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Erdgas dient keineswegs dem Klimaschutz

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Beantwortet 29, Okt 2014 von Hans-Josef Fell (402 Punkte)
Erdgas gilt in weiten Kreisen immer noch als klimafreundliche Brückentechnologie. Auch die Bundesregierung sieht in Erdgas eine klimaschonende Alternative zur Kohle.
Der Mythos der Klimafreundlichkeit wurde jedoch wissenschaftlich wiederlegt. Fünf internationale Forschungsinstitute haben jetzt nachgewiesen, dass die steigende Verfügbarkeit von Erdgas gesamtwirtschaftlich nicht zu weniger Emissionen führt.

In fünf Energiemarkt-Modellen simulierten die Wissenschaftler die wirtschaftlichen Folgen eines erhöhten Erdgasangebots und kamen zu dem immer gleichen Ergebnis, dass das Erdgas keineswegs dem Klimaschutz dient. Der CO₂-Ausstoß sank maximal um zwei Prozent, die Temperaturen änderten sich kaum. Laut der beteiligten deutschen Forschungsstelle des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) kann Erdgas daher nicht zu einer Verringerung der Erderwärmung beitragen.

Bei der Verbrennung von Erdgas entstehen zwar im direkten Kraftwerksvergleich nur halb so viele Emissionen wie bei der Nutzung von Braunkohle. Dieser Vergleich ist aber irreführend. Drei gegenteilige Effekte führen zu steigenden Emissionen, wenn der Erdgasverbrauch zunimmt. Zum einen verdrängt Erdgas nicht nur klimaschädliche Kohle, sondern auch emissionsarme Erneuerbare Energien. Zum anderen führt billiges Erdgas zu weniger Energieeffizienz und erhöht den Energieverbrauch. Außerdem entstehen zusätzliche Emissionen bei der erhöhten Förderung von Gas, vor allen Dingen durch das Entweichen von Methan durch undichte Leitungen.

Die Konsequenz kann daher nur lauten, das Zeitalter der fossilen Energien nicht künstlich zu verlängern, etwa durch neue kostspielige und umweltschädliche Fördermethoden wie das Fracking oder durch wie letzte Woche von der bayerischen Wirtschaftsministerin Aigner vorgeschlagene Subventionen für alte oder neue Gaskraftwerke. Die Bundesregierung muss daher so schnell wie möglich den Weg zu einer 100% erneuerbaren Energieerzeugung freimachen, so wie es Schweden jetzt im neuen Koalitionsvertrag angeht.
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