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Ist der Diesel noch zu retten?

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Eingestellt 4 Aug in Elektroauto, E-mobility von Franz Alt (1,807 Punkte)

Beim Auto-Gipfel in Berlin kamen die Auto-Manager nochmal mit einem blauen Auge davon. Sie haben zugesagt, was sie schon zuvor versprochen hatten, was aber ihre Diesel kaum sauberer macht. Das Stuttgarter Landgericht hatte schon im Vorfeld des Gipfels geurteilt, dass eine Schnickschnack-Software, welche die Hersteller vielleicht 100 Euro pro Diesel kosten wird, für eine bessere Luft in den deutschen Innenstädten nicht ausreicht.

Beim Diesel-Gipfel in Berlin haben ein paar Radfahrer den Auto-Lobbyisten den Weg versperrt. Daraufhin musste das Treffen vom Verkehrsministerium ins Innenministerium verlegt werden und konnte erst mit einer Stunde Verspätung beginnen. Kommentar der TAZ: „Autolobby in die Flucht geschlagen.“ Und: „Ein trauriger Witz“

Man kann es auch symbolisch sehen: Das Auto muss dem Fahrrad weichen. Nicht nur in Deutschland, auch in den USA ist der stärkste Industriezweig in der selbst verschuldeten Krise. Doch den Fahrradherstellern geht es blendend.

In den USA brach der Autoverkauf im Juli 2017 gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent ein, bei den großen SUVs sogar um 15%. Fiat Chrysler verkaufte gar 23% weniger Jeeps. Insgesamt der größte Einbruch seit 2010. In Deutschland wurden im letzten Monat neun Prozent weniger Diesel-Fahrzeuge verkauft als noch im Vorvormonat. Der Fahrrad-Verkauf hingegen boomt. Und das E-Bike erreicht seit Jahren zweistellige Wachstumszahlen.

Schlechte Nachrichten vom Automarkt sind in großen Volkswirtschaften immer schlechte Nachrichten für die Gesamtwirtschaft. Sowohl in den USA wie auch in Deutschland ist die Fahrzeugindustrie die wichtigste Branche des Landes. Bei Herstellern, Händlern und Zulieferern sind in den USA sieben Millionen Menschen beschäftigt. In Deutschland hängt jeder siebte Arbeitsplatz am Tropf der Autowirtschaft.

Beim Auto-Gipfel in Berlin kamen die Auto-Manager nochmal mit einem blauen Auge davon. Sie haben zugesagt, was sie schon zuvor versprochen hatten, was aber ihre Diesel kaum sauberer macht. Das Stuttgarter Landgericht hatte schon im Vorfeld des Gipfels geurteilt, dass eine Schnickschnack-Software, welche die Hersteller vielleicht 100 Euro pro Diesel kosten wird, für eine bessere Luft in den deutschen Innenstädten nicht ausreicht. Jetzt muss die Justiz wohl überall nachholen, was die Autobauer im Schulterschluss mit der Politik versäumt haben. Verfilzt und zugenäht.

Norwegen zeigt, dass es und wie es auch anders und intelligenter geht. Dort fährt bereits jedes dritte neu gekaufte Auto elektrisch. Der dafür benötigte Strom kommt zu 90% aus umweltfreundlicher Wasserkraft.

Das meist gekaufte Auto in Norwegen überhaupt ist der Elektro-Nissan Leaf, dessen Grundausstattung bereits für 22.000 Euro zu haben ist. Ein neuer Benzin-Golf kostet in Oslo gut 33.000 Euro. Norwegen schafft Anreize für E-Autos durch eine Kombination aus staatlicher Förderung und weiteren Vergünstigungen wie kostenloses Parken und Mehrwertsteuer-Vergünstigungen. E-Autofahrer zahlen keine Maut und nutzen Buslinien sowie die vielen Fähren im Land der Fjorde kostenlos. Es gibt an jedem Rastplatz Ladestationen. Aber in Deutschland wird noch immer über deren Finanzierung gestritten.

Weil hierzulande ein paar zehntausend Steckdosen fehlen, wird die Autowende verschlafen. Das ist zwar ein Witz, aber ein sehr trauriger. Das Land von Rudolf Diesel, Carl Benz und Gottlieb Daimler wurde lange Zeit weltweit wegen seiner Autos bestaunt, jetzt wird es zur Lachnummer.

   

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Beantwortet 6 Aug von Axel Horn (442 Punkte)

Hallo Herr Alt,

Deutschland wird in der weltweiten Diskussion zur Energiewende vor allem deshalb ausgelacht, weil man hier auf die Ökostromerzeugung so stolz ist, aber dennoch die Kohlekraftwerke ganzjährig laufen lässt, um im Winter für die Stromheizungen und künftig wohl auch Elektroautos genügend Leistung am Netz zu haben.

Ökostrom hat zwar den Charme, dass man ihn für Licht, Computer, Wärme und Mobilität einsetzen kann. Aber wir haben eben im aktuellen Ausbaustand der Ökostromerzeugung nicht soviel Leistung am Netz, dass wirklich alle Sektoren gleichermaßen an den Ökostrom gekoppelt werden können. Daher muss eine Priorisierung erfolgen, und da sollte die E-Mobilität an erster Stelle stehen. Zum einen, weil das die Schadstoff-Immissionen in Ballungsgebieten reduziert und so Menschenleben rettet. Zum anderen, weil Mobilität Exergie (also mechanische Leistung) benötigt. Daher ist es im unmittelbaren Zusammenhang mit der Entscheidung für mehr Elektromobilität eine energiepolitische Fehlentwicklung, wenn Ökostrom aktuell vorwiegend in den Wärmemarkt eingekoppelt wird, obwohl die dort benötigte Energie eine deutlich niedrigere thermodynamische Wertigkeit hat - genau in der Qualität, wie die Solarthermie sie bereitstellen kann.

Es ist eine Lachnummer, wenn der Lobbyverband EUROSOLAR in seinen Wahlprüfsteinen nach Solarstrom und Windstrom und Biomassestrom und Atomstrom fragt. Aber die Solarthermie kommt überhaupt nicht vor.

Da wäre mal eine klare Ansage von Ihnen gefragt!

Mit sonnigen Grüßen

Axel Horn

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