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Steigende EEG-Umlage und "explodierende Strompreise": Ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich

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Eingestellt 9, Okt 2012 in Energiewende von Anonym

Steigende EEG-Umlage und "explodierende Strompreise": Ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich

   

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Beantwortet 9, Okt 2012 von Stefan Preiß (100 Punkte)

Wenige Tage vor Veröffentlichung der EEG-Umlage für das kommende Jahr verdichten sich die Anzeichen, dass der Umlagesatz im kommenden Jahr auf über 5 Cent/kWh steigen dürfte. Die jüngsten Zahlen der Übertragungsnetzbetreiber zum Umlagekonto zeigen, dass die Ausgaben für Vergütungs- und Prämienzahlungen allein im September 817 Mio. € höher waren als die Einnahmen, die über die Vermarktung von Erneuerbaren-Strom und die Zahlungen der EEG-Umlage auf das Konto geflossen sind. Mittlerweile beläuft sich die Unterdeckung des EEG-Umlagekontos auf 2,69 Mrd. €. Es ist zwar damit zu rechnen, dass sich diese Bilanz in den abschließenden Monaten des Jahres 2012 nicht weiter verschlechtern wird und ein Teil des Defizits kompensiert werden kann. Eine komplette Deckung des Defizits ist gleichwohl nicht realistisch. Die Diskussion über die Kosten der Energiewende ist bereits wieder voll im Gange und dürfte nach Bekanntgabe der offiziellen Zahlen zur EEG-Umlage 2013 weiter an Dynamik gewinnen. In den wirtschaftsnahen Kreisen der Regierungskoalition wird ein deutlicher Anstieg der Umlage als Bestätigung der Kritik am EEG und „explodierenden“ Kosten der Energiewende gewertet werden. Der Druck auf grundlegende Reformen beim EEG dürfte damit einmal mehr zunehmen, wenngleich Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) bislang unter Verweis auf die komplexe Materie und die Vielzahl der zu beachtenden Wechselwirkungen eine sorgfältige und langfristige Vorbereitung einer solchen Reform anmahnt. Tatsächlich sind einfache Antworten auf die Herausforderungen der Energiewende nicht zu geben. Das zeigt bereits der Blick auf die Strompreise. Richtig ist zwar, dass die Unterdeckung auf dem EEG-Umlagekonto besteht und ein Anstieg der EEG-Umlage im bestehenden System erforderlich ist, um eine Erhöhung des Defizits zu vermeiden und den Fehlbetrag auszugleichen. Richtig ist auch, dass dies aller Voraussicht nach zu Steigerungen der Haushaltsstrompreise führen dürfte, da die Versorger die höheren Kosten in der Regel an die Verbraucher weitergeben werden. Richtig ist aber auch, dass schon die Diskussion über „den“ Strompreis in die Irre führt. Tatsächlich haben die Strompreise an den Großhandelsbörsen seit geraumer Zeit eine entgegen gesetzte Richtung eingeschlagen als die Strompreise für Haushaltskunden. Für den Oktober 2012 berichtet die Strombörse EPEX Spot über einen durchschnittlichen Preis in Höhe von 44,67 €/MWh für am Spotmarkt gehandelten Strom. Im Oktober des Vorjahrs kostete die Megawattstunde Strom an der EPEX Spot noch 52,64 € (http://www.euwid-energie.de/news/neue-energien/einzelansicht/Artikel/strompreise-im-grosshandel-15-prozent-guenstiger-als-vor-einem-jahr.html). Demnach zeigt sich im börslichen Handel eine Preissenkung von 15 Prozent oder rund 0,8 ct/kWh. Auch an den Terminbörsen sind die Preise für Strom im laufenden Jahr deutlich gesunken. Grund sind nicht zuletzt steigende Strommengen aus erneuerbaren Energien, die - insbesondere im Falle der Solarenergie – die Strompreise im Großhandel gerade zur Mittagszeit drücken. Damit sinken die Beschaffungskosten auf Seiten der Versorger. Inwieweit diese gesunkenen Beschaffungskosten in der Preiskalkulation der Versorger wirksam werden und dann einen dämpfenden Effekt auf die Strompreise ausüben, steht auf einem anderen Blatt. Vielfach werden in der zumeist als reine Kostendebatte geführten Diskussion über die Energiewende auch die Gefahren für die Industrie betont, wenn die Strompreise, die im europaweiten Vergleich ohnehin eine Spitzenposition einnehmen, weiter steigen. Die Sorgen sind nicht unberechtigt, auch hier lohnt sich indes ein zweiter Blick. Denn auch in diesem Fall ist es ratsam, von Verallgemeinerungen abzusehen, da es „die“ Industrie im vorliegenden Kontext nicht gibt. Zunächst ist festzuhalten, dass die energieintensivsten Wirtschaftszweige von der Zahlung der EEG-Umlage weitestgehend befreit sind. Auf sie entfallen rund 18 Prozent des Stromverbrauchs, ihr Anteil an der EEG-Umlage beläuft sich aber auf nur rund 1 Prozent. Ein Anstieg der EEG-Umlage betrifft den Großteil dieser Unternehmen demnach nur in überschaubarem Umfang. Hinzu kommt, dass viele industrielle Stromverbraucher und Sondervertragskunden Strompreise zahlen, die an die Börsenpreise gekoppelt sind. Damit kommen sie unmittelbar in den Genuss der gesunkenen Großhandelspreise. Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) ermittelt seit Jahren einen Strompreisindex, der die Entwicklung der Industriestrompreise für Kunden im Mittelspannungsbereich abbildet. Für den Oktober 2012 weist der VIK-Index einen Wert von 153,06 Punkten auf. Innerhalb der vergangenen 10 Jahre hat sich der Industriestrom damit um rund 50 Prozent gestiegen. Das entspricht einem jährlichen Strompreisanstieg um rund 4,3 Prozent. Schaut man sich die Entwicklung des VIK-Preisindexes genauer an, dann zeigt sich, dass er massiven Schwankungen unterliegt. So stieg der Index von 2005 bis 2006 steil auf knapp 185 Punkte an, sank dann wieder auf 148 Punkte im Mai 2007, bevor er Mitte des Jahres 2008 auf einen historischen Höchstwert von 236,49 Punkten zulegte. Von diesem Höchsstand erholte sich der Index zügig und erreichte Anfang 2009 einen Wert von rund 150 Punkten. Etwa auf diesem Niveau bewegt sich der Index mit einem Ausreißer nach Bekanntgabe des Atomausstiegs als Folge der Fukushima-Katastrophe bis heute. Bemerkenswert an der Entwicklung des VIK-Strompreisindexes ist es, dass die stärksten Ausschläge und die höchsten Werte in die Zeit „vor“ der Energiewende stattgefunden haben. In der Zeit der höchsten Ausschläge im Jahr 2008 lag die EEG-Umlage bei 1,12 ct/kWh.

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