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Welche Vision haben die deutschen Autobauer?

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Eingestellt 2, Apr 2016 in Energiewende von Franz Alt (1,830 Punkte)

Welcher deutsche Autofabrikant redet von der Umwelt, von der Energiewende, vom Klimawandel oder gar von der Rettung der Welt, wenn er ein neues Auto vorstellt? Elon Musk von Tesla hat es in Kalifornien gerade getan als er sein Model 3 präsentierte: Ein elektrisch angetriebenes Mittelklasseauto mit einer Reichweite von 350 Kilometern für 31.000 Euro und mit Platz für fünf Personen.

Wovon hiesige Autobauer nur träumen können: Innerhalb von 24 Stunden wurden 115.000 dieser Autos bestellt, das es noch gar nicht gibt, und für das jeweils 1.000 Euro anbezahlt werden mussten. Die Vorbesteller übernachteten zum Teil in Tokio, in Hamburg oder in San Francisco vor den Tesla-Geschäften auf der Straße, nur um rechtzeitig dabei zu sein.

Die deutschen Autobauer sind fassungslos. Seit Jahrzehnten verzögern und verschlafen sie alternative Antriebe. Die Käufer wollen ein Fahrzeug, das es noch gar nicht gibt und von dem sie noch gar nicht wissen, wie es aussieht. Aber sie wollen künftig umweltfreundlich unterwegs sein.

Ein Umweltfahrzeug für den Massenmarkt – das ist die Philosophie von Elon Musk. Er erfüllt die Erwartungen einer neuen Generation von Autokäufern, für die ihr Fahrzeug kein Prestige-Objekt mehr ist. Und was ist die Philosophie oder gar die Vision der deutschen Autobauer?

Bei Benzinautos waren die Deutschen Jahrzehnte lang vorne mit dabei. Aber wenn ein Benzinauto heute in den Zeiten des Klimawandels mit einem Liter Benzin 10.000 Liter Luft verpestet, dann passen die alten Dinosaurier einfach nicht mehr in die Zeit. Doch den heimischen Autobauern fehlt bisher die notwendige Ambition für ein Zukunftsauto, das diesen Namen auch wirklich verdient.

Und eine Vision für eine gute Zukunft für Kinder und Enkel haben sie schon gar nicht. Deutsche Autokonzerne leben noch immer von der Vergangenheit, sind aber blind für die Zukunft. Das ist schon mittelfristig auch schädlich für das alte, aber überholte Geschäftsmodell. Das wird so bleiben, wenn das wichtigste Ziel Geldverdienen heißt und gesellschaftliche Probleme weitgehend verdrängt werden.

Hier gilt Gorbatschows Monitum: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Die Honeckers der deutschen Autoindustrie sollten endlich erwachsen werden.

Die Tesla-Vision heißt: Autos ohne Schadstoffausstoß produzieren, angetrieben mit erneuerbarer Energie zu erschwinglichen Preisen. Aber welche Vision haben die Daimlers, BMWs, VWs und Co?

Die gute Nachricht aus Kalifornien ist eine schlechte Nachricht für Auto-Deutschland. Vielleicht wachen die hiesigen Auto-Hersteller wenigstens jetzt auf.  Es ist noch nicht zu spät. Denn Elon Musk hat seine Zukunftsautos erst angekündigt und Prototypen gezeigt.

Sein Model 3 wird man erst in etwa zwei Jahren kaufen können. Aber die Erwartungen sind riesig. Und Erwartungen bestimmen die Zukunft und nicht der Verweis auf die Erfolge der Vergangenheit.

Tesla Model 3 | Weltweit 115.000 Vorbestellungen ohne einen Blick auf das neue Elektroauto - Ein beeindruckendes Elektroauto für die Masse - Die Latte für die Konkurrenz liegt hoch.

   
Kommentiert 5, Jun 2016 von Klaus-Dieter Gens (21 Punkte)
Hallo Herr Tuguntke,
nicht der Batteriepreis sondern der unverhältnismäßige Verkaufspreis ist das Problem. Was ist denn an einem E-Auto so viel mehr dran, dass es doppelt so teuer wie ein herkömmliches sein soll? (Ich halte den Verkaufspreis für einen Abwehrpreis. E-Autos sind von den konservativen Automobilbauern trotz Lippenbekenntnissen nicht wirklich gewünscht. Das Geld macht man mit großen überdimensionierten und übermotorisierten Schlitten.)

Oft werden Elektroautos in puncto Leistung, Reichweite und Ladezeit mit herkömmlichen Fahrzeugen verglichen.
Wir tun dabei so, als wenn die Nutzung der herkömmlichen Fahrzeuge normal, richtig und erstrebenswert sei.
Ist es das? Ist größer, schneller weiter wirklich das richtige für uns?
Verkehrswende ist auch eine Einstellungs-Wende:
Elektromobilität ist eine andere Form unterwegs zu sein, der täglichen Nutzung und des Reisens.

Klein- Elektrofahrzeuge in der Polo-oder UP-Klasse sind für kurze Entfernungen ideal und für die meisten Fahrten völlig ausreichend und komfortabel.

Und wenn Sie reisen: Sie fahren entspannt, vielleicht etwas langsamer, auch Landstraßen. Sie werden Orte und Gegenden erleben, die Sie sonst nicht sehen. Nach 1 ½ bis zwei Stunden machen Sie eine Pause. Sie haben 30-60 Minuten Zeit in Ruhe zur Toilette zu gehen, etwas zu essen, spazieren zu gehen, (gute) Gespräche zu haben, mit den Kindern zu spielen und dem Hund zu laufen.  Ladezeiten sind nicht notwendiges Übel, sondern Teil des Reisens.
Danach fahren Sie erholt weiter auf der nächsten Etappe und kommen abends entspannt in ihrem Zwischenquartier an.

Reisen wird zum Teil des Urlaubs und schafft ganz andere Erlebnisse. Deshalb ist E-Mobilität die andere Form der Fortbewegung - unvergleichbar.

Also bauen Sie bitte kleine, pfiffige, sichere und gut ausgestattete Wagen mit Fahrerassistenzsystemen. Die bisherigen Leistungen und Reichweiten der Klein- und Mittelklasse reichen aus, bis wir uns neu an das entspannte (unterwegs) sein gewöhnt haben. Dann braucht keiner einen unökonomischen Boliden mehr.

Wer schnell, vielleicht beruflich, von A nach B muss, sollte die Bahn benutzen und am Ziel ein Elektroauto oder Car-Sharing nutzen. Für 35000 Euro können Sie fast 8 Jahre lang eine schwarze Bahncard haben.

Wer meint, er braucht ein dickes 13Liter- Auto, der soll es ruhig tun, die verschiedenen Fortbewegungsweisen werden noch eine Weile nebeneinander stehen.

PS. Ich wohne auf dem Lande, fahre mit dem Zoe in die umliegenden Orte und zum Bahnhof. Nach 60-80 km bin ich wieder zu Hause und tanke Sonne. 90 km/h sind völlig ausreichend. E-Autos sind nicht nur Stadtwagen.
Übrigens: Selbstfahrende Autos halten sich an die Verkehrsregeln und Geschwindigkeitsbegrenzungen.

1 Antwort

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Beantwortet 2, Apr 2016 von Geckler, Heinz (2,530 Punkte)

Hallo Franz Alt,

wenn ich mir das Verhalten der Deutschen Automobil-Industrie anschaue, was das Engagement im Bereich Elektromobilität betrifft, wird mir Angst um die vielen Arbeitsplätze rund um diesen Industriezweig in Deutschland. Wenn man zum Beispiel bedenkt, dass bis 2025 in Norwegen und in den Niederlanden keine neuen KFZ mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden sollen, dann brechen dieser Branche wichtige Märkte weg, wenn nicht ganz schnell umgesteuert wird. Diese nicht mehr umzukehrende Entwicklung wird sich mittelfristig sicher nicht auf diese 2 Länder beschränken. Vielleicht bringen aber auch solche Vorgaben, wie auch die derzeitigen Erfahrungen mit den Diesel-Abgas-Skandalen, einen Prozess in den Konzernzentralen in Gang, um verlorenes bzw. verschenktes Terrain wieder aufzuholen.

Kommentiert 2, Apr 2016 von Jörg Tuguntke (1,368 Punkte)
Ihr trefft BEIDE den Punkt.

Aber solange die Politik (er) den gesammelten ALTEN Industrieen die Hand vor den   ..........   halten, wird sich in den Wasser- & Betonköpfen nur extrem TRÄGE etwas ändern !!!

Ich sehe nur einen Ausweg (wie bei der Energiewende):
Der Impuls muss so intensiv und hart von unten (aus der Bevölkerung) kommen, daß selbst politische Bremsklötze / Verhinderer wie Gabriel und Baake (Wer bezahlt die eigentlich -also besser als der Wähler-??)

Nein, ich will mich nicht aufregen.

lg  tugu
Kommentiert 4, Apr 2016 von Michael Stöhr (1,180 Punkte)
Indien gehört mittlerweile auch zu den Ländern, die ganz auf Elektromobilität umsteigen wollen. Es strebt 100% Elektromobilität bis 2030 an:
http://www.sonnenseite.com/de/mobilitaet/indien-will-ab-2030-nur-noch-e-autos.html
Vorbild ist der Umstieg von Glühlampen auf LED-Leuchten. Bis heute wurden 91 Mio. LED-Leuchten in Indien verteilt: http://www.delp.in/
Der Preis fiel dabei um 83%: http://www.theregister.co.uk/2016/04/01/india_orders_770_million_led_light_bulbs_prices_drop_83_per_cent/
Kommentiert 21, Mai 2016 von Klaus-Dieter Gens (21 Punkte)
Hallo Franz Alt,
massentauglich ist ein Auto für über 30T Euro nicht. Der Endpreis wird mit Nebenkosten bei min. 35T liegen.
Der Durchschnitts-Netto-Verdienst liegt bei 22T Euro. Diesen Wert erreichen viele nicht, weil andere erheblich mehr verdienen. Deshalb fahren heute viele eine alte CO2 Schleuder unter 5000 Euro.
Massentauglich ist ein Auto von 15T Euro. Für etwas mehr gibt es da einen Franzosen.
Das müsten die deutschen doch auch können?
Tesla hat die E-Mobiltät ins Gespräch gebracht, das ist sein Verdienst. Aber auf Tesla zu schauen in einer preislichen Größenordnung, die sich der größte Teil der Bürger nur mit Schulden leisten können, bringt es nicht.
Also baut kleine verünftige, dem Nutzen angepasste Autos für 15T € neu und wir kommen voran.
Die Preise für deutsche E-Mobile sind Abwehr-Angebote
Grüße von Klaus-Dieter Gens
Kommentiert 23, Mai 2016 von Jörg Tuguntke (1,368 Punkte)
Moin, moin,

diese Fahrzeuge gibt es ja, nur ist der Akku das Preisproblem. D.h. Autos in der geschilderten Preisklasse haben nur geringe Reichweiten.

http://www.volt-mobil.de/deu/produkte.html
habe ich bereits voriges Jahr in "M" auf der Intersolar gefahren, durchaus "nutzbar", wie auch mein http://www.emobilserver.de/service-tools/katalog/neu-elektro-nutzfahrzeuge/dfm-van-eq-6380.html  Elektrobus.

Zugegeben, in Stuttgard auf und ab ????  aber bei uns hier mal auf den Deich und sonst nur flaches Land geht einwandfrei für den "Tagesbetrieb".

lg  tugu
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