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Ist die Berechnung der Verluste wegen 50%-Abregelung auf Grund der KfW-Förderung korrekt?

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Eingestellt 19, Apr 2016 in Speicher von Geckler, Heinz (2,488 Punkte)

Liebe Nutzer des top50-solar-Forums,

ich habe Heute in einem Newsletter eine Berechnung eines Speicherherstellers gelesen, die ich gerne kommentieren möchte. Hier der Ausschnitt aus der Pressemeldung:

Außerhalb des KfW Programms liegt die Abregelung der Einspeisung (Stromverkauf ins Netz) bei 70%, innerhalb des KfW Programms seit 1. März 2016 bei 50%. Konkret liegt der Unterschied von 20% über 20 Jahre bei einer 8kW Anlage (Beispiel 8000kWh Ertrag pro Jahr) somit bei 0,2*20*8000=32000kWh bzw. bei einer Einspeisevergütung von 0,126€/kWh bei 4032€.

Bei dieser Berechnung wir unterstellt, dass während der gesamten Betriebszeit der PV-Anlage mit Speichersystem der Ertrag um 20% reduziert wird. An diesem Berechnungsbeispiel sind mehrere Fakten nicht berücksichtig:

1.) Die Begrenzung auf 50% greift nur dann, wenn die PV-Anlage mit mehr als 50% der Modulleistung läuft.

2.) Die Begrenzung bezieht sich auf die Einspeisung, was bedeutet dass der Verbrauch im Gebäude dynamisch berücksichtigt werden kann

3.) Bei intelligenten Speichersystemen wird nicht sofort bei Beginn der Erzeugung geladen sondern abhängig von der Wetterprognose die Ladung in den Zeitrahmen verschoben, in dem sonst eventuell abgeregelt werden müsste.

Fazit: Die Verluste durch die 50%-Begrenzung nach dem KfW-Programm 275 sind deutlich geringer wie in dem Berechnungsbeispiel des Speicherherstellers. Außerdem können durch intelligentes Last- und Lademanagement die Verluste nahezu auf Null reduziert werden. Ich finde es einfach schade, dass sich durch solche Meldungen viele Nutzer verunsichert fühlen. Vor allem, da mir der Hersteller und dessen System eigentlich als kompetenter Hersteller mit professionellen Produkten bekannt ist.

   

2 Antworten

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Beantwortet 20, Apr 2016 von Tjarko Tjaden (263 Punkte)

Darf man fragen, wer solche Pressemitteilungen verschickt?

Antworten auf diese Frage finden sich fundiert und anschaulich aufbereitet in der 50%-Studie der Forschungsgruppe Solarstromspeicher der HTW Berlin.

https://pvspeicher.htw-berlin.de/50prozent-studie/

Das folgende Bild stellt z.B. die mittleren Abregelungsverluste 74 repräsentativer Haushalte in Abhängigkeit der Anlagendimensionierung dar. Links konventionelle Systeme und rechts ein möglichen reales System, wenn es den PVprog-Algorithmus der HTW verwenden würde.

image

Den Algorithmus mit autonomen PV- und Lastprognosen haben wir bewusst unter MIT Lizenz gestellt, so dass er runtergeladen und sowohl privat sowie kommerziell verwendet werden kann.

Ein prognosebasierter Betrieb, der transparent und verlässlich funktioniert ist wichtig für das Gelingen der Energiewende in den Verteilnetzen. Wir hoffen also, dass die Hersteller möglichst bald beweisen, dass die Systeme prognosebasierte Betriebsstrategien beherrschen. An freien Algorithmen mangelt es in jedem Fall nicht mehr :)

Einen Vergleich verschiedener Algorithmen findet sich zudem in der Projektarbeit von Siegel und Bergner, welche hier zu finden ist: https://pvspeicher.htw-berlin.de/veroeffentlichungen/abschlussarbeiten/

Mit sonnigen Grüßen,
Tjarko Tjaden

Kommentiert 20, Apr 2016 von Geckler, Heinz (2,488 Punkte)
Hallo Herr Tjaden,
ich habe Ihnen bereits per Mail geantwortet. Ich möchte hier niemanden bloss stellen, da ich davon ausgehe, dass dieser Pressebericht von dem angesprochenen Hersteller so nicht vorgesehen war.
Ich kann Ihnen zu Ihren Ausführungen nur zustimmen. Das war zum Beispiel auch ein Grund, weswegen ich Bosch nicht als Hersteller in mein Portfolio von Speichersystem aufgenommen habe. Bei einer Produktvorstellung in einer bei uns in der Region tätigen Energiegenossenschaft hat mit der Referent ( Entwicklungs-Ingenieur des Bosch Speichersystems ) auf Nachfrage mitgeteilt, dass eine prognosebasierte Ladung völlig unnötig sei und die Firma Bosch ( zumindest vor ca. 1 1/2 Jahren ) überhaupt keine Überlegung in diese Richtung anstelle. Auf Grund von mir damals bereits gemachten Erfahrungen mit realen Anlagen konnte ich diese Aussage nicht akzeptieren.
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Beantwortet 19, Apr 2016 von Michael Stöhr (1,180 Punkte)

Hallo Herr Geckler,

den Gedankenfehler in der genannten Pressemeldung könnte man noch wie folgt auf den Punkt bringen: Sie verwechselt - wie es oft geschieht - Energie und Leistung. Sie unterstellt unausgesprochen, dass die PV-Stromerzeugung entweder auf voller Leistung läuft oder garnicht, und unterschlägt den Eigenverbrauch.

Mit sonnigen Grüßen,

M. Stöhr

Kommentiert 19, Apr 2016 von Geckler, Heinz (2,488 Punkte)
Hallo Herr Stöhr,
ich finde es eigentlich schade, dass eine solche Aussage in einer Pressemeldung eines renommierten Speicherherstellers enthalten ist.
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