Aktionismus auch nicht um die Zukunft Deutschlands oder eine gerechte Verteilung der Energiewendekosten, sondern um die Zukunft der Energiekonzerne. Diese haben wie Dinosaurier aus einer anderen Zeit munter weiter Kohlekraftwerke gebaut und an der Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke gebastelt. Nun sitzen sie auf einem für die Energiewende ungeeigneten Kraftwerkspark und kommen aus dem Dilemma nur heraus, wenn die Politik für sie die Energiewende bremst.

Dabei drohen unserer Volkswirtschaft ganz andere Gefahren. Inzwischen importieren wir jährlich Energieträger für 100 Milliarden Euro. Wenn ein globaler Wirtschaftsboom oder internationale Krisen die Ölpreise explodieren lassen, wird das dramatische Auswirkungen für unser Land haben. Wollen wir uns aus dieser Abhängigkeit befreien, kann die Lösung nur 100 Prozent erneuerbare Energien heißen. Noch können wir auch die Klimaerwärmung auf Werte unter zwei Grad Celsius begrenzen und damit das Schlimmste verhindern. Dazu muss allerdings der komplette Wechsel zu erneuerbaren Energien schon in den nächsten 20 bis 30 Jahren gelingen. Eine ausgebremste Energiewende hilft dabei nicht weiter. Dazu brauchen wir eine echte Energierevolution. In Deutschland gibt es 13 Millionen Einfamilienhäuser, 55 Millionen Menschen mit Balkons oder Terrassen und über Tausend neue Bürgerenergiegenossenschaften. Es gibt noch viel Platz für Solar- und Windkraftanlagen in Bürgerhand. Nun liegt es an uns, die Energierevolution durchzusetzen. Dann brauchen wir unseren Kindern später nicht zu antworten, wir hätten von alledem nichts gewusst.
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Beantwortet 1, Sep 2014 von Andreas Horn (517 Punkte)

Energierevolution statt Energiewende: konkret?!

Nachdem der Begriff "Energiewende" von der Regierung gekapert und diskreditiert wurde mag man als Verfechter von 100% Erneuerbaren Energien gar nicht mehr von "Energiewende" reden. Statt dessen ist tatsächlich die "Energierevolution" das, was wir heute brauchen: ein Aufbegehren der Bürgerinnen und Bürger, die die überkommene fossil atomare Energie"versorgung" radikal und schnell verändern wollen. Revolutionen kommen nie von der Regierung und den angestammten Profiteuren des alten Systems, sondern immer von der breiten Masse, die einen Fehler im System erkannt hat und korrigieren will. Die Energierevolution ist zwar noch nicht bei der "Masse" angekommen. Aber der Druck wird immer höher - nicht zuletzt durch die EEG-Novelle, die (wohl unbewusst und eher "psychologisch, als ökonomisch") starke Anreize für Autarkie des Einzelnen setzt - auch wenn diese Autarkie des Einzelnen volkswirtschaftlich sicherlich unsinnig ist.

Ich erlebe, dass viel Kreativität vorhanden ist, mit denen sich Menschen persönlich Energieautark machen wollen. Die PV-Anlage mit Stromspeicher ist da sicher ein Anfang, auch wenn dann schnell klar wird, dass man damit schwerlich autark werden kann. Aber vielleicht in Ergänzung mit einer Klein-Windanlage auf dem Hausdach? Naja, das ist im Binnenland bei 10m Masthöhe vielleicht auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Spannend wird das dann aber mit einem Elektrofahrzeug wie z. B. dem Mitsubishi EV, der quasi als Stromspeicher mit Rädern auch Strom vom Arbeitsplatz nach Hause transportieren kann und dann das Haus über Stunden oder Tage mit Strom versorgen kann, bis man dann wieder zum Stromtanken fahren muss (siehe z. b. www.com-bi-nation.de). Noch plausibler wird der autarke Einzelhaushalt dann vielleicht mit einer Nano-Biogasanlage (siehe hier: https://www.facebook.com/pages/ORENTEC/418498961614756), die die fäkalien und Bioabfälle der (hoffentlich veganen oder vegetarischen wink) Hausbewohner zu Biogas umwandelt und damit vielleicht über einen Micro-Stirling (oder z. B. diese Maschine: www.stirling-fette.de) Strom erzeugt und nebenbei für Heizung, Warmwasser und auch Kochenergie (Gasherd) sorgt.

Je mehr die Regierung und die Konzerne die Energiewende bremsen, desto wahrscheinlicher wird die Energierevolution! Die Erfinder und Ingenieure unseres kreativen Landes werden es schaffen, auch bezahlbare Lösungen für autarke Privathaushalte zu finden. Spätestens wenn die Energierevolution erfolgreich war, haben dann auch wieder die klügeren und volkswirtschaftlich billigeren "vernetzten" EE-Lösungen eine Chance, die die Regierung derzeit mit der EEG-Umlage auf Eigenerzeugung verhindern bzw. zumindest bremsen will.

Die Energiewende ist tot - es lebe die Energierevolution!

+1 Punkt
Beantwortet 10, Sep 2014 von Anonym

Grundvoraussetzung für eine Energierevolution ist nun, dass sich der weitere Ausbau der PV-Energie ohne die Zahlung hoher Einspeisevergütungen rechnen kann, da dies bei Kleinwindkraft Anlagen vieler Orts prinzipiell problematisch ist. Wie Herr Quaschning schon vor längerem darstellte, bietet der sommerliche Wärmebedarf ein enormes Potential bei der die Rentabilität erhöhenden Eigenverbrauchssteigerung. Zudem sollte möglichst bald erkannt werden, dass die Brauchwasser Zubereitung durch Solarstrom unterm Strich die Umwelt erheblich entlastet, weil dann die Ölheizungen nicht mehr mit erbärmlichen Wirkungsgraden feuern müssen (durch vorheriges Aufheizen des XY kg Stahl-Kessels = 20-40%).

Da schnelle Gasturbinenkraftwerke nur im begrenzten Umfang zu Verfügung stehen und die großen Grundlastkraftwerke in der Betriebsführung der Fluktuation des Solarstrom-Angebots nicht folgen können, ist zudem die 100%-ige Verwertbarkeit vom Solarstromangebot in eben so weiter Ferne, wie die dazu entsprechend erforderlichen Großspeicherkapazitäten. Dennoch erscheint es ehe dem bereits jetzt möglich, in kürzerer Zeit das Solarstromangebot in einem erheblich größerem Umfang zu verwerten, sowie zugleich das Problem der Spitzenlast-Problematik der Netze zu entschärfen, und dadurch den Gegnern vom Ausbau der Regenerativen Energien das wichtigste Sachargument zu entziehen. Durch den Verbrauch von Teilen der Solarstrom-Überschüsse eines Haushaltes zur Brauchwasser-Erwärmung, wird Erzeuger nah eine Energiespeicherung exakt dann betrieben, wenn insgesamt für die Betriebssicherheit vom Netz gerade mehr Energie als benötigt wird produziert werden muss. Je höher die Fluktuationen der PV-Einspeisung sind, desto mehr Energie ist unausweichlich für den dem entsprechend zu gewährleistenden Lastwechsel-Ausgleich vorzuhalten, bzw. direkt zu verschwenden.

Daher ist zu Bedenken, in wie weit ein sich selbstständig regelnder, für den Endkunden rentabler „Einspeisespitzen-Begrenzer“ über die Summe der Brauchwasser-Speicher hinweg eine höchst achtenswerte Komponente bei der Gesamteffizienz sowie der Netzintegration der Regenerativen Energien ist. Das heute bereits in den Kellern stehende Gesamt-Speicherpotential kann in der Leistungsstärke und in der Aufnahmekapazität somit bereits lange vor Smart Home 2.0, auch ohne vernetzte Zähler und x Zeittarife, einfach dezentral gesteuert einen Beitrag von maßgeblichem Umfang, zum möglichst ungehemmten Weiterausbau der Regenerativen Energien leisten.

Kommentiert 26, Okt 2014 von Geckler, Heinz (2,530 Punkte)
Hallo Herr Finger,

ich kann Ihre Ausführungen nur bestätigen. Hier ein Beispiel zu Ihren Angeban zum Wirkungsgrad von Heizungen in der Brauchwasser-Erwärmung:
Wir wohnen in Miete, hatten aber vom Vermieter die Erlaubnis eine Wärmepumpe und eine PV-Anlage zu montieren. Im 1. Schritt unserer Modernisierung haben wir eine Heizungs-Wärmepumpe bivalent zur Öl-ZH installiert um sicherzustellen, dass der vorhandne Ölkessel nicht kaputt geht. Dazu hatten wir die WW-Erwärmung mit der Wärmepumpe auf 45°C eingestellt und mit dem Ölkessel auf 60°C nacherwärmt. Das Ergebnis war im Jahr 2013 ein Ölverbrauch in Höhe von 670 Liter ( nur für die Nacherwärmung inkl. Verluste Speicher im Ölkessel ), entspricht ca. 560,- Euro Kosten. Die Nachrüstung einer zusätzlichen WW-WP im letzten Winter hat zur Folge, dass wir vom 01.01.2014 bis zum 21.10.2014 für die Warmwasserbereitung einen Stromverbrauch von 975 kWh ( Eigenstrom mit Erzeugungsksoten von ca. 13Ct. ) hatten, entspricht ca. 130,- Euro.
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