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Verspielt die Politik die Lebensgrundlagen nachfolgender Generationen?

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Eingestellt 8 Jul in Energiewende von Jürgen Eiselt (128 Punkte)

Gerade bei der ökonomischen und ökologischen Zukunftsausrichtung zeigt die aktuell herrschende Koalition aus CDU/CSU und SPD keinerlei Anzeichen, die sich abzeichnende ökologische und ökonomische Katastrophe wirksam zu verhindern

Es darf zu Recht bezweifelt werden, ob die Bundesregierung die Dimension der dramatischen Lage überhaupt verstanden hat. Selbst gesteckte Klimaschutzziele ignoriert die Bundesregierung konsequent und verliert somit auch das letzte Vertrauen in der Bevölkerung. Neue Ziele sind schwammig und werden durch gar keine Maßnahmen oder Pläne auch nur ansatzweise gerechtfertigt.

Fast alle Jahre seit dem Jahr 2000 wurden als die wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung registriert. Wissenschaftlich ist belegt, dass in der Erdgeschichte der CO2-Anstieg und die Temperaturentwicklung fast die gleichen statistischen Auswirkungen im gleichen Zeitraum aufweisen. Dies wird als signifikant gesichert bezeichnet.

Die schon vor 2000 von vielen unabhängigen Wissenschaftler vorhergesagten Hitzewellen, aber auch Hochwasserereignisse, sind viel öfter und heftiger eingetreten, als vorhergesagt. Das Gleiche gilt für die Gletscherabschmelzung.

Hiervon ist der Rhein in besonderem Maße betroffen. Es ist zu befürchten, dass in relativ naher Zukunft nicht mehr genügend Wasser über die Kante der Wasserfälle in Schaffhausen am Bodensee abfließt.

Das hat verheerende Folgen. Zunächst bricht das ökologische Gleichgewicht im Rhein und an den Ufern komplett zusammen. Wesentlich heftiger und anschaulicher sind aber die ökonomischen Folgen.

Atom- und Kohlekraftwerke an den Ufern aller Flüsse müssen ihre Leistung runterfahren oder gar abschalten, da das wenige Kühlwasser schnell zu warm wird. Zudem kann die Rheinschifffahrt durch extremes Niedrigwasser weniger Fracht fördern, besonders den Kohlenachschub.

Bei noch schlimmeren Sommer wie 2003 und 2006 droht nicht nur der Zusammenbruch der Schifffahrt, sondern gefährdet auch die Nahrungsmittelversorgung und systemrelevante Wirtschaftsbranchen. Zudem ist das ökologische Gleichgewicht auch an Land in Gefahr, da sich die Vegetation um 14 Tage oder mehr bereits heute schon verschiebt.

Im Huni 2018 verdorren Mais und Getreide auf unseren Feldern. Heuernten im Juni hat es in solchem Umfang wie 2018 noch nie gegeben.

Durch den massiven Einsatz von Pestiziden und anderen Ultragiften sterben nicht nur Insekten. Auch alle Mikroorganismen und deren abhängige Tiere und Pflanzen verlieren ihre Lebensgrundlagen. Ein stummer Frühling ist möglich und alles andere als pure Fantasie.

Doch das ist noch nicht alles. Der Boden wird stark verdichtet, so dass Starkregen nicht mehr versickert, sondern in Sturzbächen nach unten strömt, u.a. durch Dorfstraßen, die noch niemals solche Wassermassen gesehen haben. Natürlich wird auch der einst fruchtbare Boden für immer weggeschwemmt.

Ökostromgewinnung wird von der Bundesregierung extrem blockiert. Potentielle Flächen für Windkraft oder Sonnenenergie streicht die Bundesregierung durch unsinnige Anordnungen. Die sogar im Koalitionsvertrag vorgesehene Sonderausschreibung für Photovoltaik wird nicht kommen. Denn es steht hierfür kein Euro im Haushaltsplan.

Das ca. 70.000 Arbeitsplätze in den erneuerbaren Energien durch die Blockade für immer verloren gegangen sind spielt offensichtlich keine Rolle. Die sterbende Kohleindustrie mit noch nicht einmal 1/3 der 70.000 verlorenen Arbeitsplätze hält die Bundesregierung aber künstlich am Leben.

Was soll eigentlich noch diese unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagenden Kohlekommission tatsächlich beschließen?

Die extrem ungerechte Unternehmens-Befreiung von der EEG-Umlage muss genauso abgeschafft werden wie die Tatsache, dass ALLE Stromkunden die Gewinne dieser Unternehmen, unter anderem der Braunkohletageabbau, von allen Energienutzern mit der Stromrechnung subventionieren.

Wo leben wir denn?

Sozial verträgliche Lösungen sind längst von verschiedenen Forschungsinstituten erarbeitet worden. Ein Gesetzentwurf hierzu hat BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN im Bundestag ausgearbeitet. Dieses Konzept ist durchdacht, finanzierbar, sozial verträglich und betrachtet viele gesellschaftliche und energiepolitische Aspekte. Besonders die Chance kommender Generationen auf eine weiterhin lebenswerte Umwelt ist der bemerkenswerte Ansatz für einen echten Klimaschutz.

Extrem wichtig ist es, unsinnige Beschränkungen bei der Ökostromerzeugung aufzuheben. Niemand versteht, warum selbst erzeugter und verbrauchter Sonnenstrom auch noch mit der EEG-Umlage belastet wird. Die wirklich sehr tief angesetzte Grenze von 10 kWp soll jetzt zwar durch EU-Vorgaben auf 30 kWp erweitert werden. Doch es kann zwei Jahre dauern, bis die europäischen Staaten dies in nationales Recht umsetzen.

Wir wissen aufgrund leidiger Erfahrungen aus dem Dieselskandal, dass die nun nicht mehr so große Koalition noch nicht einmal gerichtliche Urteile dazu bewegt, geltendes Recht nach mehreren Jahren umzusetzen.

Unternehmen warten auf eine komplette Abschaffung der EEG-Belastung. Es gab schon einige innovative Startups, welche fertige Pilotanlagen (beispielsweise ein Druckluftspeicherprojekt) nur deshalb nicht wirtschaftlich betreiben können, da bei JEDEM Umwandlungsprozess erneut EEG-Umlage anfällt.

Warum überhaupt Erzeugungs- und Speicheranlagen innerhalb der erneuerbaren Energien mit EEG-Umlage belastet werden, bleibt wohl ein Geheimnis der zuständigen Minister.

Die Zukunft des EEG, und besonders der bereits installierten Photovoltaikanlagen, ist mehr als offen. Denn nach Ende vom 20-jährigen Förderungszeitraum, liegen keine Anschlussbestimmungen oder Pläne der Bundesregierung vor.

Ebenfalls keinen einigermaßen nachvollziehbaren Plan, und erst recht kein Geld im Haushalt, gibt es bei energetischen Sanierungen im Wohnungsbestand. Über 70 % der ca. 19. Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser sind älter als 25 Jahre und mit ihnen die Heizungen im Keller. Die Bundesregierung plante diese Hausbesitzer mit Steuerentlastungen zu mehr Sanierungen zu bewegen. Doch auch hier steht eine NULL im Haushaltsentwurf. Es hätte aber vermutlich sowieso, wenn überhaupt, nur eine winzige Wirkung erzielt.

Doch die Heizungsbesitzer sind zu Recht skeptisch, ob sich die aktuell massiv beworbenen Energiesparmaßnahmen „Umstieg auf Brennwerttechnik“ oder „Außenwandvolldämmung“ überhaupt rechnen oder Gesundheitsgefahren drohen.

Auch die Preisparität wird mit den wenig effektiven Einsparmaßnahmen nach wenigen Jahren erreicht. Preisparität ist der Zeitpunkt, wo Investoren nach klassischen Energieeinsparmaßnahmen (nur auf fossile Brennstoffe bezogen) mehr für Strom und Wärme bezahlen, als vor der „energetischen Sanierung“. Das gilt auch für fast alle Liegenschaftsverwalter in gewerblichen, öffentlichen, sozialen und religiösen Gebäuden.

In Fachbüchern, Videos, TV-Berichte, Vorträgen und entsprechende Fachseiten im Internet werden erneuerbare Lösungen beschrieben, wo durch erneuerbare Energien trotz doppelter Investitionssumme nur die Hälfte der sonst üblichen Amortisationszeiten anfallen.

Diese Techniken liefert die Industrie bereits. Besonders wirtschaftlich sind ausgereifte CO2-freie Heizungen (Solarthermie / Luftwärmepumpen) als Kombinationsanlage - in Verbindung mit Photovoltaik / Stromspeicher, Wärmespeicher und hochintelligenter Steuerung.

Auch hier scheint die Bundesregierung absolut ahnungslos zu sein. Egal ob bewusst oder fahrlässig, aktuelle Fördermaßnahmen konzentrieren sich immer noch auf die Reduzierung von Öl/Gas bei bestehenden Heizungsanlagen.

Es stellt sich zu Recht die Frage:

warum nur 20 % oder 30 % Öl/Gas einsparen (und Null Watt Strom), wenn erneuerbare Heizungen sofort 100 % CO2 für immer reduzieren und GLEICHZEITIG mehr als 60 % Hausstrom (inklusive Winterzusatzenergie für die Heizungsanlage) weniger Strom aus dem Stromnetz bezogen wird?

Die aktuellen Förderrahmen behindern erneuerbare Energien. Die extrem hohen Grenzwerte für erneuerbare Förderzahlungen werden jetzt zwar durch hoch moderne Kombinationsanlagen erreicht, doch die Fördersummen sind zu gering, der administrative Aufwand dagegen viel zu hoch.

Die Bundesregierung ist mit ihrem E-Mobilkonzept und den nicht abgerufenen Fördermittel für E-Fahrzeuge mit Batterietechnik gescheitert. Auch hier gibt es keine Bewegung. Alleine die geringe Reichweite und fehlende Auflade-Möglichkeiten reichen für die Zurückhaltung in der Bevölkerung aus.

Es ist kaum vermittelbar, wie in einer Stadt ein Autobesitzer aus dem vierten Stock ein Ladekabel über den Bürgersteig sein E-Auto laden soll, wenn die wenigen Ladestationen belegt sind oder sich überhaupt ein Parkplatz direkt vor dem Haus findet.

Einige Hausverwaltungen von Neubaublocks untersagen den Eigentümern / Wohnungsmietern E-Autos in der Garage abzustellen und aufzuladen, da die Stromleitungen angeblich durch das Aufladen von mehreren E-Autos gleichzeitig zusammenbrechen könnten.

Das darf doch alles nicht wahr sein.

Hier müssen endlich vernünftige Gesetze und Rahmenbedingungen her, vor allem zur Planung von gewerblichen Objekten.

Der boomende Markt von Wasserstoff- und Brennstoffzellenfahrzeuge verschläft die deutsche Industrie genauso wie die Regierung.

In der Kombination der Sektoren Strom – Wärme – Mobilität liegen extreme Einsparpotentiale. So gibt es von mehreren Herstellern bereits Hybrid-Module und Dachziegel, in denen Photovoltaik und Solarthermie in einem einzigen Element integriert sind. Die gleiche Menge Energie auf der gleichen Fläche nutzen bedeutet: doppelte Energieausbeute auf gleicher Fläche.

Wir müssen uns verabschieden von der Vorstellung, dass in einem Haus der Strom nur aus der Stromleitung kommt, Energie nur vom Ölhändler oder Gasversorger geliefert wird und das Auto nur mit Benzin oder Diesel fährt.

Energie können jetzt schon die Hausbesitzer / Gewerbetreibende und Liegenschaftsverwalter selbst herstellen und die bisher getrennten Sektoren kombinieren. Damit halbieren die Energienutzer nicht nur die Fremdenergierechnungen.

Ganz besonders drücken erneuerbare Kombinationsanlagen in allen drei Sektoren die CO2-Emissionen auf Dimensionen, welche bisher als unvorstellbar galten.

Doch genau diese drastischen Reduzierungen sind notwendig, damit sich die Erde nicht unumkehrbar aufheizt.

Die jetzige Bundesregierung ist für echte Reformen viel zu schwach. Es bleibt die Hoffnung, dass es bald vorgezogene Neuwahlen gibt und eine wie auch immer neu zusammengesetzte Bundesregierung endlich das Zukunftsprojekt „Lebenswertes Deutschland für nachfolgende Generationen“ anpackt.

Damit die jetzige Bundesregierung und die für die Blockaden zuständigen Minister keine weiteren Schäden mehr anrichten, wünschen wir diesen einen angenehmen Ruhestand – außerhalb jeder Verantwortung für die nachfolgenden Generationen.

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