Firmenverzeichnis Experts Preisvergleich

Was darf ein Stromspeichersystem eigentlich Kosten (Kosten vs. Nutzen in €)??

0 Punkte
1,154 Aufrufe
Eingestellt 23, Jun 2014 in Photovoltaik von Martin Schorlies (940 Punkte)
Während der technische und ideologische Nutzen von Stromspeichersystemen weitgehend bekannt ist (
http://experts.top50-solar.de/4653/lohnen-sich-stromspeicher-und-selbstverbrauch?show=4655#c4655 )
stellt sich immer noch gerne die Frage über den finanziellen/wirtschaftlichen Nutzen.
   

3 Antworten

+1 Punkt
Beantwortet 23, Jun 2014 von Martin Schorlies (940 Punkte)

Das Stromspeichersystem an Bedeutung in den nächsten Jahren gewinnen werden steht außer Frage,- Netzentlastung, geringe Einspeisetarife vs. steigende Netzstrombezugskosten, Kontrolle über die Energieflüsse (Energiemanagement à Energieeffizienz).
Aber was solch ein System kosten darf/muss, verschweigt der Außendienstler. Gerne werden hier Strompreissteigerungen eingerechnet, dabei sinken die Nettostrompreise, während nicht nachvollziehbare Abgaben die kWh verteuern und Großabnehmer von eben diesen Abgaben befreit werden (in letzter Instanz durch steuerliche Vergünstigung). Unabhängig der Politik, wird das lange nicht mehr funktionieren elektrische Energie in privathaushalten zum Luxusgut werden zu lassen, und verzweifelte Verbraucher und Geldanleger in einen Überteuerten Stromspeichermarkt zu treiben. Denn die Arbeit das System so zu vertreiben, dass kein negatives Erscheinungsbild entsteht kann nur über die richtige Beratung erfolgen, der eine richtige Bedarfsanalyse voraus gegangen ist. Heißt also wenn die Wertschöpfungskette nicht am Kunden (stellvertretend im Kompetenten Vertrieb) verankert wird, sondern in der Luft hängt, verpufft auch wieder dieser Effekt. Sehr vergleichbar mit den Einspeisevergütungen EEG: Diese waren nie als Sicherheit angelegt, sondern als Anreiz zu investieren um im Nachgang durch Erfahrung mit der Technologie und den daran gekoppelten Masseneffekten, die dezentrale Stromversorgung auch Massentauglich zu machen. Spätestens wenn diese o.g. nicht nachvollziehbaren Aufgelder wegfallen oder eben den Vorteil zwischen Stromgestehungskosten (aus eigenen Anlagen) und Strombezugskosten zu gering wird, dass nicht wenigstens eine null entsteht, ist die Energiewende und dezentrale Stromerzeugung gescheitert.
Nach derzeitigem Kostenvorteil von ca. 15 ct/kWh entsteht recht schnell folgende, recht simple lineare, Ertrags-Nutzentabelle:

 

image


Die tägliche Nutzkapazität wird natürlich noch von mehreren anderen Einflussgrößen bestimmt:

  • Ladung & Entladetiefen der Batterie
  • Ladeverluste (auch bei DC!)
  • Ladung im Winter, bei geringer PV-Leistung (evtl. Substitution der PV durch KWK oder Miniwindkraft)
  • Alterungsprozesse der Batteriezellen (Abnahme der Kapazität durch, Nutzung, Umgebungsbedingungen)

Recht schnell kann man erkennen, dass solch ein System eben auch eine gewisse Kapazität haben muss, um einen wirtschaftlichen Nutzen zu erzeugen. Dem gegenüber steht der Momentan-Verbrauch (bei PV), denn das Speichersystem sollte ja nur mit eigenem Strom betrieben werden. Also schon fraglich ob die z.B. 5 kWp-PV auf dem Dach auch die zusätzlichen 7 kWh Speichergerecht bereitstellen können (also ca. 8,75 kWh Überschuss über den Ladezeitraum von ca. 3-4 Stunden). Und auch hier liegen klar die Haushalte im Vorteil, wenn ein hoher Stromverbrauch vorliegt, mit einer recht großen Energieerzeugung, wenn man den Speicher wirtschaftlich betreiben will.
Auch hier hat sich die gute 1/3-Faustregel bewahrheitet: 1/3 Selbstverbrauch, 1/3 Speicher und 1/3 der Erzeugung geht ins Netz, sofern die PV-Anlage 130% des Eigenbedarfs in der Jahresbilanz decken würde.
 

Zusätzlich sollte solch ein System mit einfachsten Mitteln Inselbetriebsfähig sein, bzw. in der Lage sein auch bei Netzausfall die eigene Energie bereitzustellen, und das Netz auch bei Schwankungen zu stabilisieren. Auch sollten vernünftige Leistungen realisierbar sein, also Kühlschrank, Mikrowelle und Herd dürfen gerne weiterhin nutzbar sein (ja, ich bin bekennender Skeptiker von Speichersystemen mit weniger als 5 kW Nennleistung).

Natürlich ist mir bewußt, dass es eine recht einfache (--> und nachvollziehbare) Betrachtung ist, jedoch ist die Deckung unter Ausschluss der feinen "Wenns" und "Abers" doch recht genau. Je Genauer es wird, desto wahrscheinlicher ist Irrtum.

+1 Punkt
Beantwortet 24, Jun 2014 von Jörg Tuguntke (1,368 Punkte)
Moin, moin,

also die Skepsis bezüglich der Speichergröße unter 5 kWh kann ich nachvollziehen.

Allerdings bezeifle ich die Nutzung des Speichers an 365 Tagen im Jahr.

Wenn ich den Speicher tagsüber mit 5 kWh laden will, muß ich bei der Erzeugung und dem vorhandenen Verbrauch diese 5 kWh auch übrig haben.

Ich habe eben mal eine 10 kW-Südanlage "nachgezählt" (Winter 2013-2014). An 60 Tagen unter 5 kWh Gesamtertrag.

mfg   tugu
Kommentiert 24, Jun 2014 von Martin Schorlies (940 Punkte)
Moin, moin,

sehr berechtigter Einwand! Mir ging es primär um die Betrachtung was ein Speichersystem leisten können muss (finanziell), mit der PV als nachrangige Betrachtung.
Meine Speicher-Anlage hat z.B. jetzt innerhalb diesen Jahres im Mittel leider nur 60% der Tagesleistung erreicht, geschuldet den fehlenden Erträgen im Winter.
Zusätzlich ist als nächster Ausbauschritt noch eine Lösung für die sonnenschwache Zeit in Planung (noch nicht Spruchreif, da mehrere Varianten betrachtet werden Mini-KWK, Mini-WKA ...Wasserkraft musste ich leider schon ad-acta legen), um genau diesen Mangel abzudecken.
Jedoch sind ja auch z.B. Anlagen mit größerer PV-Fläche realisierbar, die den Speicher fast voll ausreizen (Kundenanlage hatte bisher nur 13 Tage dieses Jahr ohne volle Nutzladung [BleiGel: 43%]). Ob nun 365 Tage volle Nutzladungen erreicht und auch wieder verbraucht werden (ohne Verbrauch ja auch sinnlos), ist zur Vereinfachung erstmal vernachlässigt, denn Verbraucher soll es ja auch noch nachvollziehen können.
Ein bißchen Planungsarbeit muss für unsereins ja noch übrig bleiben ;).
Aber schön, dass es wenigstens gelesen und auch kritisch durchdacht wurde.

MfG
Martin Schorlies
+1 Punkt
Beantwortet 26, Jun 2014 von Tjarko Tjaden (264 Punkte)

Hallo Herr Schorlies,

wie die anderen Antworten auch schon richtig aufzeigen, hängt die Wirtschaftlichkeit von vielen Faktoren ab. Wir haben uns an der HTW Berlin vor gut einem Jahr ausführlich Gedanken um die künftige Entwicklung gemacht und einen Artikel zur guten Orientierung geschrieben.

Wir erachten es als sinnvoll die Größe der mittleren Stromkosten einzuführen. Diese zeigt an, wie hoch der mittlere Strompreis für den Endkunden für die nächsten 20 Jahre sein wird. Darin enthalten sind Systempreise, Strombezugskosten, Renditeerwartung, Finanzierungskosten, Wartung, Batterietausch, etc etc.

Gerne können Sie unsere Einschätzung hier nachlesen:

http://pvspeicher.htw-berlin.de/veroeffentlichungen/fachzeitschriften/

Weniger, J.; Quaschning, V.; Tjaden, T.:
Optimale Dimensionierung von PV-Speichersystemen
In: pv-magazine 1/2013, S. 70-75

 

Stellen Sie Ihre eigene Frage:

 

...