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Was verbirgt sich hinter dem Summenzählermodell für Photovoltaik-Anlagen in Mietshäusern?

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Eingestellt 22, Jul 2014 in Photovoltaik von Anonym
   

1 Antwort

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Beantwortet 23, Jul 2014 von Andreas Horn (456 Punkte)

Kurz: Das sog. "Summenzählermodell" ist der geläufige Begriff für das Messkonzept D1/D3 des VBEW für "Selbstversorgergemeinschaften". Dieses Messkonzept erlaubt die Abrechnung der relevanten Strommengen in Mehrparteiengebäuden (z. B. Mietshäuser, Mehrgeschosswohnungsbau, Wohnbaugenossenschaften, aber auch mit Gewerbeeinheiten), die (teilweise) Strom von einer PV-Anlage oder sonstigen Stromerzeugungsanlage (z. B. BHKW oder Kleinwindrad) beziehen, die direkt in das Hausnetz Strom einspeist. Solche Projekte werden häufig auch als "Mieterstrommodelle" bezeichnet.

Das Messkonzept im Original findet sich z. B. hier: Messkonzept D3 Selbstversorgergemeinschaft [www.swm-infrastruktur.de/dms/swm-infrastruktur/dokumente/strom/netzanschluss/vbew-messkonzepte-erzeugungsanlagen.pdf]

 

Mieterstrommodelle

In den letzten Monaten bekannt geworden sind Mieterstrommodelle der Heidelberger Energiegenossenschaft (gemeinsam mit Naturstrom, siehe Pressemitteilung "NATURSTROM AG und HEG bieten Solarstrom für Mieter"), sowie von Lichtblick in Berlin (siehe Pressemitteilung "Lokaler Stromverbrauch: Lichtblick startet Großprojekt in Berlin"). Soweit mir bekannt ist, verwenden diese ebenfalls das Summenzählermodell. Die Wohnbaugenossenschaft Wogeno bzw. die CoHaus München macht seit über zwei Jahren ähnliche Projekte in München, dort mit dem Dienstleister buzzn und ebenfalls mit dem Summenzählermodell. Buzzn ist für den sog. "localpool" einerseits Messstellenbetreiber und mit der "Stromtauschbörse" Buzzn auch der Reststromlieferant bzw. Überschussstromabnehmer. Weiterhin unterstützt Buzzn die PV-Betreiber auch hinsichtlich deren energiewirtschaftlichen Aufgaben als "Energieversorger" für die Hausbewohner. Selbstverständlich können die Hausbewohner auch weiterhin einen beliebigen Stromlieferanten frei wählen, aber der Strom vom eigenen Dach oder aus dem eigenen Keller ist doch emotional attraktiver smiley

Das Summenzählermodell ist bei "localpool" so dargestellt und zeigt gut, dass es hier nicht nur um PV geht, sondern z. B. auch BHKW oder (kleine) Wind - Stromerzeuger gehen kann. Ausserdem müssen die Stromverbraucher nicht nur Haushalte sein, sondern können auch Gewerbe sein - sofern deren Strombezugskosten ähnlich hoch wie beim Haushaltstarif sind. Der Strompreis für den Mieterstrom wird übrigens vom Betreiber selbst festgelegt - auch die Mieter sollen hier ja durch günstigen PV-Strompreis profitieren. Die Quote der "Mieterstromkunden" ist bei buzzn mit typ. 90% sehr hoch, allerdings erfordert es auch viel Kommunikation und Anstrengung, um das Vertrauen der Stromkunden zu gewinnen.

"Summenzählermodell" in der Darstellung von localpool.de / buzzn.net

Als PV-Planer und Berater unterstütze ich derzeit in München einige Mieterstrommodelle verschiedener Gebäudeeigentümer (v. a. Wohnbaugenossenschaften, aber auch Bauherrengemeinschaften und Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG). Neben der Planung der PV-Anlagen (Konzept, Wirtschaftlichkeit, Auslegung, Berücksichtigung von Brand- und Blitzschutz, Kombination mit Dachbegrünung, Fassaden etc.) unterstütze ich die Gebäudeeigentümer / Anlagenbetreiber auch hinsichtlich des Messkonzepts. In München werden in den nächsten Monaten einige neue "Selbstversorgergemeinschaften" Mieterstrommodelle realisieren, die dann über das "Summenzählermodell" abgerechnet werden. Da bei den Mehrparteien-Wohngebäuden der Stromverbrauch dauerhaft vorhanden ist und das Verhältnis von Eigenerzeugung zu Gesamtverbrauch im Gebäude meist eher niedrig ist (ca. 1/3 bis 1/2), ist der "Direktverbrauchsanteil" im Gebäude hoch (typ. 90%). Da PV-Strom  mit ca. 13 Ct/kWh (Herstellkosten) selbst mit voller EEG-Umlage von 6,24 Ct/kWh weniger kostet, als der Strombezugspreis für Haushaltskunden (in München mit ca. 21,5 Ct/kWh netto recht preisgünstig), ist das Modell wirtschaftlich darstellbar.

Mieterstrommodelle sind wegen des hohen "Direktverbrauchsanteils" weitgehend unabhängig von EEG-Tarifen und werden mit steigenden Haushaltsstrompreisen zunehmend attraktiver. Das Summenzählermodell stellt ein praktikables Messkonzept für die Umsetzung solcher Projekte zur Verfügung.

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