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Neue Heizkesselstandards der EU

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Eingestellt 21, Sep 2015 in Solare Wärme, Heizen von Hans-Josef Fell (402 Punkte)

Wie der politische Vorrang der Energieeffizienzpolitik von einer Politik für Erneuerbare Energien ablenkt 

Ab diesem Monat dürfen in der EU neue Heizungen nur noch mit Brennwertstandard eingebaut werden. Viele Umweltpolitiker feiern diesen Durchbruch für höhere Effizienzstandards als großen Erfolg für den Klimaschutz, siehe Artikel.

Doch schauen wir uns an, was der jahrelange Einsatz für mehr Energieeffizienz für Heizkessel wirklich bringt: Mehr CO2-Einsparung als der Emissionshandel insgesamt, loben Umweltpolitiker. Das mag wohl sein, nur: Ist das wirklich ein gutes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass der Emissionshandel ja so gut wie Nichts für den Klimaschutz erbringt?

Nun bringt ein neuer Brennwertkessel gegenüber einer alten Erdöl- oder Erdgasheizung vielleicht 30 % Energie- und Emissionseinsparung. Das bedeutet, dass nun über Jahre hinweg alte Öl- und Gasheizungen durch neue Erdöl- und Erdgasheizungen mit etwas weniger Emissionen ersetzt werden. Diese werden dann meist 20 Jahre lang betrieben, womit über 70% der bisherigen Emissionen jahrzehntelang festgeschrieben werden. Natürlich können statt Erdöl- und Erdgas auch Heizungen mit Erneuerbaren Energien die neuen EU Normen erfüllen, doch nur wenige Hausbesitzer werden sie einbauen, vor allem nicht beim heutigen niedrigen Erdölpreis. Die Nutzung von Erdöl und Erdgas im Heizungssektor wird also über Jahrzehnte auf hohem Niveau zementiert, allen Bemühungen für Klimaschutz und für mehr Unabhängigkeit von Energieimporten zum Trotz – und dies im Heizungssektor, der immerhin 25% der EU weiten CO2-Emissionen verursacht.

Mit dieser neuen EU-Energieeffizienzmaßnahme werden also inakzeptabel hohe Niveaus der CO2-Emissionen aufrechterhalten und die Absatzmärkte der Erdöl- und Erdgaswirtschaft geschützt. Hier zeigt sich besonders, dass ein ausschließlicher Einsatz für Energieeffizienz sogar negative Effekte für den Klimaschutz mit sich bringen kann. Hätten sie sich konsequent in den vielen zurückliegenden Jahren für Nullemissionsheizungen mit Erneuerbaren Energien eingesetzt, hätten wir heute wohl eine EU-Richtlinie dafür, der Heizungssektor würde sich in den nächsten 20 Jahren den Nullemissionen nähern; eine stärkere Unabhängigkeit von Energieimporten würde erreicht und die finanzielle Haupteinnahmequelle des Islamischen Staates (IS) würde allmählich gestoppt.

Es wird Zeit, dass Umweltpolitiker endlich an einem Strang ziehen und die Umstellung auf Erneuerbare Energien als Nullemissionsziel als vorrangige Aufgabe sehen und die Energieeffizienz als wichtige Begleitmaßnahme dafür, aber nicht als Ersatz für die Umstellung auf Erneuerbare Energien.


   

1 Antwort

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Beantwortet 21, Sep 2015 von Andreas Kühl (181 Punkte)

Nicht Energieeffizienz und erneuerbare Energien gegeneinander ausspielen!

Inhaltlich ist dieser Beitrag völlig richtig und sehr wichtig. Aber die Überschrift spielt das ohnehin schwache Thema Energieeffizienz gegen die erneuerbaren Energien aus. Wir brauchen eine integrierte Gesamtstrategie mit der Nutzung von erneuerbaren Energien für die Heizung und keine kleinen Einzelschritte. Es ist völliger Unsinn, dass Heizungen auf fossiler Basis einen hohen Effizienz-Standard erreichen können. Solange nicht alle Heizungsarten abgedeckt sind, ist das mehr ein Erfolg der Lobbyarbeit der Ölheizungs-Industrie, als ein Schritt zur Nullemission. Aber das Nullemissionsziel erreichen wir nur im Zusammenspiel von Energieeffizienz und Erneuerbare Energien.Dazu brauchen wir hocheffiziente Gebäude und effiziente Heizungen, die mit erneuerbaren Energien arbeiten. Solange wir diese Gesamtstrategie nicht haben, die derzeit wieder einmal intensiv bekämpft wird (z.B. von der Wohnungswirtschaft, die Effizienzstandards von Gebäuden wieder senken möchte), werden wir dem Ziel nicht näher kommen. Das Heizungslabel wird da nichts ändern, jeder Handwerker weiß um die Schwächen des Labels.

Mich ärgert es, wenn Effizienz und Erneuerbare Energien gegeneinander ausgespielt werden. Nur zusammen können wir das gewünschte und notwendige Ziel erreichen. In der Politik scheint jedoch derzeit kein Interesse an einer Gesamtstrategie zu bestehen.

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