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Australien beginnt kontrollierten Ausstieg aus dem Stromnetz

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Eingestellt 13, Apr 2016 in Energiewende von Michael Stöhr (1,180 Punkte)
Bearbeitet 13, Apr 2016 von Michael Stöhr

1 kWp entspricht 1 km. Auf diese grobe Faustformel konnten wir vor 20 Jahren im Projekt "PV for the World Villages" die Antwort auf die Frage herunterbrechen, ab welcher Entfernung vom Stromnetz ein PV-System mit Batterie genausoviel kostet, wie die Stromleitung, die ansonsten zu legen wäre. Die Frage stellte sich im Kontext der ländlichen Elektrifizierung von Ländern des Südens und die Faustformel besagt: Wenn ein Dorf einen Energiebedarf hat, der mit einer PV-Anlage von x kWp sicher bedient werden kann, ist dessen Installation etwa so teuer wie die Installation einer neuen Stromleitung von x km Länge und entsprechender Übertragungskapazität. Interessanterweise passte diese Faustformel für viele Länder und sehr unterschiedliche lokale Energiebedarfe. Als Ergebnis konnte sicher gesagt werden, dass bereits vor 20 Jahren 1-2 Milliarden Menschen günstiger mit PV-Systemen mit Batterie versorgt werden konnten, als durch einen Ausbau des Stromnetzes - die außerdem benötigten Kraftwerke und die in diesen zu verfeuernden Brennstoffe noch gar nicht mit eingerechnet.

Seitdem kostet PV-Strom nur noch ein Zehntel und aktuell sinken die Preise für Lithium-Ionen-Batterien rasant. Zudem sind nun LED-Leuchten verfügbar, deren Strombedarf nur ein Bruchteil der damaligen Leuchten ausmacht. Die Frage stellt sich, ob nicht der Kreis der Menschen, die mit PV-Anlagen + Speicher günstiger mit Strom versorgt werden können als mit dem konventionellen netzgebundenen Energieversorgungssystem, viel größer ist als vor 20 Jahren.

Der Punkt wird in aktuellen Untersuchungen nur schwach beleuchtet. Einige nehmen selbstverständlich an, dass ein Stromnetz immer und überall erforderlich ist. "Räumlicher Ausgleich von Erzeugung und Verbrauch" wird dem "zeitlichen Ausgleich" gegenübergestellt, als ob das eine unbeeinflusst vom anderen wäre. Dem ist aber nicht so. Andere postulieren, dass mit Speichern der Aus- und Umbau des Stromnetzes verzögert, wenn nicht vermieden werden kann. Dies kann belegt werden und ist ein klarer Hinweis darauf, dass es irgendwo ein Optimum zwischen Stromnetz- und Speicherausbau geben muss. Leider fehlen weithin noch eingehendere Berechnungen, wo dieses Optimum liegen könnte.

Solche liegen jetzt für Australien vor. Das ist wenig überraschend, hat doch Australien ein extrem stark dimensioniertes Stromnetz gemessen an der Bevölkerung und dem Stromverbrauch. Entsprechend machen die Netzkosten bis zu 20ct/kWh aus. Dabei ist der größte Teil des australischen Festlands gar nicht an eines der beiden Stromnetze im Osten und Südwesten angeschlossen, sondern wird sowieso schon off-grid, d.h. lokal autark versorgt, meist noch mit Dieselaggregaten. Nun wird in Australien deutlich, dass es schon jetzt für viele Bewohner und Städte günstiger ist, sich lokal mit PV-Strom zu versorgen, der in Batterien gespeichert wird, als länger an das überregionale Stromnetz angeschlossen zu sein.

Um zu verhindern, dass es zu einem unkontrollierten Wechsel hin zur autarken Versorgung einzelner Städte mit lokalen Mikro-Netzen kommt, hat nun das australische Energieberatungsunternehmen Energeia eine Studie vorgestellt, in der vorgeschlagen wird, welche 40 australischen Städte, für die dies eine attraktive Option ist, als erstes vom überregionalen Stromnetz gehen sollten, damit der Netzrückbau dort zuerst beginnt, wo die weitere Instandhaltung des Netzes am teuersten wäre. Die Studie steht nicht isoliert, sondern reiht sich in eine Serie anderer ein, inklusive öffentlicher Feststellungen der beiden großen australischen Netzbetreiber.

Damit zeigt das Beispiel Australien als erstes Flächenland auf, was die Energiewende für das Stromnetz bedeutet: Nicht zwangsläufig einen Ausbau, sondern eher einen Umbau, der durchaus mit größeren Stilllegungen von Stromtrassen einhergeht. In Australien ist mittelfristig das gesamt Netz außerhalb von Städten und Siedlungen betroffen. In Deutschland wird dies sicher nicht so sein, da die Siedlungsdichte erheblich höher ist. Dennoch sollte von der Formel Energiewende = Stromnetzausbau Abstand genommen und die Situation differenzierter betrachtet werden.

http://reneweconomy.com.au/2016/the-40-australian-towns-that-could-and-should-quit-the-grid-93813

   

2 Antworten

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Beantwortet 15, Apr 2016 von Michael Stöhr (1,180 Punkte)
Bearbeitet 16, Apr 2016 von Michael Stöhr

Sehr geehrter Herr Träbing,

wo ist hier der Zusammenhang zwischen Ihren Ausführungen und dem in meinem Beitrag behandelten Sachverhalt (Selbst in einem Industrieland kann es wirtschaftlich vorteilhaft sein, Übertragungsnetzleitungen zu kappen und ganze Städte in Mikronetzen mit Erneuerbaren Energien zu versorgen, da das Übertragungsnetz teurer ist, als die dann zusätzlich erforderlichen Speicher.)? Dass dieser Zusammenhang fehlt, wird nicht dadurch behoben, dass Sie Stichwörter wie "Stromnetz" in Ihre Sätze einstreuen. Insofern missbrauchen Sie meinen Beitrag als Anlass eigene Gedanken zu formulieren, die Sie besser in einem eigenen Beitrag veröffentlicht hätten, nicht verkleidet als Antwort auf meine Worte.

Den Duktus Ihrer Ausführungen finde ich zudem der von mir eröffneten Diskussion abträglich. Schon der erste Satz offenbart ein Verständnis von öffentlicher Debatte, das in einer Demokratie keinen Platz hat, es sei denn als Negativfolie. Es ist keiner Sachdiskussion dienlich. Gesellschaften, in denen allzuviel Sorge bestand, bestimmte Gedanken sollten besser nicht verbreitet werden, haben sich kaum durch herausragende wissenschaftlich-technische Entwicklungen hervorgetan.

Deutliche, ja scharfe Kritik an den Regelungen des in Deutschland bestehenden Energieversorgungssystem und an Vorschlägen zu deren Weiterentwicklung ist zweifellos notwendig und legitim. Dazu ist es aber nicht erforderlich, Ähnlichkeiten mit dem ganzen Gruselkabinett der Geschichte, Hexenverfolgung, SA, SS, Stasi und dergleichen zu unterstellen. Wichtiger wäre es, Kritik exakt auf den Punkt zu bringen und bessere Vorschläge zu unterbreiten. Dass Sie in dieser Weise durchaus etwas beitragen könnten, spricht aus einigen Ihrer Zeilen heraus. Schade, dass Ihre offensichtlich vorhandenen, eigenen positiven Beiträge zur Energiewende nicht in den Vordergrund stellen und genauer beschreiben.

Ich hoffe, Ihr Beitrag bleibt eine Ausnahme und andere werden sich der Frage widmen, die ich angerissen habe: In welchem Umfang sind Stromnetze erforderlich, in welchem Energiespeicher, um je nach Situation eine insgesamt kostengünstige Stromversorgung zu gewährleisten? Und wie entwickelt man am besten ein Stromversorgungssystem weiter, dass bislang ein dichtes Netz, aber kaum Energiespeicher hatte?

Mit sonnigen Grüßen, M. Stöhr

Kommentiert 16, Apr 2016 von Träbing (34 Punkte)
Hallo Herr Stöhr,
Dank für Ihre Antwort mit Ordnungsruf, Minuspunkt und Ermahnung zur Sachdiskussion.

Allerdings dürfen wir „Sachdiskussion“ nicht mit obrigkeitshörigen Scheuklappen auf Technik und Einzel- oder Gruppenrendite beschränken.

Unsere Energiewende erfordert ähnlich grundlegenden Strukturwandel wie die vor zweihundert Jahren begonnene erste Energiewende. In deren Mitte -  zur vorletzten Jahrhundertwende - hatte Kaiser Wilhelm II. in Berlin die „Benzinkutschen“ als vorübergehende Modeerscheinung abgetan. Schließlich musste er – nach seiner arroganten Kriegserklärung vom 1.8.14 - vor den gepanzerten Benzinkutschen ins Exil fliehen und hat Deutschland dem Chaos überlassen. Der politische Umgang mit unserer Energiewende zeigt Ähnlichkeiten.

Ihrer Aufforderung, von der Formel Energiewende = Stromnetzausbau Abstand zu nehmen und die Situation differenzierter zu betrachten, kann ich ausdrücklich zustimmen. Aber wegen differenzierter Betrachtung  bezweifle ich in unserem Industrieland die Erwägungen, „.... Übertragungsnetzleitungen zu kappen und ganze Städte in Mikronetzen mit erneuerbaren Energien zu versorgen“....

Wir sollten die übergeordneten Ideologien erkennen und reformierend hinterfragen, die ich bewusst provozierend als „Elektrizitäts-Glaubensgemeinschaft“ bezeichnet habe.
Statt „Übertragungsleitungen zu kappen“ sollten wir vorrangig auf die Möglichkeit eines fairen Wettbewerbes zwischen Netzausbau und Speichertechnik hinarbeiten.
Ob es dem jedoch dient, wenn „ein Stromversorgungssystem weiter“ „entwickelt“ wird, bezweifle ich. Zum Erfolg unserer Energiewende erscheint mir unerlässlich, das Prinzip des obrigkeitlich versorgenden, also Passivität fordernden „Stromversorgungssystems“ durch die zunehmend „eigenverantwortliche, dezentrale Bedarfsdeckung“ zu ersetzen, also einen konstruktiv-demokratischen Lösungsansatz zu ermöglichen.

Wenn ich Ihr Anliegen richtig einschätze, kann Ihnen dieser Ansatz den Weg ebnen und bedeutsame Hindernisse ausräumen. Wagen Sie doch einfach mal ein paar unvoreingenommene Gedanken in dieser Richtung!

Ihre Anregung, bessere eigene Vorschläge zu unterbreiten und genauer zu beschreiben, greife ich auf und werde mit Fragestellungen in diesem Forum darauf hinweisen.

Ganz neu und unbekannt sind meine Ansätze allerdings nicht. Trotz mehrer unterschiedlicher Vorstöße seit April 2013  schien die Terminwahl der EEG-Reform vom 1.8.2014 wie ein gewolltes Jahrhundert-Jubiläum.  Danach habe ich meine Anregungen am 14.12.2014 als „BadZwesten-EnergiemarktDesign“ ins Grünbuch-Konsultationsverfahren eingebracht. Dort in Berlin schien es wie ein Flexibilitätswunder zu wirken, denn die Veröffentlichung erfolgte mit Datum vom 10.12.14.  Allerdings mit dem Ergebnis exakt entgegengesetzter Ankündigungen im Weißbuch.

Selbstverständlich erfordert unsere Energiewende auch weiterhin das „Bohren dicker Bretter“.
Heute in zehn Tagen jährt sich Tschernobyl (26.4.1986) zum dreißigsten mal! Damals hat der bundesdeutsche Wissenschaftsminister (mit Fliege) stolz behauptet, die Strahlungswolke könne uns nicht erreichen. War dafür der Glaube an den „eisernen Vorhang“  oder die Einflüsterung unserer „Elektrizitäts-Glaubensgemeinschaft“ ursächlich?
Jedenfalls war ich schon acht Jahre zuvor - nach einem Blick hinter die blendende Fassade der Atomkraft-Sicherheit - vom Strahlenschutzbeauftragten auf den Beruf des freiberuflichen Energieberaters umgestiegen und auch Gründungsmitglied des BEE (Bundesverband Erneuerbare Energie).

So habe ich aus Erfahrung – unabhängig von den gestrigen Berichten über vorgetäuschte Kernkraft-Sicherheitsüberprüfungen -  gute Gründe, wenn ich den Blick auf die Ideologien und Strukturen unserer „Elektrizitäts-Glaubensgemeinschaft“ zu lenken versuche.

Mit nachhaltigen Grüßen!
Ernst Träbing
Kommentiert 19, Apr 2016 von Michael Stöhr (1,180 Punkte)
Sehr geehrter Herr Träbing,

ich versuche noch einmal, den Kern des von mir angerissenen Problems genauer zu fassen:

1. In welcher Situation ist welcher Netzausbau beziehungsweise welcher Speichereinsatz volkswirtschaftlich sinnvoll.
2. Wie kann optimal berücksichtigt werden, dass (1) ein Netz bereits besteht, wenn auch nicht optimal für eine Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien ausgelegt, und (2) Speicher rasant günstiger werden.
3. Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen angepasst werden, damit der Übergang zu einem 100% erneuerbaren Energiesystem mit optimalem Verhältnis von Netz- und Speichereinsatz gelingt?

Meines Wissens gibt es bislang auf alle drei Fragen nur Teilantworten. Nicht unwichtig ist dabei, dass eine Diskussion darüber geführt werden muss, was unter "optimal" zu verstehen ist. Für mich gehört unter anderem dazu, dass Bürger ein möglichst großes Maß an Gestaltungsspielraum bei der Wahl ihrer Energieversorgung und der wirtschaftlichen Teilhabe daran geben wird. Zahlreiche Gesetzesänderungen der letzten vier Jahre laufen dem aber zuwider, etwa die Belastung des Eigenverbrauchs erneuerbaren Stroms.

Mit sonnigen Grüßen, M. Stöhr
Kommentiert 21, Apr 2016 von Träbing (34 Punkte)
Hallo Herr Stöhr,
danke für die Fortsetzung des Gedankenaustausches, obwohl wir noch nicht bei der Beurteilung übereinstimmen, was der Kern des Problems ist und wo und mit welchen Maßstäben wir die Lösung finden können.
Ihre Fragestellungen lassen zwar die Unterschiede unserer Denkansätze verdeutlichen, aber erst Ihre Begleitzeilen wecken bei mir Hoffnung  auf die Bereitschaft zu unvoreingenommenen Gedanken.

Zur 1. Frage:
Hier stimmen wir voll überein, dass „Speichereinsatz“ nicht nur wünschenswert, sondern nötig und überfällig ist.
Allerdings fürchte ich, dass Sie bei „Speicher“ den Begriff nur auf „Stromspeicher“ – also chemische Speicher mit doppelter Zusatz-Umwandlung  und entsprechenden Kosten sowie Umwandlungsverlusten - einengen.  
Wir brauchen jedoch kaum die eigentliche Elektrizität, sondern neben Licht- und Informationsenergie insbesondere mechanische Energie, Wärme und Kälte.
Auch in diesen Energieformen ist Speicherung möglich. Dabei ist nicht nur der Speicher je Energiemengen- und -zeiteinheit billiger, sondern es entfallen zugleich die doppelten Umwandlungsverluste der chemischen Zwischenspeicherung.
Weiter ist es hier und jetzt wohl nicht erforderlich, diesen volkswirtschaftlich sinnvollen Ansatz zu vertiefen.

Zur Frage 2:
Das bestehende Stromnetz (dessen Auslegung für EE oder EE-Vollversorgung bisher und gegenwärtig hintertrieben wird) und die rasant fallenden Stromspeicherpreise kann optimal durch Beseitigung der Fesseln und Ermöglichung eines fairen Wettbewerbes berücksichtigt werden.
(Teilweise klingt diese Richtung etwas in Ihrem Begleittext zutreffend an.)

Zur Frage 3:
Für das Gelingen des Überganges „zu einem 100% erneuerbaren Energiesystem“ halte ich die Anpassung einiger „gesetzlicher Rahmenbedingungen“  für völlig aussichtslos, um ein optimales Verhältnis von Netz- und Speichereinsatz zu ermöglichen. Denn mein Verständnis von „Sachlichkeit“ setzt die Akzeptanz naturgesetzlicher Gegebenheiten voraus und schließt deshalb die Möglichkeit der börsenpreisabhängigen, flächendeckend übereinstimmenden Preisbildung aus. Die Energiewende erfordert nicht nur zeitlich flexible Wertänderungen, sondern abweichend von der Kupferplattenfiktion räumliche Wert-Differenzierung und dezentrale Strukturen.  Daher erwarte ich die Selbstverständlichkeit von räumlich differenzierten Energiewert-Nachrichten so selbstverständlich wie die gewohnte TV-Wetterkarte oder den Verkehrs-(stau)-funk.
Trotz Ihrer Abneigung gegen Hinweise auf größere, insbesondere geschichtliche und politische Zusammenhänge und Realitäten muss ich daran erinnern, dass
·    die gesetzliche Gleichschaltung der Energiewirtschaft 1935 auf die Ausschaltung dezentraler Strukturen (damals insbesondere Wasserkraftanlagen in Bürgerhand) gerichtet war,
·     dieses Ziel schnell und konsequent durchgesetzt und erreicht hat,
·    überwiegend in unserem Energiewirtschaftsgesetz als gesetzliche Grundlage  unseres Stromversorgungssystems
·    auch für die EE und die angebliche Energiewende fortbesteht.
Bisher ist mir kein einziges überzeugendes Argument begegnet,
·    hartnäckig an den Prinzipien der Gleichschaltung mit Ausschaltung dezentraler EE festzuhalten, obwohl behauptet wird, man wolle die Energiewende und den EE-Vorrang.
·    Es bleibt mir nur ideologisch erklärbar, dass die  EE-Mindestvergütungen mit irreführender Argumentation  abgeräumt werden, bevor alle Begünstigungen der Fossil-, Atom- und Dampfkesseltechnik konsequent beseitigt sind.
Im EEG (§2, (1) Satz 1,  ist ausdrücklich bestimmt,
·    die EE in das (bestehende) Elektrizitätsversorgungssystem zu integrieren!  
·    Der Satz 2 spricht zwar nebulös irreführend von „Transformation    des  gesamten Energieversorgungssystems“,
·    aber der Gesetzgeber zeigt u.a. mit der von Ihnen erwähnten Belastung des Eigenverbrauches (meine „SA“= „Selbstverbrauchs-Abgabe“) und die Umstellung auf Ausschreibungen,
·    die politische Unterordnung bzw. Überleitung der EE in zentrale Machtstrukturen, bis hin zum Wirtschaftsminister mit der Wahl von Hundebegriffen (kein Welpenschutz) zur EE-Diskriminierung .
 
Zu Ihrem Begleittext:
Als unverbesserlicher Optimist lese ich aus den Begleitzeilen ihre Bereitschaft, evtl. doch ein paar unvoreingenommene Gedanken zu wagen. Ihre Interpretation von „optimal“ mit ausdrücklicher Einbeziehung, „Bürger(n) ein möglichst großes Maß an Gestaltungsspielraum bei der Wahl ihrer Energie(versorgung) und der wirtschaftlichen Teilhabe daran zu geben,“ beinhaltet nach meinem Verständnis den Kern zur Problemlösung.
Denn dazu brauchen die Bürger bei lokaler Kooperation Diskriminierungsfreiheit, wie ich Ihnen mit dem Hinweis auf den „Monopol-Trick“ des Elektrizitätstransportes bereits als flächendeckendes Beispiel verdeutlicht hatte.  

Vor fast drei Jahren bin ich über die Energiewende-Argumentation des damals zuständigen Umweltministers (jetzt Kanzleramtsminister) und des Agora–Leiters (jetzt Energiewende-Staatssekretär) erschrocken, aber die zwischenzeitliche Umsteuerung ist noch schlimmer gekommen.
Damals war ich mit einem Vorschlag zur dezentralen Netzstabilisierung, also zur Lockerung oder Ablösung des Netzbetreiber-Regel-Monopols am 29.4.13 zu einer Agora-Veranstaltung gefahren, um den Einsatz eines Bonus-Malussystems mit physikalischem Wertmaßstab anzuregen. Es ging mir um die überfällige Beschleunigung der Entwicklung der Flexibilisierungswirtschaft.

Am Rande der Veranstaltung hatte ich in getrennten, kurzen Einzel-Gesprächen mit Übergabe einer stichwortartigen Beschreibung den Minister, den Geschäftsführer des BEE und den damaligen energiepolitischen Sprecher des Bundesverbandes der Verbraucherverbände informiert. Damals hoffte ich, den Anstoß zu geben, die Problemlösung der Energiewende werde durch konsequente Dezentralisierung simpel vom Kopf auf die Füße gestellt, ähnlich wie einst Ludwig Erhard  bei Abschaffung der Mangel-Bezugsschein-Zentralwirtschaft das Wirtschaftswunder entfesselt hatte. In dem Kurztext hieß es:
Praktische Auswirkungen positiv:
·    Die Einführung erfordert keinen Ersatz der bisherigen Stromzähler, sondern kann sofort freiwillig modellhaft beginnen und in wenigen Jahren  abgeschlossen werden.
·    Die Wirkung ist selbstoptimierend und in der Summe kostenneutral.
·    Der Ausbau der Photovoltaik geht weiter, aber erfolgt nicht mengenmaximierend, sondern bedarfsorientiert. Nicht mehr auf Süddächern, sondern auf Ost- und Westdächern. Davon gibt es die doppelte Menge.
·    Mitwirkende Betreiber von Wasserkraft, Biogas und KWK können sich freiwillig aus der Umlagebezuschussung verabschieden, wenn sie über den Flexibilisierungsbonus mit Leistungssteigerung wirtschaftlich erfolgreicher sind.
·    Flexible Haushalte (z.B. Rentner, Arbeitslose) können sich finanziell entlasten, z.B. wenn sie mittags kochen statt abends. Jedes Kühlgerät wird zum effizienten, kostengünstigen Energiespeicher.
·    Gesellschaftspolitisch entfällt das Super-Stasi-Risiko, das bisher vorgeschlagene Fernüberwachungs-Strukturen haben.

Damals schien mir für jeden Fachmann selbstverständlich oder zumindest einsichtig , dass die zentrale Börsenpreisbildung ungeeignet ist, um die unvermeidbare, wetterbedingte räumliche Differenzierung in Echtzeit-Steuerung umzusetzen.
Die Umstellung des - von der lagerfähigen Kohle übernommen -  Mengenmaßstabes,  auf Bewertung der Einspeisung und den Bezug der Elektrizität entsprechend den Sollwert-Abweichungen der Netzzustände innerhalb der Toleranzgrenzen halte ich für ein simples Verfahren.

Seither beobachte ich mit Interesse den vielstimmigen Chor unserer Energiewende-Wissenschaftsindustrie. Mit wachsender Skepsis und versuche ich  aus unterschiedlichsten Signalen auf die Ursachen der übereinstimmenden Problemlösungsverweigerung zu schließen:
Das Milliardengeschäft der Smartmeter-Ideologie reicht mir als Erklärung nicht aus, obwohl die ständigen Zusatz-Umsätze im Wettlauf mit Hackern lukrative Dauer-Geschäfte versprechen.  
Manchmal fürchte ich jedoch, es geht
·    sowohl um die kontinuierliche Möglichkeit zur Überwachung jedes Individuums  bis in die letzte Kammer,
·    als auch um die Möglichkeit, unsere Volkswirtschaft durch schlagartige Unterbrechung mit minimalen Schäden unter fremde Kontrolle bringen zu können, oder zumindest zu erpressen.

Das mag auf den ersten Blick nach Verschwörungstheorie klingen, aber die Datenschutzskandale haben bisher regelmäßig die  Befürchtungen übertroffen.
In der Öffentlichkeit ist die deutsche Energiewende mit Stimmungsmache bereits so erfolgreich gescheitert worden, dass uns das Ergebnis der Landtagswahlen  eine starke neue Bundestagsfraktion der Energiewendegegner und Atombefürworter signalisiert. Die Altparteien werden dann jeden weiteren Schritt in die falsche Richtung scheinheilig mit Hinweis auf die neue Alternative begründen können.
Vor diesem Hintergrund kann ein deutscher Energiewendeerfolg wohl nur als Reimport gelingen.  

Wenn Sie es wagen, derart über die vermeintlich vorgegebenen Sachlichkeits-Grenzen nachzudenken, bieten sich Ihrem Unternehmen jedenfalls überraschende Möglichkeiten:
Sie können  die Grenzen unserer „Elektrizitäts-Glaubensgemeinschaft“ ebenso überwinden, wie Columbus die Grenzen der „Erdscheiben-Glaubensgemeinschaft“ widerlegt und unser Weltbild grundlegend gerundet hat.

Mit nachhaltigen Grüßen
Ernst Träbing, ernst.traebing@t-online. de
–1 Punkt
Beantwortet 14, Apr 2016 von Träbing (34 Punkte)

Die Verbreitung dieser Gedanken von der anderen Erdkugelseite ist brisant. Sie lassen sich nur leugnen oder bestreiten, aber nicht wieder einfangen. Unsere Netzkosten von 6 bis 8 ct/kWh erscheinen zwar niedriger als die aus Australien berichteten 20 ct/kWh, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Hier erhält eine Betreibergemeinschaft für Stromeinspeisung aus Erdgas-KWK 3,8 ct/kWh und zahlt bei Bezug 26,8 ct/kWh, also bei Nutzung des öffentlichen Netzes einen Aufschlag von 23 ct/kWh. Diese Differenz wird weiter ansteigen, denn die planwirtschaftlichen Festsetzungen der Netznutzungskosten haben die EEG-Umlage als Preistreiber längst abgelöst. Unsere gutgläubigen Energiewende-Bürger werden in unserer „Elektrizitäts-Glaubensgemeinschaft“ schlimmer abgezockt als vor einem halben Jahrtausend die Gläubigen durch den Ablasshandel. Unsere Ökostrom-Eigennutzer werden zwar nicht mit dem Scheiterhaufen bedroht, aber mit SS (Sonnen-Steuer) bzw. SA (Selbstverbrauchs-Abgabe) verfolgt und bestraft. Die Obrigkeitsgläubigkeit aus der „Gleichschaltung der Energiewirtschaft“ (1935) ist seit Gestapo- und Stasi-Kontrolle nahtlos im Energiebereich auf die Bundesnetzagentur übergegangen. Unsere Energiewende ist nicht zu retten, es sei denn wir entfesseln sie. Dazu können wir das System auf allen Ebenen verdeutlichen: Unsere „Netze“ dienen nicht der Verbindung und der Energiewende, sondern der Täuschung und Abzocke der Stromkunden. Die Aufdeckung des politischen Machtmissbrauches kann die Probleme lösen oder steigern, bis zur lokalen oder sogar überregionalen Infragestellung der Netze. Bisher werden die Menschen abgelenkt und mit Taschenspielertricks getäuscht: Uns wurde „fairer Wettbewerb durch Liberalisierung“ versprochen. Dazu wurden die Monopol-Energieversorger in Stromhandel und Netzbetrieb aufgespalten, wie wir es zwischen Möbelhandel und Speditionen zu kennen glaubten. Aber die Machtstrukturen haben nur in rechte und linke Tasche getrennt. Sie täuschen uns, kooperieren und steuern anonym über Großverbünde, auch die kommunalen Unternehmen. Wenn die Kommunalpolitik weiterhin Speditions-Monopole für Elektrizitäts-Transport vergibt, klingt das harmlos. Der Mini-Obulus der Konzessionsabgabe geht in die kommunale Kasse und ist je Kilowattstunde gesetzlich streng begrenzt. Wenn wir uns jedoch die Wirkungsweise aus dem Bereich des unsichtbaren Elektrizitätstransportes mit dem sichtbaren Möbeltransport verdeutlichen, wird der Monopol-Trick schon bei einem Umzug auf die gegenüberliegende Straßenseite kostenwirksam und durchschaubar: Dann dürfen wir unsere Möbel nicht selbst rüberbringen, sondern müssen sie zunächst an die „Speditionsabteilung“ des Monopolisten als Sperrmüll „verkaufen“ und müssen auf der anderen Straßenseite beim „Möbelhändler“ unseren identischen Bedarf zum Neuwert erwerben. Ein Umzug ist selten, aber beim Strom erfolgt der Monopolmissbrauch zu jeder Tag- und Nachtstunde! Darum reicht es nicht, das Problem auf die Fragestellung des Optimums zwischen Speicher- und Stromnetzausbau zu begrenzen. Erforderlich ist der Einstieg in den grundlegenden Strukturwandel wie zur Zeit der ersten Energiewende mit der Entstehung der Mobilitätswirtschaft. So wie damals die Vorteile mit dem Geschwindigkeitsmaßstab (km/h aus Entfernung und Zeit) vergleichbar wurden, brauchen wir jetzt den Elektrizitäts-Wertmaßstab aus Energiemenge und Netzdienlichkeit für den Wettbewerb und Erfolg unserer künftigen Flexibilitätswirtschaft. Das Problem wird weiter verschärft, sobald in wenigen Jahren die der ersten EEG-Vergütungs- Laufzeiten auslaufen und die einstigen Energiewende-Pioniere verspottet aufgeben müssen. Es sei denn, sie beginnen schon jetzt nachbarschaftliche Kooperationen zur gemeinsamen Eigen-Nutzung. Ebenso wichtig ist die Verdeutlichung, Lockerung und Sprengung der lokalen Konzessionsfesseln, auch mit Hinweis auf die aktuelle parteipolitische Glaubwürdigkeitskrise. Jedes Kommunalparlament kann das Ende des Konzessionsvertrages zum Umsteuern nutzen, auch gegenüber dem kommunalen Energieversorger. In unserer Gemeinde Bad Zwesten hatten wir nach vierjähriger Verhandlung zum 1.1.1994 ein „Zwerge-Modell“ mit dem Netzbetreiber vereinbart. Der Strom-Transport durchs öffentliche Netz wurde gegen Nutzungsgebühr – ohne Energiever- und rückkauf – ermöglichte. Die „neue energie“ hat mit Ausgabe 8/99, Seite 76-77 darüber berichtet. Das Modell wurde nach zwölf Jahren politisch und mit korruptionsartigen Zahlungen geschlachtet. Trotzdem lässt sich der Wandel nicht dauerhaft verhindern. Die Bundespolitik lässt leider keinerlei Hoffnung auf Erfolg der Energiewende, aber sobald radikale Parteien das Potential des Themas erkennen, kann es explosiv wirken. Besser wäre es, wenn überall Energieberater, Handwerker und sonstige Akteure den Wandel lokal über kostensenkende, dezentrale Bedarfsdeckung einleiten. Dipl.-Ing. Ernst Träbing, Beratung für sozialverträgliche Energienutzung, 34596 Bad Zwesten, Mühlenweg 3, Tel.: 06693/581 Fax: 06693/8748 email: Ernst.Traebing@t-online.de

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