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Die Modernisierung deutscher Heizungskeller

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Beantwortet 9, Sep 2014 von Matthias Hüttmann (208 Punkte)
Unverhofft kommt oft
 
Ein Erlebnis mit einem Kollegen hat mir deutlich vor Augen geführt, dass offensichtlich ein typisch menschliches Verhaltensmuster zu dem Dilemma im deutschen Heizungskellern führt. Die Modernisierungsrate ist in einem Allzeit-Tief, wird der Altkessel getauscht kommt es nur selten zu einem Brennstoffwechsel. Das Problem: Der Kesseltausch findet meist in Form einer „erzwungenen Modernisierung“ statt, es bleibt alles beim alten, Solartechnik oder Biomasse bleibt in den allermeisten Fällen außen vor.
 

Cupertino oder Redmond

Seit Jahren schwärme ich im privaten Kreis von meinem Wechsel von Windows hin zu Macintosh. Es hatte Jahre gedauert meinen Entschluss in die Tat umzusetzen, die Angst sich mit der Umstellung zu separieren und künftig nur noch umständlich elektronisch kommunizieren zu können war groß. Zudem war es unklar, welchen Aufwand die Umstellung bedeuten würde und was dazu an Planung im Vorfeld notwendig war. So hatte es einen Anlass bedurft, den Schnitt zu machen. Der Wechsel zur Selbständigkeit war der idealer Zeitpunkt, da sich in diesem Moment das Leben und der ganze Rest, sprich die Arbeitswelt fundamental änderte. Kurzum tat ich den Schritt, welcher mich letztendlich überraschend wenig Aufwand und Zeit kostete und den ich bis heute nicht bereue.

Auch ein Kollege hatte mir gegenüber mehrfach betont, sich ernsthaft mit dem Gedanken zu tragen, beim nächsten Rechnerkauf auch ein Produkt mit angebissenem Apfel erstehen zu wollen. Doch es kam wie so oft ganz anders. Als das alltägliche Werkzeug urplötzlich komplett streikte musste schnell Ersatz her. Wichtige Dokumente waren gefährdet, auch an Zeit für Einarbeitung war im Alltagsstress nicht zu denken. Die ideale Lösung war ein 1:1 Ersatz: Festplatte ausbauen, in ein neues, möglichst identisches Gerät einbauen, schon konnte es wie gewohnt weitergehen.

Ihm wurde klar, dass er zwar immer wieder mal an einen Plan B gedacht hatte, aber auch nicht mehr. Er wollte vielleicht etwas ändern, aber das war immer weit weg, so dass er es stets vermied etwas in diese Richtung auszuarbeiten. Es gab keine Vorab-Überlegungen die im Notfall hätten aus der Schublade gezogen werden können. Es musste eine schnelle, pragmatische Lösung her, da alles andere schwer abzuschätzen gewesen wäre, unwägbar war das neue.

Gas-Brennwert oder solares Heizen

Das Jahr 2013 war für die Hersteller von Heizkesseln ein durchaus erfolgreiches Wärmejahr. So konnten im Vergleich zum Vorjahr rund 6 % mehr Heizgeräte eingebaut werden. Das interessante: Das größte Wachstum gab es bei den Gasgeräten, deutlich dominiert von der Brennwerttechnik. Aber auch Gas-Niedertemperaturkessel sterben nach wie vor nicht aus. Das Wachstum bei Wärmepumpen lag dagegen nur bei einem Prozent. 60.000 neu installierten Wärmepumpen stehen 599.000 neue Wärmeerzeuger gegenüber. Und Erneuerbare Energien spielen bei der Wärmebereitstellung erst recht nur eine untergeordnete Rolle. Betrachtet man den Anteil der jährlichen „Investitionsfälle mit Einkopplung von EE“ wird es sehr deutlich: 2008 wurden 618.500 EUR in Wärmetechnik, die einen Anteil an Erneuerbaren beinhaltete, investiert, deren Anteil betrug 45 % (ca. 280.000). Letztes Jahr lagen diese Gesamtinvestitionen bei 686.500 EUR, der Anteil der Erneuerbaren lag nur noch bei 22 % (ca. 150.000 EUR).

Maßgeblich für die Wechselunwilligkeit ist die besagte „erzwungene Modernisierung“. Meist verabschieden sich Heizkessel zum ungünstigsten Zeitpunkt. Ist es draußen besonders kalt, muss der Kessel seine ganze Leistungsfähigkeit abrufen. Ist er schon in den Jahren, ist das genau der Zeitpunkt für einen unerwarteten Totalausfall. Die Folge: Die Wohnung kühlt rasch ab, schnelle Abhilfe ist von Nöten. Kommt der Heizungsnotdienst zu dem Schluss, dass nun ein Kesseltausch ansteht, muss schnell gehandelt werden. Diese Gelegenheit wird nur in den seltensten Fällen dazu genutzt Tabula rasa zu machen und einen Brennstoffwechsel oder gar den harten Schnitt hin zur solaren Heizung oder einem Biomassekessel zu vollziehen. Es bleibt somit alles beim Alten. Der Niedertemperaturkessel wird durch ein neues Gerät der gleichen Bauart ersetzt, das Brennwertgerät gegen ein moderneres seiner Art ausgetauscht.

Verlorene Chancen

Das hat fatale Folgen. Die Lebensdauer von Heizkesseln verhindert eine Umstellung hin zu Erneuerbaren Energien für mindestens 20 Jahre. Auch wenn durch die Modernisierung eine Heizung mit deutlich niedrigerem Verbrauch eingebaut wurde, ist man in Sachen Wärmewende keinen Schritt vorangekommen, ganz im Gegenteil. Dazu kommt noch, dass eine schleppende Nachfrage nach Erneuerbaren Wärmesystemen die Innovationskraft bremst. Zu geringe Stückraten blockieren die Entwicklung neuer Produkte. Die Zyklen der Weiterentwicklung werden länger, was letztendlich dazu führt, dass die Preise zukunftsweisender Technik meist über denen konventioneller Produkte liegen.

Das Beharren auf Altbewährten zementiert letztendlich Rückständiges. Gerne wird das Handeln auch mit der Äußerung gerechtfertigt, dass man sich ein innovatives Produkt sofort zulegen wird, sobald es ausgereift und fertig entwickelt sei. Ein Teufelskreis den es zu durchbrechen gilt. Viele machen es sich leicht und schieben die Verantwortung auf das Handwerk, den Kaminkehrer oder die Förderpolitik ab. Wer auf ein Mindesthaltbarkeitsdatum oder ein Serviceheft für den Brenner hofft, kann lange warten. Auch ist die Immissionsmessung nicht mit einer TÜV-Plakette auf dem Auto vergleichbar und nicht in Reichweite.

Fazit: Selbst ist der Energiewender, vorausschauend Handeln ist selbstbestimmtes Tun.

Zum Artikel der Sonnenenergie

 

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Beantwortet 28, Okt 2014 von Jürgen Eiselt (128 Punkte)

Warum so skeptisch?

Ich sehe sehr optimistisch in die Zukunft, denn die Parameter haben sich grundlegend verändert. Eine gründliche Analyse der Gründe für die Senkung der Sanierungsquote im Gebäudebestand ergibt:

  1. den Sanierungswilligen fehlen ausreichend Informationen über technische Potentiale, deren Einsparquoten und ein neutrale Wirtschaftlichkeitsvergleich der verschiedenen Maßnahmen
  2. unser Energieberatungssystem ist grottenschlecht
  3. das Potential von regenerativen Energien und deren Einsatzpotential Strom und Wärme gleichzeitig zu erzeugen ist selbst Experten, beispielsweise Energieberatern, nicht bekannt
  4. in den Medien findet die gleichzeitige Dreifacheinsparung durch regenerative Energien von fossilen Brennstoffen, Energiekosten (Strom und Wärme zusammen!) sowie Schadstoffen keine Resonanz
  5. die bisher von nennenswerten Energieeinsparungen ausgeschlossenen Mieter können jetzt Strom und Wärme selbst herstellen und mit Teildämmungen die Einsparungen weiter senken

 

zu a) im Nachhaltigkeitsnetzwerk Energiepreisbremse sind Energieberatungsunternehmen, welche einen umfassenden und neutralen Ansatz haben. Gleichzeitig werden mit einer speziellen Energieberatungssoftware alle wichtigen Einsparmaßnahmen anhand der individuellen Daten ausgerechnet und Einsparungen sowohl in Euro und %, als auch deren Wirtschaftlichkeit berechnet und grafisch dargestellt. Die wichtigsten Maßnahmen in dieser Vergleichssoftware sind:

  1. Außenwandvolldämmung
  2. Balkon- Fassadenkraftwerke mit Speicher
  3. Mini-Blockheizkraftanlagen
  4. Umstieg auf Brennwerttechnik
  5. vertikale Kleinwindkraftanlagen
  6. Nachtspeicheröfen
  7. Photovoltaik Dachanlagen mit Speicher mit Speicher
  8. Pelletheizung
  9. Solarthermie
  10. Wärmepumpe für Warmwassererzeugung und/oder Heizung mit Wärmepufferspeicher
  11. Wärmewellenheizung auf Infrarotwärmebasis
  12. Kombinationen der meisten Komponenten mit regenerativen Energien

Wenn sich schon im Vorfeld einer Energieberatung vor Ort eine bestimmte Maßnahme heraus kristallisiert, konzentriert sich der Energieberater auf eben diese Maßnahme. Das spart wertvolle Beratungszeit und führt in der Regel zu einer Sanierungsentscheidung. Nebenbei bemerkt steigert das die Auftragslage der zertifizierten Energieberater, die dann auch anhand der Entscheidung und exakten Projektbeschreibung die Fördermöglichkeiten vorstellen.

Wichtig: NIEMALS sollte eine Fördermöglichkeit ausschlaggebend für genau diese geförderte Maßnahme sein. In der Beratungssoftware wird keine Fördersumme in der Wirtschaftlichkeit berücksichtigt.

zu b) Stiftung Warentest hat Energieberatungen getestet und verheerende Testurteile vergeben: fast alle Energieberatungen waren oberflächlich, nutzlos und völlig überteuert. Vermutlich wurde nicht eine Sanierungsentscheidung getroffen. Das von unseren Netzwerkpartnern erfolgreich aufgeführte Energieberatungsmodell ist kundenorientieret und auf Erhöhung der Sanierungsquote ausgerichtet.

zu c) wir haben ca. 30 Mio. Wohneinheiten, die potentiell Energie sparen können - ca. 80% aller Gebäude ist älter als 25 Jahr. Mit den Heizungsanlagen sieht es nicht besser aus. Über 90% der Heizungen sind überdimensioniert. Potential ist also reichlich vorhanden.

Bei selbst ungünstigen Grundannahmen und kaufmännisch vorsichtiger Kalkulation ersetzen regenerative Techniken eine Öl-Heizung im Durchschnittshaushalt weit über der 60% - Marke. siehe auch Beispielprognosen

Wohlgemerkt Strom und Heizungswärme zusammen!

Weitere Einsparungen durch Teildämmungen, sinnvolle Kombinationstechniken und nennenswerten Einspartipps sind in den hohen Einsparquoten noch gar nicht berücksichtigt.

zu d) Die beste Werbung ist Empfehlung von zufriedenen Nutzern.

Wie schnell sich die öffentliche Meinung ändern kann und die Medienherrschaft der konservativen Politiker, Konzernvorstände und (halb)-öffentliche Beratungsstellen wie ein Kartenhaus zusammen bricht, zeigt die vor wenigen Jahren verbreitete Meinung: Photovoltaik wird sich niemals rechnen.

Die Ölpreise werden mittelfristig wieder steigen, die alten Heizungen im Bestand fallen reihenweise aus und regenerative Energien werden noch billiger. Die klassische Steinzeitheizung hat längst ausgedient. Die Energiewende beim Heizen ist nicht mehr aufzuhalten!

zu e) wo gab es das denn vorher? Mieter brauchen trotz Minusgrade ihre Heizungen nicht aufdrehen und frieren trotzdem nicht. Mit Balkonkrafwerken und Speicher heizen viele Mieter zum ökologischen Nulltarif!

Die neuen Wärmewellenheizungen haben die 0,75 kW-Grenze pro Gerät durchbrochen! Damit stimmt die alte Gleichung der Thermodynamik 1kW thermische Energie = 1 kW elektrische Energie nur noch, wenn ein Umrechnungsfaktor angewandt wird.

Das bedeutet: mit den extrem niedrigen Stromverbrauchswerten werden gegenüber Elektroheizungen wie Nachtspeicheröfen, weit über 60% Strom eingespart, bei gleicher Heizleistung!

Also nur positive Nachrichten. Es gibt keinen Grund mehr teure und klimaschädliche Heizungen zu betreiben.

Kopf hoch, Ärmel hochkrempeln und loslegen.

Aus der Praxis kann ich bestätigen: es macht auch noch Spaß!

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