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Eine Umstellung auf 100% Erneuerbare Energien in den USA kann 2 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen

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Eingestellt 2, Jul 2015 in Energiewende von Hans-Josef Fell (402 Punkte)

Zu diesem Ergebnis kommt eine vor kurzem erschienene Studie unter der Leitung von Mark Z. Jacobson, Professor an der Stanford Universität und Mitglied im Wissenschaftlernetzwerk der Energy Watch Group.

Die Studie mit dem Titel „100% clean and renewable wind, water, and sunlight (WWS) all-sector energy roadmaps for the 50 United States“ untersucht Erneuerbare-Energie-Szenarien für alle 50 US Bundesstaaten. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass die Umstellung unter kleineren Vorbehalten technisch machbar und wirtschaftlich empfehlenswert ist. So würde eine Umstellung nahezu alle Umweltverschmutzung durch Energie und die dadurch entstehenden Kosten beseitigen. Zudem können in etwa 2 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen und der Energiepreis stabilisiert werden.

Noch nie vorher wurden die zusätzlichen Vorteile einer Umstellung auf 100% Erneuerbare Energien in den USA für alle 50 Bundesstaaten errechnet. Die Studie zeigt auf, dass dieser Schritt nicht nur im Sinne des Klimawandels sinnvoll ist, sondern eine ganze Reihe weitere Vorzüge mit sich bringt. So hoffen die Autoren, dass die neue Studie soziale und politische Barrieren abbaut, die der Realisierung einer zukunftsgerichteten Energiepolitik mit dem Ziel 100% Erneuerbare Energien im Weg stehen.

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Fig. 1 Spacing and footprint areas required from Table 2 for annual power load, beyond existing 2013 resources, to repower the U.S. state-by-state for all purposes in 2050. The dots do not indicate the actual location of energy farms. For wind, the small dot in the middle is footprint on the ground or water (not to scale) and the green or blue is space between turbines that can be used for multiple purposes. For others, footprint and spacing areas are mostly the same (except tidal and wave, where only spacing is shown). For rooftop PV, the dot represents the rooftop area needed.


   

1 Antwort

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Beantwortet 2, Jul 2015 von Michael Stöhr (1,180 Punkte)

Hallo Hans-Josef,

wir müssen bei einer Studie wie dieser noch einem Einwand begegnen, der von Ökonomen an dieser Stelle in aller Regel erhoben wird: Die Arbeitsplätze entstünden nur, weil Energie aus erneuerbaren Quellen eben teurer wäre, also mehr Personaleinsatz erfordere, und darum stünde in anderen Wirtschaftsbereichen weniger Geld zur Verfügung, was dort zum Abbau von Arbeitsplätzen führe. In der Tat entstehen viele Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien zur Zeit, weil aktuell ein globaler Umbau der Energieversorgung stattfindet, was mit vielen Investitionen einhergeht. Was aber ist, wenn wir 100% erneuerbare Energieversorgung erreicht haben und nur noch Ersatzinvestitionen getätigt werden müssen, die dann zudem sehr billig sein werden? Müssen dann nicht wieder die meisten Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien abgebaut werden? Ziemlich sicher ja, aber unter dem Strich entstehen wahrscheinlich auch dauerhaft mehr Arbeitsplätze, wenn die Energieversorgung auf erneuerbaren Quellen basiert. Hierzu ist es hilfreich, einen genaueren Blick auf die Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur zu werfen, die der Umstieg auf erneuerbare Energien bringen kann und zumindest teilweise auch bringt:

- Die Energieversorgungsanlagen werden im Schnitt deutlich kleiner sein als heute, im Stromsektor räumlich sehr viel mehr verteilt (im Wärme- und Transportsektor sind sie es heute schon), und in der Hand einer sehr viel größeren Zahl an Akteuren liegen als heute.

- Arbeitsplätze entstehen dabei räumlich stärker verteilt, in einer größeren Zahl von im Schnitt kleineren Unternehmen (Handwerksunternehmen, landwirtschaftliche Betriebe, KMU) als heute, wovon die meisten nicht unter dem Druck stehen, eine Eigenkapitalverzinsung von etwa 15% im Schitt ihrer Investitionen zu erzielen, wie z.B. börsennotierte Energieversorger (eine wunderschöne Steilvorlage bietet hier die Presseerklärung von EDF zur Gewährung der Subvention für das geplante Atomkraftwerk Hinkley Point C durch die britische Regierung; die erwartete Rendite wird dort ganz ungeniert genannt, die Subvention damit begründet). Die resultierende im Schnitt geringere Eigenkapitalverzinsung senkt die Kapitalkosten.

- Die in absehbarer Zeit deutlich geringeren Energiegestehungskosten für Energie aus erneuerbaren Quellen im Vergleich zu konventionellen, sind zu einem großen Teil auf die geringeren Kapitalkosten zurückzuführen, die aus der im Schnitt geringeren Eigenkapitalverzinsung resultieren, und natürlich auch auf die rapide sinkenden Produktionskosten, die dank besserer Produktionsverfahren und auf Grund von Skaleneffekten möglich sind.

- Beide Gründe für die sinkenden Energiegestehungskosten führen aber auch zu weniger Arbeitsplätzen: (1) Es steht weniger Geld aus Kapitaleinkommen zur Verfügung, das ausgegeben werden und in anderen Wirtschaftsbereichen Arbeitsplätze schaffen kann, und (2) die geringeren Produktionskosten für Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien gehen auch mit weniger Personaleinsatz einher.

- Einkommen aus Arbeit und Kapital, und in der Folge Wohlstand, verteilen sich aber gleichmäßiger und auf eine viel größere Zahl an Akteuren. Einkommen aus Arbeit wächst, Einkommen aus Kapital sinkt. Die Wahrscheinlichkeit, dass dabei Menschen, die aktuell nicht berufstätig sind und nicht sein können, eine Tätigkeit aufnehmen, wächst - und damit die Wahrscheinlichkeit, dass erneuerbare Energien tatsächlich dauerhaft mehr Arbeitsplätze schaffen.

Mit sonnigen Grüßen, Michael

Kommentiert 2, Jul 2015 von Michael Stöhr (1,180 Punkte)
P.S.: Prof. Thomas Johansson, Herausgeber des Standardwerks "Renewable Energy" von 1992 (http://www.amazon.com/Renewable-Energy-Sources-Fuels-Electricity/dp/1559631384) formulierte es in einem  Vortrag einmal kurz und knapp so: Rechnet man eine Volkwirtschaft komplett durch, entstehen letztendlich alle Kosten durch Arbeit. Erneuerbare Energien bringen am Ende nicht mehr Arbeitsplätze als konventionelle, aber sie bringen sie in der Fläche. Ich denke, das kann nun leicht zum positiven Ende der Botschaft hin korrigiert werden: Wie ich versuchte zu plausibilisieren und wie es verschiedene Studien zeigen, die den Arbeitsplatzabbau in anderen Wirtschaftssektoren mit berücksichtigen, entstehen beim Umstieg auf Erneuerbare Energien netto einige Arbeitsplätze mehr.
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