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Biohotel Eggensberger: Die kleine Energiewende im Allgäu

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Eingestellt 5, Jan 2015 in Energiewende von Tanja Peschel (41 Punkte)
Bearbeitet 5, Jan 2015 von Tanja Peschel

Das Biohotel Eggensberger setzt auf das Rundum-Paket bei den erneuerbaren Energien. Eine Photovoltaik-Anlage, ein Blockheizkraftwerk, Batteriespeicher und eine Solarthermie-Anlage ergänzen sich, damit das Hotel einen möglichst hohen Selbstversorgungsgrad erreicht.

Urlaub ist zur Entspannung da. Schön, wenn dazu dann auch noch ein gutes (Umwelt-)Gewissen kommt. Viele denken aber beim Reisen lieber nicht darüber nach, ob sie sich umweltfreundlich fortbewegen oder ob das Wunschhotel nachhaltig wirtschaftet und zum Beispiel Ökostrom verwendet. Beim Biohotel Eggensberger ist das anders. Hier kann man ruhigen Gewissens mit einer guten Ökobilanz übernachten, denn Gäste des Allgäuer Hotels Eggensberger nehmen quasi an einer Energiewende im Kleinen teil.

Die Betreiber des Hotels setzen bereits seit 1980 auf erneuerbare Energien. Damals wurde zuallererst eine Solarthermie-Anlage auf dem Dach installiert. Die lieferte den Gästen wohlige Wärme – bis sie nach einem Hagelschaden im Jahr 2007 komplett erneuert werden musste. Auf rund 35 m² erwärmen nun Vakuumröhrenkollektoren das Wasser für das hoteleigene Schwimmbad. Von der Solarthermie profitiert aber auch der Rest des Hotels: etwa 40 % des so erwärmten Wassers werden beispielsweise auf den Zimmern eingesetzt.

Solarstrom deckt 40 % des Strombedarfs

Für Fans der erneuerbaren Energien hat das Biohotel aber noch mehr zu bieten. Auf dem Dach befindet sich neben der Solarthermie- auch noch eine Photovoltaik-Anlage mit einer Gesamtleistung von rund 170 kW. „Die erneuerbaren Energien sind uns persönlich wichtig und auch unseren Gästen“, erklärt Hotelbesitzers Andreas Eggensberger. „Es macht außerdem viel Freude, wenn wir mit unseren Gästen im Gespräch Lösungen für die Energiewende diskutieren und in unserem Fall auch zeigen können, anstatt nur über Probleme und vermeintliche Stolpersteine der Energiewende zu reden.“

Der Strom, den diese Anlage produziert, wird aber nicht nur direkt im Hotel verbraucht. Vor Ort wurden auch noch Stromspeicher installiert, die insgesamt 90 kWh Strom aufnehmen können. Damit verfügt das Hotel über die deutschlandweit größte Speicheranlage für Solarenergie in der Hotellerie und kann so knapp 40 % seines Strombedarfs mit Solarstrom decken. Zusätzlich lassen sich mit dem PV-Strom an der (hauseigenen) Solarstrom-Tankstelle Elektroautos (u.a. ein 170 PS starker BMWi3) und eBikes aufladen, die die Gäste des Hotels mieten können. Mit allen diesen Maßnahmen kommt das Hotel Eggensberger auf einen Eigenverbrauchsanteil von 70 %! Doch damit nicht genug: Zusätzlich gibt es noch ein Ausflugsauto, das mit Biogas betrieben wird und ebenfalls vor Ort betankt werden kann.

BHKW fürs Badewasser

Ein Blockheizkraftwerk erhöht den Autarkiegrad des Vier-Sterne-Hotels noch weiter. Das BHKW hat eine elektrische Leistung von 16 kW Strom und eine thermische Leistung von 32 kW. Es läuft ganzjährig, denn der Strom wird immer verbraucht und überschüssige Wärme kann wenn nötig ins Schwimmbad abgegeben werden. Dann hat das Badewasser dort manchmal eine Temperatur von 34 °C, zwei Grad mehr als normalerweise. Rechnerisch stammt das im BHKW eingesetzte Gas aus einer regionalen Biomethananlage in der Region. Dort werden Bioabfälle zu Methan vergoren und ins Erdgasnetz eingespeist. Die Gaslieferung aus wiederverwerteten Bioabfällen haben sich die Hoteliers vertraglich zusichern lassen.

„Biogas aus Lebensmittelabfällen halte ich für wesentlich sinnvoller als Biogas aus Mais. Deshalb bezahlen wir auch einen um 50 Prozent höheren Preis, um hier einen klaren ökologischen Vorteil für die Umwelt zu unterstützen“, erläutert Hotelchef Eggensberger. Das man auf die rechnerische Lösung zurückgreift sei zudem logisch: „Wir unterstützen den Betrieb, der in etwa 30 km Entfernung das Biogas als zu 97 Prozent gereinigtes Methan/ Bio-Erdgas in das Erdgas-Netz einspeist. Es macht ja durchaus Sinn, dass man das vorhandene Erdgas-Netz dazu nutzt. Alternativ müsste man ja das Bio-Erdgas per Tank anliefern“, so Eggensberger.

Ökoführung auf Anfrage

Auch an eine Wärmerückgewinnung aus dem Schwimmbad und den Kühl- und Lüftungsanlagen wurde gedacht. Diese hilft dabei, noch mehr Energie einzusparen. Das schlägt sich auch in der Energiebilanz nieder: pro Gästenacht werden nur 31 kWh Strom verbraucht. Das Hotel war durch seinen geringen Energieverbrauch im letzten Jahr bereits als „eco hotels certified“ qualifiziert. Es setzt mit ungefähr 12,6 kg CO2 pro Übernachtung nur halb so viel CO2 frei, wie ein gewöhnliches 4-Sterne-Hotel und sogar weniger als die durchschnittlich qualifizierten Biohotels, die bei einem CO2-Ausstoß von 14,5 kg pro Übernachtung liegen.

Sollte der Solarstrom nicht mehr ausreichen, um alle Stromverbraucher zu versorgen, werden die Batterien entladen. Diese behalten jedoch stets einen Ladestand von mindestens 50 %, um eine zweistündige Notstromversorgung zu gewährleisten. Sind die Batterien bereits zur Hälfte entladen und wird noch Strom benötigt, bezieht das Hotel Ökostrom (aus Wasserkraft) aus dem Netz. Insgesamt hatte das Hotel Eggensberger im Jahr 2013 einen Strombedarf von 266.800 kWh und erzeugte 103.900 kWh Solarstrom.

Das Hotel bei Füssen bewirbt zwar vorrangig den Status als Therapiezentrum, Wellness- und Biohotel, den nahen Biobauernhof oder angebotene Kräuterwanderungen. Dennoch findet sich auch in der Broschüre zum Hotel der Hinweis, dass der gesamte Betrieb nachhaltig mit Energie versorgt wird – interessierte Gäste können sogar beim Hotelier Andreas Eggensberger eine Führung erfragen, um die „Öko-Technologie“ kennenzulernen.

Für nähere Informationen besuchen Sie gerne die Webseite des Hotels.

Dieser Artikel ist zuerst in der Fachzeitschrift SONNE WIND & WÄRME Ausgabe 9/2014 erschienen.

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